Das Ende – Teil 3: See ya Georgia, howdy Texas

03. Januar 2015
Lone Star State Texas

Lone Star State Texas

Seit knapp 5 Monaten sind Mandy und ich nun also im „Lone Star“ State Texas. Es ist in der Tat etwas lonely hier. Über die letzten 5 Jahre in Atlanta hatten wir unseren Freundeskreis, unsere Brettspiel-Gruppe, ich meinen Tischtennisclub, meine Fußball-Kameraden, Mandy ihren Tanzverein. Aber das ist nur eine Seite. Dass Atlanta ein Aufenthalt auf Zeit sein würde, war vorauszusehen, da es mit Atlantas Jobmarkt in meinem Bereich nicht besonders gut bestellt ist. Umso attraktiver ist Dallas in dieser Hinsicht. „Georgia Techs West-Campus“ wird Texas Instruments in unserer Gruppe angesichts der zahlreichen GT-Absolventen bei TI scherzhaft bezeichnet. Und wenn ich auch etwas wehmütig zurück nach Atlanta und das dortige Leben schaue, bin ich über meine Arbeit und die beruflichen Möglichkeiten bei TI mehr als glücklich.

Umzug nach Dallas (UHaul und Ford Fiesta)

Umzug nach Dallas (UHaul und Ford Fiesta). Zwischenstop in Ruston, Louisiana (4. August 2014)

Erster Arbeitstag (noch etwas verschlafen...)

Erster Arbeitstag (noch etwas verschlafen…), 18. August 2014

Als ich 2010 mit dem PhD im Bereich Computer Vision anfing, hatte ich als mögliches Berufsfeld den Bereich Fahrerassistenzsyteme im Auge. Natürlich dachte ich an Firmen wie Bosch oder Mercedes im Stuttgarter Raum. Dass ich jetzt bei TI gelandet bin und TI erst vor kurzem den Schwenk zum Chip-Liferanten für Automobilsyteme gemacht hat, zeugt von der Ironie des Lebens: Ich arbeite genau an der Sache, die ich mir vorgestellt habe, aber eben nicht am geplanten Ort. Es gilt also das private Leben in Dallas auf dasselbe Niveau zu heben wie das berufliche.

Natürlich macht die Tatsache, dass wir zu zweit sind, diese Aufgabe um einiges leichter. Und über Weihnachten haben meine Eltern und meine Schwester Simone noch zusätzlich zu diesem Ziel beigetragen, als sie uns in Dallas besuchen kamen. Wir verbrachten sehr schöne Tage mit Downtown-Besichtigung, Ausflug nach Austin, Rodeo, Brettspielen und viel Essen. Dallas ist außderdem auch etwas näher an Los Angeles (wo es Christoph hinverschlagen hat). Vielleicht kann ich ihn ja noch für Texas begeistern. Vor einiger Zeit hätte ich noch keinen Pfennig darauf gewetttet, dass er in die USA kommen — geschweige denn umziehen — würde. Und was gibt es Amerikanischeres als Texas?

Weihnachten 2014

Weihnachten 2014

Stephen Colbert, Host meiner Lieblings-TV-Show (http://thecolbertreport.cc.com/), hat vor einigen Wochen seine letzte Sendung ausgestrahlt, und da will ich diese historische Gelegenheit nutzen, um auch martinatgt.scytale.org sein verdientes Ende zu bescheren. Mein Studium am Georgia Tech ist zu Ende, ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen. Ich erwische mich immer wieder beim Durschauen alter Einträge; und das ist das Schöne an diesem Blog, dass es mich immer wieder an diese besondere Zeit erinnern wird. Ganz besonderen Dank an dieser Stelle natürlich nochmals an Christoph für das Bereitstellen und Warten dieser Webseite! Du warst quasi gezwungen dem Blog bis zum Ende treu zu bleiben. 🙂 Übrigens, Tejas (Texas) bedeutet „Freund“ — wenn das mal kein Zufall ist.

 

 

Das Ende – Teil 2: Nutze die Zeit nach dem PhD

03. November 2014

Der Monat meines 30. Geburtstags läutete eine neue Lebensphase ein: Wie schon berichtet, schloss ich mit dem PhD vom Georgia Tech mein Studentenleben ab. Zwei Wochen nach meiner Verteidigung erhielt ich ein Jobangebot von Texas Instruments (TI) in Dallas (Texas) mit Starttermin August 2014 (doch dazu später mehr). Mit Freude durften Mandy und ich verkünden, dass wir den Schritt nach Dallas gemeinsam und mit einem großen Versprechen machen würden. Was blieb waren zwei Monate freie Zeit, die es zu nutzen galt, da Urlaubstage in der amerikanischen Industrie nur spärlich gesät sind. Auf meiner Amerika-Karte der bereisten Gegenden klaffte noch ein ziemlich großes Loch in der Mitte, das es nun zu schließen galt. Gemeinsam mit Mandy startete ich einen 3-wöchigen Camping- und Roadtrip, auf dem wir ca. 5500 Meilen (ca. 8800 km) hinter uns brachten. Unser Hauptziel war Yellowstone National Park in Wyoming, das wir über folgende Route von Atlanta aus erreichten:

