Archiv für die Kategorie ‘Fall Term (Aug'08-Dez'08)’

Ostküste Teil IV – Boston 1.-3.1.

Mittwoch, 07. Januar 2009

Den Rest unseres bisher wenig erholsamen Urlaubs ließen wir in einem guten Hotel in Boston ausklingen. Dank Pool und Saunaanlage konnten wir die Beine mal richtig baumeln lassen. Am Freitag nutze ich aber natürlich trotzdem die Gelegenheit, mir Boston ein wenig anzuschauen, sonst hätten wir ja nicht hochfahren brauchen.

Old State House

Old State House

Das Zentrum der Stadt liegt auf einer Halbinsel umgeben vom Charles River und dem Boston Harbor. Von dort führt ein historischer Pfad, genannt “Freedom Trail”, an wichtigen Gebäuden vorbei nach Charlestown auf der anderen Seite des Flusses. Auf dem Weg liegen z.B. verschiedene Kirchen, das Old State House und der Ort des Boston Massacre, bei dem britische Truppen 1770 ein Blutbad in der Zivilbevölkerung anrichteten. Über die Charlestown Bridge gelangt man dann auf die andere Seite des Flusses, wo ein altes Segelschiff, die USS Constitution, vor Anker liegt. Einige Meter weiter befindet sich schließlich der Bunker Hill, dessen Monument stark an das Washington Monument in D.C. erinnert. Leider war der Aufstieg wegen vereister Treppen nicht möglich.

Blick von Charlestown

Blick von Charlestown

Wohngebiet in Charlestown

Wohngebiet in Charlestown

Die zweite Hälfte des Tages verbrachte ich in der Gegend um die Harvard Universität, die nicht nur fachlich einen sehr guten Ruf hat (allerdings nicht für Ingenieure), sondern auch sehr sehenswert ist. Ähnlich wie hier in Atlanta gibt es viele rote Backsteinhäuser, die dem Ganzen ein nettes Flair geben, aber die Gebäude sind in Harvard doch noch um einiges schöner als hier auf dem Campus. Allgemein hat mir Bosten von seinem Erscheinungsbild her sehr gut gefallen. Trotz der Urbanität gab es immer wieder idyllische Sträßchen und Orte, z.B. die Wohngegend in Charlestown um das Bunker Hill Monument. Eventuell werde ich im Sommer nochmal in Boston vorbeischauen. Ende Juli ist nämlich in Rhode Island eine Konferenz von der Uni aus, an der wir von Larry’s Lab teilnehmen werden.

Harvard University

Harvard University

Mit dem Flugzeug zurück in Atlanta erfreute ich mich erst einmal am milden, wenn auch feuchten Wetter, das je weiter unsere Reise nach Norden ging, doch immer frischer wurde. Nun ist wieder alles wie gewohnt, ein eigenes Zimmer, der übliche Gang ins Lab mit Internet, das geordnete Leben geht weiter. Heute waren auch schon meine ersten zwei Vorlesungen, doch mehr dazu in den nächsten Tagen.

Ostküste Teil III – New York City 25.12.-1.1.

Dienstag, 06. Januar 2009
Eine der Avenues, die in Nord-Süd Richtung verlaufen

Eine der Avenues, die in Nord-Süd Richtung verlaufen

New York – Die Stadt, die niemals schläft. Den Titel hat sich New York wahrlich verdient. Ich habe in meinem Leben noch nicht soviel Trubel und Geschäftigkeit auf einer so großen Fläche gesehen. Und die Fläche ist groß – Ursprünglich dachte ich, Manhattan (der Stadtteil, auf den wir unsere Reise beschränkten) sei vielleicht ein paar Kilometer lang, so dass man das meiste zu Fuß machen kann. Tatsächlich sind es aber an die 17 Kilometer vollgepflastert mit rechteckigen Blöcken, Straßen und Wolkenkratzern. Es ist kaum zu glauben, wer das alles mal gebaut haben soll. Immerhin ist das U-Bahnnetz sehr gut ausgebaut und auch erschwinglich (25$ für ein Wochenticket), so dass einem trotz der Größe alles offen steht. Günstig ist New York allerdings keinesfalls! Das Hostel kostete für uns drei  z.B. nur geringfügig weniger als das Hyatt Regency Hotel mit vier Sternen in Boston… Und auch für den Eintritt zu vielen Sehenswürdigkeiten lässt man die Touristen, die es wirklich zu Hauf gibt,  gut in die Tasche greifen.  Es verging kaum ein Tag, an dem man nicht jemanden in der UBahn oder auf der Straße deutsch sprechen hörte.

