Midterms Teil 1

Um hier nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich nur Urlaub mache, wie mir schon angetragen wurde :-) , möchte ich in diesem Artikel ein bisschen über die vergangenen drei Midterm Exams berichten, und darüber, was in den Kursen so alles behandelt wurde.

Freitag vor einer Woche war Zwischenprüfung in “Fundamentals of Digital Signal Processing”. Die Prüfung lief sehr gut bis auf eine Kleinigkeit, die aber sehr zwiespältig war. Der Schwerpunkt lag auf digitalen linearen, zeit-invarianten (LTI) Systemen. Allgemein ist ein digitales System eine Abbildung einer Eingangsfolge von Signalwerten zu diskreten Zeitpunkten in eine Ausgangsfolge. Die Kernpunkte dabei waren die Berechnung des Ausgangs durch die Impulsantwort des Systems, die diskrete Fourier-Transformation, die Signale im Zeitbereich in ihre Frequenzanteile transformiert, und die z-Transformation, dem Äquivalent zur Laplace-Transformation im Kontinuierlichen, die eine Verallgemeinerung der Fourier-Transformation darstellt. In diesem Bereich konnte ich viele Analogien zu Stuttgarter Vorlesungen sehen, wo wir schon viel über zeitkontinuierliche lineare Systeme gehört hatten.

Die Exam in “Principles of Management for Engineers” lief erstaunlich gut angesichts der Tatsache, dass ich mir da schon einigermaßen Sorgen gemacht habe, da ich recht wenig Ahnung von Wirtschaftswissenschaften habe. Aber da es zu 95% Standard Multiple-Choice-Fragen und Standard-Rechnungen waren, war die volle Punktzahl gebongt, zumal es noch einige Bonuspunkte über die maximale Punktzahl hinaus gab. Es gab drei Themen. Zum einen “Financial Accounting”, also wie eine Firma ihre Finanzdaten aufzuschreiben hat (Balance Sheet, Income Statement, Cash Flows). Während es hier gemeine Feinheiten gab, war “Marketing” sehr einfach. Die Themen waren der Marketing Mix aus “Product, Price, Promotion and Place” (also Produkt, Preis, Werbung, Ort). Dieser Abschnitt war sehr interessant! Zum Abschluss jedoch noch ein ziemlich ätzendes Thema, nämlich “Finance”, wo es um die Finanzierung von Firmen und Projekten ging. Der Professor hat in diesem Bereich leider so fachmännisch gesprochen, dass ich kaum was verstanden habe, so dass ich für die Klausur nur die Standard-Rechnungen auswendig gelernt habe.

In “Linear Elasticity”, der angekündigten “großzügisten Prüfung jemals”, folgte ein gefühltes Fiasko. Bei Aufgabe eins blieb ich nach 5 Zeilen hängen und die zweite Aufgabe war dermaßen länglich zu rechnen (man musste für ein Polynom 5. Ordnung die Koeffizienten aus Randbedingungen berechnen…), dass irgendwann die Zeit rum war und auch alles für die erste Aufgabe zu spät war. Nachdem Frederik und ich uns einig waren, dass das eine der “schrecklichsten Prüfungen jemals” war, kam aber doch noch eine Beruhigungsmail vom Professor, die ich hier zitiere:

Dear Class,
Obviously, the exam yesterday was a long and, perhaps, challenging exercise. Some of you may be somewhat concerned. As those who have taken courses from me would tell you, my exams are often challenging because I view exams as part of the learning process just like homeworks. It does not matter whether the class average on an exam is 55 or 85 — you should not be overly concerned about how an exam would impact your grade. I want to write this email to assure you of this, especially at the beginning of the fall break. So, please just have a great week off and work on HW3 on the side. I will see you the week after next. If, after reading this email, you are still concerned, please feel free to give me a call or stop by.

Min Zhou

D.h. also mal schauen…. Die Themen waren allgemeine Grundlagen in Tensorrechnung (Indexnotation), das Hookesche Gesetz in 3D und die Lösung von zweidimensionalen mechanischen Spannungsfeldern in rechtwinkligen Geometrien.

Mason Building

Mason Building

Hoffe, das war jetzt nicht zu länglich, aber das war auch für die eingefleischten und interessierten Blog-Leser gedacht ;-) . Als Belohnung noch ein Bildchen vom Campus, das das Mason Buliding zeigt, wo unser Lab beheimatet ist. Von da aus schreibe ich diesen Blog.

Bis Dienstag ist Fall Break, d.h. morgen werden Alex und ich in die Smokey Mountains aufbrechen, wovon es dann hoffentlich wieder leichteres zu berichten gibt als heute :-) .

5 Antworten zu “Midterms Teil 1”

  1. scytale Sagt:

    Wie hoch schätzt du den Lernzuwachs bei DSP und LE ein? Das meiste davon müsstest du ja schon gehört haben.
    Die Wirtschaftsvorlesung, finde ich, klingt eigentlich ganz cool. Gibt es so etwas auch in Stuttgart? Eine könnte man sich da ja mal noch antun…

  2. martin Sagt:

    DSP – Lernzuwachs eher gering, aber vor allem beim aktuellen Thema (sampling) viel fundierter als bei Wehlan! Alles was ich von Wehlan noch weiß, ist Abtastfrequenz>=2* Nyquistfrequenz. Das wird hier richtig intensiv und mathematisch behandelt. Von daher eher “Wissensintensivierung”.

    LE – Das ist schon recht neu, weil die Dinge, die man in TM macht fast alle Näherungen sind (dünner Stab, keine Scherspannung beim Balken,…). Das hier ist eine “exakte” Herangehensweise im Rahmen des Hookschen Gesetzes. Wobei ich momentan noch nicht so genau weiß, wofür ich es mal brauchen werde… Aber das ist ja oft so.

    Ja, fand die Idee eines Management Crash-Kurses für Ingenieure auch sehr gut. In Stuttgart gibts nach meinem Wissensstand nur die Einführungsveranstaltungen für BWLer. Das hier ist eine Ringvorlesung, d.h. zu jedem Thema spricht ein anderer Prof ein paar Vorlesungen lang. Ich hatte mal VWL angefangen in Stuttgart, war aber eher theoretisch, trotzdem interessant, meiner Meinung nach. Und ist schon bisschen was anderes als Management…

  3. fimbultyr Sagt:

    in stuttgart gäbe es ja noch das wahlfach wirtschaftskybernetik ;)

    und die idee, eine sehr schwere prüfung zu stellen und dann großzügig zu bewerten (wenn ich das jetzt richtig verstanden habe bei LE) find ich eigentlich gar nicht so schlecht. in leichten prüfungen, die dann streng bewertet werden, hab ich immer so schlechte noten wegen der ganzen ärgerlichen flüchtigkeitsfehler.. war schon in der schule so.

    ansonsten: klingt doch alles sehr interessant und ich wünsche dir einen schönen und erholsamen fall break!

  4. elmo Sagt:

    tja, dass irgendwas mit wirtschaft in amerika net so schwer zu studieren sein kann sieht man inwischen ja leider weltweit… ;)

  5. martin Sagt:

    @fim: hm, aber dann wäre diese Klausur garantiert nix für dich gewesen, was das Verrechnen angeht… Wie gesagt, Polynom 5. Ordnung, das ist ein LGS mit 18 Unbekannten, weil man lineare und konstante Terme vernachlässigen kann. Habe nichts gegen anspruchsvolle Prüfungen, aber das war wirklich hop oder top, wenig Verständnis, viel Rechnen.

    @elmo: hehe, würde diese Aussage nicht nur auf USA beziehen… :-)

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