2014 Yellowstone Roadtrip

Die Highlights sind in den Bildern am Ende des Artikels festgehalten. Dazu gehörten:

  • WM-Spiel Deutschland gegen Ghana in einer Bar  in Nashville mit life Country-Musik.
  • St. Louis‘ Gateway Arch, das auch als Tor für unsere Reise in den Mittleren Westen der USA diente.
  • Badlands National Park mit einem sehr schönen Camping-Platz und Canyonlandschaft.
  • Mount Rushmore und das indigene Konkurrenz-Memorial Crazy Horse in den Black Mountains – ein Muss wenn man mal in der Gegend ist.
  • Höhlenwanderung in der Jewel Cave, momentan das 3.-größte Höhlensystem der Welt. „Momentan“, weil nur entdeckte Gänge zählen und quasi täglich neue Gänge entdeckt werden.
  • Die schnurgeraden und einsamen Autobahnen in Wyoming.
  • Rocky Mountains National Park: Eindrückliche Berge weniger als eine Stunde von Downtown Denver entfernt.

Yellowstone National Park war natürlich das absolute Highlight. Der Park ist riesig (8983 km²) und sitzt auf einem erloschenen Vulkan. Durch diese besondere Geologie gibt es hier unzählige Kuriositäten zu sehen: Sprudelnde Geysire, brodelnde Schlammlöcher, oder farbprächtige Wasserlöcher (Die Farben entstehen durch Bakterienkulturen, die sich mit der Temperatur und der Tiefe des Loches ändern). Dazu beeindruckende Berge, ein Fluss mit Wasserfällen, ein See in der Mitte (Der Vulkankrater), und allerlei Wildtiere (Büffel, Hirsche, vereinzelt auch Bären). Das Camping hat sich hier finanziell sehr gelohnt, wenn es auch eine gewisse Herausforderung war bei um die null Grad nachts (Ende Juni…).

Auf dem Rückweg verbrachten wir drei Tage in Dallas, wo wir das WM-Spiel Deutschland gegen Brasilien erleben durften (In den zwei Wochen davor war es schwierig WM-Empfang zu bekommen; ab und zu mal ein Ergebnis-Update via iPhone immerhin). Zudem suchten und fanden wir ein Apartment für unseren Umzug nach Dallas im August. Die Autobahn I-20 führte uns durch bekannte und vermisste Südost-Landschaft mit dichten Wäldern durch Louisiana, Mississippi und Alabama wieder zurück „nach Hause“ nach Atlanta, Georgia.

Das Ende – Teil 1: Gestern ein Student

01. September 2014

Eine gewisse Entfremdung zwischen mir und meinem Blog in den letzten 2 Jahren kann ich nicht verleugnen. Wobei ich dazusagen muss, dass ich die Schuld ganz auf mich nehme. Mit den Jahren wurde das Abenteuer USA, Georgia Tech, Ph.D., usw. immer mehr zum Alltag, der bewältigt werden wollte und nicht immer einfach war. Daher die wenigen Updates bzgl. meiner Forschung. Im Mai diesen Jahres war dann aber–im Rückblick über die ganzen vier Jahre, muss ich sagen: einem kleinen Wunder gleich–doch der Zeitpunkt gekommen, dass ich den Doktor und damit meine Zeit am Georgia Tech erfolgreich abgeschlossen hatte.

Diese Meldung kommt hier im Blog etwas aus dem Nichts, doch–auch wenn unsere Beziehung in letzter Zeit schwierig war–verdient martinatgt einen klaren Schlussstrich. Dies ist der erste von drei finalen Einträgen. Auch wenn ich das Blogschreiben die meiste Zeit genossen habe, war martinatgt hauptsächlich dafür gedacht (wie der Untertitel schon sagt), von meinem Studium am Georgia Tech zu berichten. Diese Kapitel ist nun abgeschlossen, und es muss definitiv ein neues Format für die Zukunft her, falls es mit dem Blogschreiben weitergehen sollte. Man wird sehen.