Südspitze von Manhatten (vom Empire State aus)

Südspitze von Manhatten (vom Empire State )

Eingangshalle des American Museum of Natural History

Eingangshalle des American Museum of Natural History

Wir näherten uns der Stadt mit einer Mischung aus Fußmärschen durch interessante Gebiete und dem Besuch von Attraktionen. Für letztere besorgten wir uns für 74$ den “Citypass”, der den  Eintritt  in sechs verschiedene Attraktionen erlaubt, die zu den Highlights von New York gehören. Das Museum of Modern Art (MoMA), das Guggenheim Museum (vor allem architektonisch toll), das Metropolitan Museum of Art (riesig groß!!), das Museum of Natural History (total viele Kinder unterwegs), die Aussichtsplattform des Empire State Buildings und eine Rundfahrt zu Liberty Island (Freiheitsstatue) und Ellis Island (Immigrations-Museum). Wenn einen all diese Dinge interessieren lohnt sich der Citypass sehr, zumal ein großer Vorteil ist, dass wir oft an Ticketschlangen vorbeigewunken wurden, was uns z.B. beim Empire State etwa eine Stunde Wartezeit erspart hat (Waren insgesamt trotzdem noch 2 Stunden aber immerhin…). Die Ausblicke vom Empire State und vom Wasser aus auf die Skyline sind unglaublich schön, so dass sich bei gutem Wetter das Anstehen schon gelohnt hat. Um den Höhenblick zu genießen kann man aber auch für 18$ auf das GE-Building des Rockefeller-Centers, das nicht so viel Andrang hat und den Vorteil hat, dass man das Empire State Building von dort aus fotografieren kann. Diesen Aufstieg machten wir bei Nacht. Ein weiterer Tipp ist die Staten Island Fähre, die einen umsonst nach Staten Island und zurück bringt und schöne Blicke auf die Skyline bietet.

Empire State Building (vom Rockefeller Center)

Empire State Building (vom Rockefeller Center)

Man sieht so viel in der Stadt, dass allein schon das Aufzählen Seiten füllen würde. Daher nur noch meine weiteren persönlichen Highlights: Times Square muss man gesehen haben, vor allem bei Nacht. Die riesigen Leuchtreklamen machen den Platz zu einem bunten Lichtermeer, in dem sich Menschenmassen hoch und runter schieben. Der Spaziergang auf der Brooklyn-Bridge war auch sehr schön, wenn auch das Wetter leider sehr neblig war, so dass die meisten Gebäude im Schleier lagen. Im Central Park kann man inmitten der Stadt auch ein wenig (angelegte) Natur erleben, was auch mal ganz gut tut.

Central Park, Jaqueline Kennedy Onassis Reservoir

Central Park, Jaqueline Kennedy Onassis Reservoir

Freiheitsstatue auf Liberty Island

Freiheitsstatue auf Liberty Island

New York ist eine Stadt mit Superlativen und man staunt nicht wenig. Mir war es nach 7 Tagen dann aber auch genug mit all dem Trubel. Atlanta erscheint einem dagegen irgendwie als verschlafenes Nest, aber zum Wohnen ist ein bisschen Ruhe doch auch angenehm. Silvester (unser Zug fuhr am 1.1. um 7 Uhr nach Boston) verbrachten wir nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, am Times Square, wo der herunterfallende Apfel das neue Jahr markiert, da es in dieser Nacht bitterkalt und windig war. Stattdessen waren wir im East Village in einem kleinen Club, wo die Zeit bis in die frühen Morgenstunden dann auch recht schnell vorüber ging. Von der anschließenden Zugfahrt nach Boston kann ich nicht viel erzählen, außer ein paar verschlafener Blicke auf die traumhaften Schneelandschaften von Connecticut und Rhode Island entlang der Strecke nach Boston, Massachusetts.

Ostküste Teil II – Philadelphia 23.-25.12.

