Ostküste Teil II – Philadelphia 23.-25.12.
Für schlappe 15 $ brachte uns ein Chinatown-Bus (so genannt, weil diese Busunternehmen die Chinatowns in den größeren Städten der Ostküste verbinden) in eine der historisch bedeutendsten Städte der USA – Philadelphia. Die Stadt rühmt sich damit, Versammlungsort des Continental Congress gewesen zu sein, in dem die damaligen Kolonien 1776 in der Declaration of Independence ihre Unabhängigkeit von Großbritannien unterzeichneten. Das Original dieses Schriftstücks kann man übrigens in den Nationalarchiven in D.C. betrachten (umsonst natürlich). Da wir nur einen vollen Tag in Philadelphia hatten, beschränkten wir uns auf die Sehenswürdigkeiten im Historic District. Die Fußmärsche in D.C. hatten uns ziemlich zugesetzt, so dass wir uns auf ein Minimalprogramm beschränkten, um auch für das nächste Ziel unserer Reise, New York, fit zu sein.
Von unserem Hotel erreichten wir die Gegend um die Independence Hall, das Gebäude, in dem die Unabhängigkeit unterzeichnet wurde, in wenigen Minuten. In einer kostenlosen Führung (Tickets erhält man beim nahen Visitor Center) erklärte uns ein Park-Ranger sehr wortreich und ausschweifend, welche Mythen um die Unabhängigkeit existieren und dass Geschichte oft nicht so eindeutig ist, wie es einem beigebracht wird. Eine einfache Geschichtslektion wäre mir aber lieber gewesen, da ich kaum (falsche) Vorstellungen der Geschichte hatte, die der Führer hätte wiederlegen können. Ein Haus weiter befindet sich das Liberty Bell Center, in dem man die “Freiheitsglocke” bestaunen kann, die in den USA ein Symbol für Freiheit ist, das in unterschiedlichsten Zusammenhängen benutzt wurde: Zum einen natürlich die Freiheit von britischen Empire, aber auch bei der Befreiung von der Sklaverei, bei Frauenwahlrechten oder der Civil Rights Bewegung – quasi ein Stück Freiheitsgeschichte zum Anfassen.
Im weiteren Rundgang kamen wir an einigen Gebäuden vorbei, die auf diese oder jene Weise historisch interessant sind, z.B. Carpenters Hall, wo sich der Continental Congress versammelte. Auch einen kurzen Blick auf Penn’s Landing am Delaware River, wo ein gewisser Penn gelandet sein soll, nach dem Pennsylvania benannt ist, und auf Downtown mit der höchsten City Hall Amerikas ließen wir uns nicht entgehen.
Am 24. bin ich abends in einen Gottesdienst der Christ Church gegangen, eine der ältesten Kirchen der Stadt, in der schon einige der Gründungsväter der Nation Gemeindeglieder waren. Die Gemeinde ist episcopaler Ausrichtung, die sich als Mittelweg zwischen evangelisch und katholisch sieht. Zunächst wurde Bach’s Weihnachtsoratorium auf englisch zum Besten gegeben. Der anschließende Gottesdienst mit Abendmahl war lithurgisch ziemlich strikt und es wurden die für die USA üblichen Weihnachtsschlager angestimmt (Oh Come all ye Faithful, Silent Night, Joy to the World), die man zu dieser Zeit an jeder Ecke hörte. Die Besetzung vom Oratorium (Trompete, Schlagzeug, kleiner Chor, Orgel) war immer noch anwesend, so dass die Lieder ein richtiger Ohrenschmaus waren.
Wer einmal in Philadelphia ist, sollte nicht verpassen einmal ein Philly Steak Sandwich zu essen. Das gibt es hier an jeder Ecke. Ansonsten hätten wir hier bestimmt noch mehr sehen können, wenn unser Zeitplan nicht so straff gewesen wäre. Für New York hatten wir nämlich viel Zeit eingeplant, die auch nötig war, wie sich im Nachhinein bestätigte…




06. Januar 2009 at 1:05
Hast du Fotos von Penn’s Landing? Unser Philly-Aufenthalt war noch kuerzer als eurer — wir haben es nichtmal dort an die Kueste geschafft.
Der Grund meiner Frage:
.
Ich hab vor ein paar Wochen mal ne Fahrradtour nach New Castle (http://en.wikipedia.org/wiki/New_Castle,_Delaware) gemacht. Die behaupten dort auch von sich, dass William Penn dort 1682 angekommen sei. Ich glaube natuerlich den Leuten aus Delaware
06. Januar 2009 at 1:26
Von Penn’s Landing hab ich nur ein Bild gemacht, das ist aber nicht so spektakulär. Ich schick’s dir einfach mal. Der Hauptartikel auf wiki (http://en.wikipedia.org/wiki/Penn%27s_Landing) sagt aber, dass es in Philadelphia war… Scheint also wirklich eine Glaubsfrage zu sein
. Auf dem Link sind auch noch 2 Bilder.
07. Januar 2009 at 20:37
Wer war denn jetzt Penn?
Die Unabhängigkeitserklärung hab ich auch schon gesehen in Berlin im Deutschen Historischen Museum. Da liegt sie ganz unbeaufsichtigt in einem unscheinbaren Glaskasten neben den Originalsachen von Napoleon und anderen Schätzen.
08. Januar 2009 at 3:06
Hm, ich hab mich auch nicht genauer mit Herrn Penns Biografie beschaeftigt, aber auf Wiki steht zu William Penn einiges (http://en.wikipedia.org/wiki/William_Penn). War vermutlich so ein britischer Adliger, der unbedingt von zu Hause weg wollte, weil sein Vater (ein Admiral) zu autoritaer war
Ja, es gibt wohl so einige alte Kopien der Unabhaengigkeitserklaerung. So wie ich es verstanden habe, muesste die in Washington das “Original” sein. Wird natuerlich von zwei Polizisten bewacht, die aber immerhin ein bisschen was darueber wissen und die Leute informieren.
08. Januar 2009 at 15:14
Ich hatte gehört, dass die in Berlin und in Washington beide echt sind, aber genaues weiß ich nicht.