LCCV

Laboratory of Computational Computer Vision (LCCV) unter Prof. Yezzi’s Leitung, Juli 2014

Dissertations-Verteidigung

Bei meiner Dissertations-Verteidigung (30. April 2014)

Zum Abschluss also das „Summary“ meines Ph.D.-Studiums: In meinem ersten Jahr (2010-2011) arbeitete ich mit Prof. Tannenbaum an Feuerdetektion in Videos. Leider musste Prof. Tannenbaum 2011 das Georgia Tech verlassen, so dass ich mich thematisch unter meinem neuen Professor, Prof. Yezzi, ein wenig umorientieren musste. Bei diesem, meinem zweiten Thema, ging es um die geometrische Rekonstruktion von Objekten aus Körperschallmessungen. Prof. Fedele arbeitete dabei eng mit mir und Prof. Yezzi zusammen. Leider entwickelte sich das Thema nicht so, wie ich es mir erhofft hatte und einige Rückschläge, wie z.B. dieser , führten zu einer Krisenphase Ende 2012 und Anfang 2013. Prof. Yezzi bot mir in der Folge ein Praktikum bei seiner (ein-Mann)-Startup-Firma Vintinura Imaging Inc. an: Von Juni bis Dezember 2013 arbeitete ich für Vintinura an einem Projekt für Detektion und Tracking von Objekten in Infrarot-Videos. Der schöne Bonus war dabei, dass ich dafür von Juni bis August 2013 von Deutschland aus arbeiten konnte. Im September 2013 schloss ich meinen Proposal ab, wo ich einem Kommitee von Professoren meine drei Projekte (Feuer, Körperschall, Infrarot)  als Forschungsprojekte für meine Dissertation vorstellte. Das erste Viertel von 2014 war dann ganz der Dissertation und meinem zweiten Projekt (wo es noch ein paar Dinge abzuschliessen gab) gewidmet — vermutlich die stressigste, aber auch produktivste Zeit während meines Ph.D. Am 30. April 2014 stellte ich schließlich meine Dissertation mit dem Titel „Physics-driven Variational Methods for Computer Vision and Shape-based Imaging“ meinem Ph.D.-Kommittee  vor, die meine Arbeit ohne größere Kritik annahm. Letztendlich ist das Thema meiner Arbeit eine Familie von Methoden (Variationsmethoden, vor allem active contours), die auf verschiedene Projekte (Feuerdetektion, Bildrekonstruktion, Detektion und Tracking) angewandt wurden.

Das hatte jetzt etwas von einer „Tour de Force“, aber immerhin ist es  für die Geschichtsbücher festgehalten. Würde ich das mit dem Ph.D. nochmal machen? Schwere Frage. Aber vermutlich: ja. Auch wenn kaum etwas so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt hatte; die Lebenserfahrungen, Einblicke in die Welt der Akademia und die fachliche Entwicklung sind meiner Meinung nach unschätzbar. Man kann nur durch Herausforderungen wachsen, und von denen hatte der Ph.D. einige zu bieten, ich wollte es anfangs nur nicht glauben.

 

Florida’s Panhandle

03. November 2013

Ich bin selbst etwas überrascht, dass ich es in mehr als 4 Jahren Atlanta noch nicht an die Strände des Panhandle von Florida geschafft habe. Der Panhandle ist der relativ kleine Zipfel im Nordwesten Floridas, von dessen weißen Stränden am Golf von Mexiko man immer wieder Gutes hört.  Panama City Beach dürfte als beliebte Spring Break Örtlichkeit am bekanntesten sein. Doch wie sich herausstellte gibt es auch ruhigere Gegenden in diesem Landstrich. Alabamas lokale highways, die immer wieder interessant zu befahren sind, da sie einem das ländliche Amerika vor Augen führen, führten uns nach 5 Stunden Fahrt zum Grayton Beach State Park 30 Meilen westlich von Panama City Beach.

Grayton Beach, Florida - Blick Richtung Panama City Beach

Grayton Beach, Florida – Blick Richtung Panama City Beach

Für $27 pro Nacht mieteten wir eine Campingparzelle, die – wie auch der Rest des Campingplatzes – ein sehr gemütliches und sauberes Erscheinen hatte. Der Campingplatz ist nur 10 Minuten Fußweg im Park (alles sehr ruhig, kein Durchgangsverkehr) vom Strand entfernt, aber es gibt auch einen Parkplatz direkt am Strand. Der Strand kann wirklich mit den besten Stränden mithalten, die ich bisher gesehen habe (z.B. Hawaii, Tarifa in Spanien), sehr sauber, weiß und der Sand so fein, dass er manchmal einen Quietschton macht, den ich vorher noch nie gehört habe. Das einzig Störende waren evtl. die Autospuren im Sand (Habe aber nie ein Auto fahren sehen). Das ist aber nun wirklich etwas, wenn man was zu kritisieren sucht. Das Wasser ist im Oktober noch schön warm, da es mit um die 30 Grad C noch sehr schönes Wetter war und das Meer in dieser Gegend sehr flach ist. Also zum Schwimmen muss man vorher schon ein bisschen laufen. Auch der Strand im St. Andrews State Park in der Nähe von Panama City, den wir während eines Tagestrips nach Panama City besuchten, ist sehr schön, aber etwas mehr Leute aufgrund der Nähe zur Stadt.