Dienstag, 06. Januar 2009

Für schlappe 15 $ brachte uns ein Chinatown-Bus (so genannt, weil diese Busunternehmen die Chinatowns in den größeren Städten der Ostküste verbinden) in eine der historisch bedeutendsten Städte der USA – Philadelphia. Die Stadt rühmt sich damit, Versammlungsort des Continental Congress gewesen zu sein, in dem die damaligen Kolonien 1776  in der Declaration of Independence ihre Unabhängigkeit von Großbritannien unterzeichneten. Das Original dieses Schriftstücks kann man übrigens in den Nationalarchiven in D.C. betrachten (umsonst natürlich). Da wir nur einen vollen Tag in Philadelphia hatten, beschränkten wir uns auf die Sehenswürdigkeiten im Historic District. Die Fußmärsche in D.C. hatten uns ziemlich zugesetzt, so dass wir uns auf ein Minimalprogramm beschränkten, um auch für das nächste Ziel unserer Reise, New York, fit zu sein.

Independence Hall

Independence Hall

Von unserem Hotel erreichten wir die Gegend um die Independence Hall, das Gebäude, in dem die Unabhängigkeit unterzeichnet wurde, in wenigen Minuten. In einer kostenlosen Führung (Tickets erhält man beim nahen Visitor Center) erklärte uns ein Park-Ranger sehr wortreich und ausschweifend, welche Mythen um die Unabhängigkeit existieren und dass Geschichte oft nicht so eindeutig ist, wie es einem beigebracht wird. Eine einfache Geschichtslektion wäre mir aber lieber gewesen, da ich kaum (falsche) Vorstellungen der Geschichte hatte, die der Führer hätte wiederlegen können. Ein Haus weiter befindet sich das Liberty Bell Center, in dem man die “Freiheitsglocke” bestaunen kann, die in den USA ein Symbol für Freiheit ist, das  in unterschiedlichsten Zusammenhängen benutzt wurde: Zum einen natürlich die Freiheit von britischen Empire, aber auch bei der Befreiung von der Sklaverei, bei Frauenwahlrechten oder der Civil Rights Bewegung – quasi ein Stück Freiheitsgeschichte zum Anfassen.

Liberty Bell

Liberty Bell

Im weiteren Rundgang kamen wir an einigen Gebäuden vorbei, die auf diese oder jene Weise historisch interessant sind, z.B. Carpenters Hall, wo sich der Continental Congress versammelte. Auch einen kurzen Blick auf Penn’s Landing am Delaware River, wo ein gewisser Penn gelandet sein soll, nach dem Pennsylvania benannt ist, und auf Downtown mit der höchsten City Hall Amerikas ließen wir uns nicht entgehen.

Christ Church

Christ Church

Am 24. bin ich abends in einen Gottesdienst der Christ Church gegangen, eine der ältesten Kirchen der Stadt, in der schon einige der Gründungsväter der Nation Gemeindeglieder waren. Die Gemeinde ist episcopaler Ausrichtung, die sich als Mittelweg zwischen evangelisch und katholisch sieht. Zunächst wurde Bach’s Weihnachtsoratorium auf englisch zum Besten gegeben. Der anschließende Gottesdienst mit Abendmahl war lithurgisch ziemlich strikt und es wurden die für die USA üblichen Weihnachtsschlager angestimmt (Oh Come all ye Faithful, Silent Night, Joy to the World), die man zu dieser Zeit an jeder Ecke hörte. Die Besetzung vom Oratorium (Trompete, Schlagzeug, kleiner Chor, Orgel) war immer noch anwesend, so dass die Lieder ein richtiger Ohrenschmaus waren.

Downtown (Mitte: Flügel der City Hall)

Downtown (Mitte: Flügel der City Hall)

Wer einmal in Philadelphia ist, sollte nicht verpassen einmal ein Philly Steak Sandwich zu essen. Das gibt es hier an jeder Ecke. Ansonsten hätten wir hier bestimmt noch mehr sehen können, wenn unser Zeitplan nicht so straff gewesen wäre. Für New York hatten wir nämlich viel Zeit eingeplant, die auch nötig war, wie sich im Nachhinein bestätigte…

Ostküste Teil I – Washington D.C. 19.-23.12.