Grayton Beach Sonnenuntergang

Grayton Beach Sonnenuntergang

Insgesamt würde ich diese Reise jederzeit als Verlängertes-Wochenende-Trip wiederholen, wenn mal wieder ein kurzer Erholungstrip notwendig wird. Schade, dass ich diese schöne Ecke nicht schon früher ausfindig gemacht habe. Ist eine Alternative zu den Smoky Mountains im Norden.

Russland „The Great“ und Russland „The Ridiculous“

12. Juli 2013

Die Reisegruppe sei kurz vorgestellt: Ivan A. (IA), Fußballbuddy aus Atlanta, der wieder in seiner Heimat Ozery bei Moskau wohnt. Ivan K. (IK), Labmitstreiter aus Atlanta, der seine Familie in Samara, Russland, besuchte und dessen Bruder Vladimir, ebenfalls PhD Student am Georgia Tech. Zusammen verbrachten wir 10 Tage in Russland. Während es sehr viele beeindruckende Dinge zu sehen gab, wurde auch meine Äußerung „That’s ridiculous!“ schnell zum geflügelten Wort. Russland ist ein Land der Gegensätze, nicht alles ergibt Sinn auf den ersten Blick, man muss nur wissen wie der Hase läuft.

Die Tapferen 4 vor der BasiliuskathedraleVladimir, Ivan K,, Ivan A., Martin

Die Tapferen 4 vor der Basiliuskathedrale: Vladimir, Ivan K,, Martin, Ivan A.

Wir starten unsere Reise in Ozery, ein 20,000-Leute-Nest 2 Stunden südlich von Moskau, das wir bequem und günstig (5 Euro) mit dem Zug erreichten. Trotz des moderaten Preises spielt sich regelmäßig ein kleines Schauspiel ab: Massen von Leuten strömen in die hinteren Wagons und rennen beim nächsten Bahnsteig wieder nach vorne, um dem Kartenkontrolleur zu entkommen. Und keinen interessiert’s, nicht einmal den Kontrolleur. Ridiculous! IA hat mich dann aber aufgeklärt, dass dies für viele ärmere Leute anders kaum zu bewerkstelligen wäre, da sie kaum genug zum Überleben verdienen und jeden Tag Stunden lang zur Arbeit pendeln müssen. Wir würden für die Bequemlichkeit zahlen, sitzenbleiben zu können, wenn der Schaffner kommt. Regeln sind nicht immer so strikt. Wo ein 2-Stunden-Zugticket 5 Euro kostet, da muss man ja als Mittelklasse-Mitteleuropäer leben können wie ein Zar, könnte man sich denken. Doch dann kommt schon das nächste ridiculous: Moskau ist eine der teuersten Städte der Welt, Wohnungen kaum bezahlbar, Essen und Trinken nur mit einem weinenden Schwabenauge. Dennoch zieht es die Menschen her, vermutlich auch wegen der Großartigkeit der Stadt, aber es ist ein teures Vergnügen, wenn man nicht gerade Öloligarch ist.

Ozery, Blick von Ivan A.'s Apartment

Ozery, Blick von Ivan A.’s Apartment

Kreml bei Nacht

Kreml bei Nacht

Zurück zu Ozery, wo wir gechillte Stunden am Badesee verbrachten und abends mit etwas Bier und einigen anderen jüngeren Leuten den grünen Mittelstreifen der Hauptstraße unsicher machten, wie das so in Ozery üblich ist, weil es sonst nicht viel zu tun gibt. Die Häuser sind zum großen Teil Plattenbauten-das haben die Leute halt seit jeher. Wer es sich leisten kann, baut ein eigenes Haus, so wie IA’s Vater, mithilfe günstiger usbekischer Arbeiter, die sich beim abendlichen BBQ auf der Baustelle dazugesellten. „Lahm“, „yes! Müller“, „da da. Schweinsteiger!“, „yes, Schweinsteiger…“, so verlief unsere Konversation nachdem sie mitbekommen hatten, dass ich aus Deutschland bin und kein russisch spreche. Mit IA’s Eltern und Familie war es glücklicherweise etwas besser, vor allem das Englisch seiner Schwester Ania ist sehr gut. Mit den Eltern hat IA dann aber doch manchmal ein bisschen nachhelfen und übersetzen müssen. Der Besuch  einer alternativen Community mit Bauernhof und Eisenschmiede, war ganz nach IA’s Geschmack (Er ist ein absoluter Gegener von Touri-Tourismus, aber er musste dann später in Moskau und St. Petersburg noch leiden). Der Schmied hätte eigentlich Sprecher einer Zigarettenwerbung werden sollen, so männlich rau hörte sich sein russisch an. Weiterhin besuchten wir eine heilige Quelle mit eiskaltem Wasser, in die man 3 Mal abtauchen musste – Ganzkörperkneipkur. Diese Behandlung hielt aber auch nicht die vielen Moskitos ab, die sich nicht einmal davor schämen Gesichter zu bestechen.

Kremlmauer

Kremlmauer

Moskaus Staats-Universität

Moskaus Staats-Universität

Nun also Moskau, eine Riesenstadt, sagenhaft große und schöne Metro, Leute, Leute, Leute und mittendrin der Kreml, das Herz Russlands. Die Aufzählung der touristischen Highlights (Paläste, Plätze, Kirchen, Kirchen und Kirchen) erspare ich mir und komme stattdessen auf IA’s Uni zu sprechen, wo er momentan eine PostDoc-Stelle hat. Solch eine  Stelle bringt in Russland ca. $300/Monat – Ridiculous… IA wollte, dass ich unbedingt ans Institut komme, damit ich die amtierende Lab-Tischtennismeisterin herausfordern könne. Naja, danach war ich dann der aktuelle Lab-Meister und meine Tischtenniskünste weit und breit diskutiert. Einigen von IA’s Kollegen schlossen wir uns abends an. Zu IK’s Entsetzen entwickelte sich unser Spaziergang in eine Protestaktion: Zum Geburtstag einens angeblich politschen Häftlings brachten einige Leute unserer Gruppe Luftballons an Hecken und Statuen an. Also, wenn mal die Revolution stattfinden sollte, ich war Teil davon… Glücklicherweise wurden wir nicht verhaftet, obwohl ich das fast auf dem Kreml nachgeholt hätte als ich zu Abkürzungszwecken eine Kette (sah mehr nach Dekoration als nach Absperrung aus) überstieg und eine Straße überquerte, was dem Wächter dort prompt auffiel, er hatte ja sonst nichts zu tun. Aber IK und Vladimir haben sich gleich für mich verantwortlich erklärt und die Situation entschärft. Weiterhin besuchten wir Moskaus Staats-Universität, die berühmteste Uni des Landes in einem gigantischen Stalinistischen Bau, wo auch IA studiert hatte. Auf dem Weg entlang der Moskva und in die anliegenden Hügel wurde mir wieder einmal bewusst wie groß die Stadt ist, jedenfalls meinen Fußschmerzen nach zu urteilen. Dank dem Insiderwissen zweier Freundinnen Anias durften wir Freitag Abend auch das Nachtleben Moskaus kennenlernen, was auch sehr gut lief, bis IA nach einem kurzen Ausflug nicht mehr reinkam, weil er zu freundlich mit dem Türsteher geredet hatte, der dann wohl dachte IA sei betrunken… Naja, in derselben Nacht nahmen wir den Nachtzug (Abfahrt 3:20) nach St. Petersburg, was sich als mittelschwere Qual herausstellte, da der Zug keine Klimaanlage hatte und die Sonne schon kurze Zeit später aufging.

Weiße Nächte in St. Petersburg - Die Brücke geht spät in der Nacht hoch, wie z.B. jetzt.

Weiße Nächte in St. Petersburg – Die Brücke geht spät in der Nacht hoch, wie z.B. jetzt.