Montag, 05. Januar 2009
Blick vom Washington Monument

Blick vom Washington Monument

Teil 1 unserer Reise an die Ostküste galt der Hauptstadt der USA – Washington D.C. (ohne das D.C. wird die Stadt oft mit dem Bundesstaat Washington im Westen der USA verwechselt, weshalb man hier oft einfach nur “D.C.” sagt). Und beim Erscheinungsbild ihrer Hauptstadt lassen sich die Amerikaner nicht lumpen. Im Regierungsviertel rund um die “Mall”, eine ca. 3-4 km lange mit Denkmälern und Monumenten gespickte Parkanlage im Herzen der Stadt, hat man manchmal den Eindruck, durch das antike Rom zu laufen. Selbst das “Department of Agriculture” zeigt sich in einen gewaltigen, neoklassizistischen Monumentalbau, von denen es in D.C. so einige gibt. Gestern Abend habe ich mich mit John darüber unterhalten. Seine Erklärung ist, dass die damals junge Nation damit die Ideale der Römischen Republik und der griechischen Demokratie symbolisieren wollte. In das äußere Erscheinungsbild fügt sich auch ein, aus welchen Gründen D.C. sehenswert ist: Die Nationalmonumente, die Regierungebäude und die Museen. Als Stadt zum Ausgehen hat sich D.C. auf unserer Reise keinen großen Namen gemacht, doch für des Touristen Fotolinse hat es dafür umso mehr zu bieten.

Washington Monument

Washington Monument

Blick vom Lincoln Memorial auf die Mall

Blick vom Lincoln Memorial auf die Mall

Die Monumente sind wie schon erwähnt größtenteils auf der Mall verteilt. Die bekanntesten dürften das Washington Monument, ein Obelisk etwa in der Mitte der Mall, und das Lincoln Memorial sein, das das westliche Ende der Mall markiert. Das Washington Monument ist insofern ein Höhepunkt, dass man umsonst hinauffahren kann und einen tollen Blick über die Stadt erhält: Die Mall mit seinen Monumenten, das Kapitol, das weiße Haus, das Pentagon usw. Dank der Jahreszeit war insgesamt recht wenig los in D.C., so dass man nicht mal lange warten musste für die Fahrt in die Spitze. Das Lincoln Memorial besteht aus einer Art griechischen Tempelbau mit einer überdimensionalen Marmorstatue des “Bürgerkriegspräsidenten”. Andere Präsidenten, die auf der Mall ihr Denkmal fanden sind Franklin D. Roosevelt und Thomas Jefferson. Weitere drei Denkmäler, die wir besucht haben, erinnern an die großen Kriege der Amerikaner: Das WWII Memorial (2.Weltkrieg) zwischen Lincoln und Washington Monument, das Korean War Veteran Memorial und das Vietnam Veterans Memorial, bei dem die Namen der Gefallenen in eine lange Mauer eingraviert sind.

Lincoln Memorial

Lincoln Memorial

Library of Congress

Library of Congress

Die politischen Gebäude der heutigen Nation sind im wesentlichen das Weiße Haus, das nach 9/11 keine frei zugänglichen Führungen mehr macht, der Supreme Court und das Kapitol, das sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat beherbergt. Hier gab es wieder eine kostenlose Führung, die sich lohnt. Man kommt zwar nicht in die Parlamentssäle, doch allein schon der Blick auf das Innere der Kuppel ist es Wert. Einige Meter weiter steht die Library of Congress, wiederum ein absolut sehenswertes Prunkgebäude, in dem es auch kleinere Ausstellungen zur amerikanische Geschichte gibt. Desweiteren haben wir eine kostenlose Führung durch das Bureau of Engraving and Printing angeschaut, in dem die berühmten und von jedem gern gesehenen Dollar bis 100 Dollar Scheine gedruckt werden.