St. Petersburg sieht im Gegensatz zu Moskau europäischen Städten ähnlich und hat daher nicht so viel Charakter auf mich ausgestrahlt wie Moskau. Nichtsdestotrotz ist St. Petersburg eine sehr sehr hübsche Stadt mit seinen Kanälen und Prachtbauten, und vor allem den „weißen Nächten“ im Sommer, wenn es nie ganz dunkel wird (St. Petersburg liegt ungefähr so nördlich wie Helsinki…). Letzteres  war für mich das Highlight der Stadt, wenn man um Mitternacht durch die Straßen läuft und es gerade mal so noch dämmert. Eines Abends wurden IA und ich sogar gezwungen, uns die Nacht genauer anzuschauen, als gegen 1:30 morgens die Neva-Brücken hochgingen um Tanker durchzuschleußen. Unser Hotel befand sich auf der anderen Seite des Flusses… Ridiculous, eine Stunde warten für alle, auch für Autofahrer, die Insel war abgeschnitten. Was man trotz Riesen Touriandrang nicht verpassen sollte ist die Eremitage (Winterresidenz der Zaren), die sich direkt mit dem Louvre in Paris messen lassen will. Gigantisch, sowohl von der Größe als auch der Schönheit und Kunst im Inneren. Auch die „Pushkin“ Sommerresidenz (mit dem bekannten Bernsteinzimmer) etwas außerhalb der Stadt ließen wir uns nicht entgehen. Ich schloss mich einer Gruppe deutscher Schüler für die Führung an. Kleine Anekdote im Bernsteinzimmer: Führerin zur vorderen Reihe: „Bitte keine Bilder machen“. Lehrerin zur mittleren Reihe: „Keine Bilder machen oder nicht erwischen lassen.“ Schüler zur letzten Reihe: „Nicht beim Fotografieren erwischen lassen“. Ist aber auch immer ein Affentheater von wegen „keine Fotos, blabla“… Oft gibt es ja (auch in Deutschland) extra Fotolizenzen, die dann extra kosten. Doch Russland geht noch einen Schritt weiter: Russische Staatsbürger zahlen oft weniger Eintrittsgeld als Ausländer. Das fand ich dann auch ziemlich ridiculous.

Goldenes Zimmer in der Eremitage. Besonders an diesem Bild ist vor allem, dass keine anderen Touris drauf sind!!!

Goldenes Zimmer in der Eremitage. Besonders an diesem Bild ist vor allem, dass nur zwei Touris drauf sind!!!

Mit dem Nachtzug (diesmal mit Klimaanlage) ging es dann wieder zurück nach Moskau, wo der Trip dann fast schon zu Ende war. Wir Reisenden waren dann auch ziemlich am Ende und den letzten Abend verbrachte ich noch mit IA in Ozery. Den letzten Zug von der Metrostation Kiewskaya zum Flughafen Vnukovo nahm ich sogar alleine, da ich zu diesem Zeitpunkt schon ein bisschen kyrilisch lesen konnte. Ohne Russischkenntnisse würde ich aber eine Reise nicht unbedingt empfehlen. Meine drei Reisebegleiter haben sich da sehr aufopferungsvoll um mich gekümmert (vom Ticketkaufen, übers Essenbestellen usw.), was ich auch sehr zu schätzen weiß!

 

 

NCTTA Nationals in Rockford, IL

21. Juni 2013

Mitte April durfte ich meine 4. Teilnahme (nach 2009, 2011 und 2012) an den US College Table Tennis National Championships mit meinen Teamkollegen Alvin, Jash, Ludovic und Vedant in Rockford, Illinois, erleben. Inzwischen bin ich ja schon ein alter Hase und war nun zum ersten Mal Team-Captain. Letztes Jahr in Dallas waren ja nur Alvin und ich vom Georgia Tech beim Einzel und Doppel vertreten. Es hat sich bestätigt, was sich über die letzten Jahre angedeutet hat: Die Konkurrenz ist stetig besser geworden, während unser Niveau am Georgia Tech eher stagniert. Dies hat nicht nur mit Trainingseifer zu tun (der sicher bei uns noch höher sein könnte), sondern auch damit, dass immer mehr Colleges ihr Potential mit v.a. asiatischen Spielern ausschöpfen. Im Einzel (Alvin und Jash)- und Doppelwettbewerb (Alvin/ich und Jash/Vedant) ging alles recht schnell und keiner konnte glänzen. Im Teamwettbewerb ging es auch erst mal schlecht los, doch konnten wir gegen hinten raus dann doch das ein oder andere Spiel gewinnen, so dass wir 20. von 24 Teams wurden, ein realistisches und dem Ranking entsprechendes Ergebnis. Mehr war auf einem so hohen Level kaum drin.

Das GT team: Vedant, Ludovic, Jash, Martin, Alvin

Das GT Team: Vedant, Ludovic, Jash, Martin, Alvin

Rockford in Illinois war leider wieder einmal einer der weniger interessanten Austragungsorte, im Vergleich zu Dallas letztes Jahr. Ca. 1,5 Stunden von Chicago entfernt war aber immerhin „the windy city“ ein gelegenes Ausflugsziel. Da ich aber schon 2 Mal dort war, habe ich mir die übliche Touri-Tour gespart.  Dies war übrigens meine letzte Teilnahme bei den Nationals, da im Tischtennis die gleiche Regelung gilt wie im College Football, dass man maximal vier Spielzeiten mitmachen darf. Das hat etwas mit dem Profigeschäft beim Football zu tun und ergibt für mich beim Tischtennis (noch) nicht viel Sinn, da der Rubel hier noch nicht so richtig rollt. A propos Rubel, am Montag geht’s nach Russland, wo ich Ivan, Ivan und Vladimir (kenne ich vom Georgia Tech) zum Touri-Touren treffen werde. In Moskau und St. Petersburg war ich nämlich noch nicht…

Peters Hochzeit

10. April 2013

Am Wochenende hat mein Labkollege Peter geheiratet und ich hatte die Ehre einer von acht „groomsmen“ zu sein. Der eigentliche Trauzeuge wird „best man“ genannt und ist einer der groomsmen. Die restlichen sieben, darunter ich, haben eher Statistenrollen: Unsere Aufgabe war es vor Beginn der Trauzeremonie in der Johns Creek Baptist Church im Norden Atlantas die Gäste an ihre Plätze zu führen – Damen den Arm anbieten nicht vergessen! Zu Beginn der Zeremonie liefen wir dann mit Orgelmusik ein und stellten uns im Bogen vor dem Altar auf, symmetrisch zu den „bridesmaids“ auf der anderen Seite, wo wir dann für ca. eine halbe Stunde still standen. Nachdem Peter und Rene offiziell als Ehepaar verkündet worden waren, gingen wir Arm in Arm mit unserer jeweiligen bridesmaid ab.

Mandy und ich bei Peters Hochzeit

Mandy und ich bei Peters Hochzeit

Die anschließende Reception (Feier) fand in der Residenz (Residenz ist hier nicht die schlechte Übersetzung von „residence“, sondern passt wirklich besser als „Haus“) der Brautfamilie statt, mit allem was dazugehört: Fahrt mit einem alten Rolls Royce, hochklassige Lifejazzband, Buffet, Hochzeitstorte, Strauß- und Strumpfbandwurf, etc. Nur keinen Alkohol, da die Brautfamilie sehr traditionell gläubig ist. Relativ früh gegen Einbruch der Dunkelheit hat uns das Brautpaar dann in Richtung Costa Rica zum Honeymoon verlassen und das Fest war nach einigen letzten Bildern vorüber. Mit dem Golfkart wurden wir wieder vom Springbrunnen in der Einfahrt entlang des von Kirschbäumen gesäumten Zugangswegs zur Straße gefahren, wo ich mich mit dem Smoking in meinen Corolla setzte und das Gefühl hatte, dass da zwei Welten aufeinanderprallen.

Das vergangene halbe Jahr….!!!

18. März 2013

Oha, ich hab ja ein Blog! Letzter Eintrag: Oktober… Nun ja, die Winterpause ist jetzt vorüber. Für die Archive künftiger Generationen würde ich aber doch noch gerne ein paar Erlebnisse des vergangenen Winters festhalten. Ist jetzt halt eher eine Geschichtsdokumentation als ein aktuelles Blog… (Man bemerke: Ich habe mich dazu entschlossen, dass „das“ Blog sinnvoller klingt als „der“ Blog, da es ja von log=Tagebuch, Logbuch, etc. kommt. Ich entschuldige die Inkonsistenz zu früheren Einträgen.)

Skifahrn in Maggie Valley, NC

Skifahrn in Maggie Valley, NC

Thanksgiving weekend (Ja, das ist noch vor Weihnachten und Ostern steht schon wieder vor der Tür). Zum ersten Mal seit etwa 10 Jahren stand ich wieder auf Skiern! Mit chinesischen Freunden war ich im Ski-Resort Maggie Valley in den Appalachen North-Carolinas nicht weit vom Nationalpark Great Smoky Mountains. Dank Schneemaschine gab es sogar Schnee und wir konnten den sonnigen Tag auf der Piste, die sich mit der Hachel in Kleinsachsenheim messen lassen kann, genießen. Dass die Piste sehr einfach war, störte mich aber weniger, da ich eh die meiste Zeit als Skilehrer für meine chinesischen Freunde fungierte. Als die Sonne sich senkte wurde es aber unangenehm mit Minusgraden und Schneemaschinen, die die Skiläufer regelrecht eineisten, so dass wir trotz Flutlicht etwas früher Schluss machten als geplant. Aufgewärmt wurden wir in unserer „Hütte“ (Cabin, was angesichts des Komforts eher als „voll ausgestattetes Holzhaus“ zu übersetzen wäre) durch chinesisches Hot Pot, das quasi Fondue mit Brühe, Fleisch und Gemüse ist, nur dass man mit Stäbchen nach Nahrhaftem fischt anstatt sich sein Essen mit der eigenen Fonduegabel zu sichern. Also eher eine „Survival of the Fittest“-Erfahrung, wer sich die guten Teile aus dem Topf schnappen kann. Keine guten Chancen für mich mit meiner Stäbchenfertigkeit… Aber meine Freunde waren nett und haben mir immer wieder mal was abgegeben 😉 .

Nun eine Sensation, ich hätte es bis vor Kurzem auch nicht für möglich gehalten, aber ich habe einen Tanzkurs gemacht (Lena hat meine Fertigkeiten mit einer zerbrochenen Schüssel an Silvester schon bezeugen können… :-)). ChaChaCha, Rumba und vor allem Walzer standen auf dem Programm. Wie sehr ich den Kurs aufgrund meiner Liebe zum Tanzen oder aufgrund meiner Tanzpartnerin gemacht habe, sei mal dahingestellt. Fakt ist aber, dass es besser lief als gedacht. Die Schritten saßen eigentlich recht schnell und ich denke ich würde mich jetzt zumindest nicht mehr blamieren. Aber mal schauen, bin jetzt ja schon fast wieder etwas aus der Übung… Also keine Garantie!

ChaChaCha beim Abschlussball

ChaChaCha beim Abschlussball

Wie die meisten mitbekommen haben, war ich an Weihnachten mal wieder zu Hause, habe viele Leute getroffen und natürlich Weihnachten mit der Familie verbracht. Vielen Dank euch dreien und allen Freunden für die schöne Zeit zu Hause!

Und nun: Der Titel „erster nicht-familien-Besuch“ geht an Christoph! Als Dankeschön gibt’s einen exklusiven Paragraphen in diesem Blogeintrag! 😉 Nein ernsthaft, hat mich sehr gefreut Besuch aus der Heimat zu haben. Wir haben einige Atlanta-Highlights abgeklappert, unter anderem neu war für mich das Cyclorama, ein gigantisches Gemälde über den Bürgerkrieg und die Schlacht um Atlanta. Nicht nur die Erklärungen zum Inhalt des Bildes auch das Technische rund um das Gemälde (wie wurde es gemalt, wie aufgehängt, wie kommt ein gewisser 3D-Effekt zustande) waren recht interessant. Nur das angrenzende Museum war etwas mager, da lohnt sich das Atlanta History Center deutlich mehr. Vom Tiefpunkt, wobei sich die Atlanta Hawks von ihrer einschläferndsten Seite zeigten, erreichten wir den Höhepunkt mit dem Trip nach Savannah. Wir schafften es, alle Squares abzulaufen und dank iPhone-Recherche gelang es uns sogar den Drehort von Forrest Gump mit der Bank an der Bushaltestelle zu finden.

Drehort für Forrest Gumps Bushaltestellenszenen

Drehort für Forrest Gumps Bushaltestellenszenen

Auch vom Tischtennis gibt es Neues. Im Regional Tournament in New Orleans vor zwei Wochen erkämpfte das GT-team wacker einen 6. von 8 Plätzen, was schon recht gut war, nachdem unser erfolgreiches Doppel Alvin und ich ein wichtiges Spiel gegen Alabama ganz knapp gewonnen hatte. Eigentlich waren mit dem 6. Platz unsere Hoffnungen auf die Nationals begraben, doch gestern Abend kam die frohe Botschaft, dass wir eine Wild-Card (Nachnomminierung) erhalten haben. Am 11. April geht es also nach Rockford, Illinois, zu den Nationals. Ich werde berichten.

Meine erste selbst erstellte Webseite

06. Oktober 2012

Um meine wichtigsten Infos bezüglich Ausbildung und Forschung online zu haben, habe ich heute meine erste eigene Webseite vollendet. War ziemlich simpel: Auf http://www.freecsstemplates.org/ hab ich mir ein style file runtergeladen und dann den Inhalt entsprechend angepasst. Hat eigentlich ziemlich Spaß gemacht und ist auch gar nicht so schwer 🙂 .  Achso ja, der Link:

http://users.ece.gatech.edu/~mmueller7/

 

Ein Bild (Comic) sagt mehr als 1000 Worte

18. Juli 2012

Wozu meine gestern in Angriff genommene Literatur-Recherche geführt hat, lässt sich am Besten mit folgendem PhD-Comic (http://www.phdcomics.com) beschreiben.

Quelle: http://www.phdcomics.com

Quelle: http://www.phdcomics.com

Jetzt heißt es erst Mal einen Schritt zurücktreten, durchatmen, and sich bzgl. der Forschung klar machen: Wo bin ich hier, und wohin gehe ich!?