Kapitol

Kapitol

Pennsylvania Avenue

Pennsylvania Avenue

Wer aufmerksam liest, dem dürfte aufgefallen sein, dass schon dreimal der Eintritt kostenlos war und diese Serie erreicht nun ihren Höhepunkt, wenn es an das Thema Museen geht. Dank eines gewissen Briten namens Smithson, der sein Vermögen den Amerikanern vermachte, gibt es in D.C. viele Museen, die der Smithsonian Stiftung angehören und gratis sind. In der Tat habe ich in D.C. für nicht eine einzige Sehenswürdigkeit Eintritt bezahlt – Das lässt des Schwaben Herz höher schlagen (aber wir kommen ja noch nach New York…). In der Kürze der Zeit, konnten wir nicht einmal alle Museen sehen, so dass wir z.B. das National Museum of Natural History ausließen. Besucht haben wir dagegen das Hirshhorn Museum (Moderne Kunst), das National Air and Space Museum (Luft- und Raumfahrt – Erstes Flugzeug der Gebrüder Wright,…), das National Museum of the American Indian (Indianer), die National Gallery of Art (alte und moderne Kunst), das National Museum of American Art (amerikanische Kunst),  die National Portrait Gallery (Portraitgemälde, u.a. aller amerikanischer Präsidenten inkl. George W. Bush) und das U.S. Holocaust Memorial Museum (Holocaust), das sehr beeindruckend ist: Die Entwicklung von Diskriminierung zur Massenvernichtung wird gut erklärt und es werden immer wieder persönliche Schicksale eingebunden. Insgesamt ist D.C. also ein Museumsparadies!

Das Weiße Haus

Das Weiße Haus

Etwas außerhalb liegt der Friedhof Arlington unweit vom Pentagon. Neben den berühmten endlosen weißen Grabsteinreihen gefallener Soldaten ist hier John F. Kennedys Grab zu sehen.  Am Grabmal des unbekannten Soldaten verfolgten wir die Wachablösung, die mit einer fast komischen militärischen Steifheit zelebriert wird.

Arlington und Pentagon

Arlington und Pentagon

Im nächsten Abschnitt der Ostküstentour betraten wir den Ort, an dem alles begann…

Auf Wiedersehn Atlanta, 2008

Freitag, 19. Dezember 2008

Die letzten Tage waren sehr angenehm, um mal wieder alles etwas ruhiger angehen lassen zu können, auszuschlafen und einige Dinge aufzuholen, die während den Final Exams liegengeblieben sind.

Das angekündigte NBA-Spiel der Hawks gegen die Boston Celtics war ein echter Knaller! Einige Sekunden vor Schluss hatte Atlanta einen Rückstand von 2 Punkten und 2 Freiwürfe. Und den letzten hat der Hawk-Spieler dann tatsächlich verworfen. Sonst wäre es nach einer herausragenden Leistung noch in die Verlängerung gegangen. Wie zu erwarten, war auch das drumherum wieder ein Highlight für sich. Ein tolle Interpretation der Nationalhymne, die ja vor jeder Sportveranstaltung zum Besten gegeben wird, Tänze der “A-Town-Dancers”, trampolinspringende Dunker und zur Halbzeit eine Rap-Vorführung von Ludacris (“Move ***, get out the way”).

Hawks vs. Celtics: Show-Einlage

Hawks vs. Celtics: Show-Einlage

Die Vorstellung des Ballets Nutcracker (Nussknacker) im Fox Theater heute abend betrachtete ich mit gemischten Gefühlen. Meine größte Enttäuschung war, als ich zur Pause feststellen musste, dass kein Orchester spielt, sondern alles eingespielt wurde. Ich dachte immer bei Ballet wäre das Orchester genauso Pflicht wie z.B. bei Oper, aber dem scheint nicht so zu sein. Den ersten Akt fand ich etwas zu kindlich inszeniert. Auch waren für mich kaum tänzerische Glanzpunkte zu sehen. Den zweiten Akt fand ich dann aufgrund der schönen Paartänze sehr ansprechend, nachdem ich mich damit abgefunden hatte, dass kein Orchester spielt. Alles in allem hat sich der Besuch aber schon gelohnt: Die Bühnen- und Kostümgestaltung war sehr opulent, im zweiten Akt schöne Tanzszenen und natürlich ist die Musik, wenn auch eingespielt, großartig.

Im Fox-Theater (ich, Frederik, Jochen v.l.n.r.)

Im Fox-Theater (ich, Frederik, Jochen v.l.n.r.)

Atlantas Weihnachtsbaum bei Atlantic Station

Atlantas Weihnachtsbaum bei Atlantic Station

Morgen früh um 9:40 Uhr ist Abflug an die Ostküste. Ich weiß noch nicht, ob ich die Möglichkeit haben werde, von unterwegs was zu schreiben. Die Reiseplanung sieht wie folgt aus: 19.-23.12. Washington D.C., 23.12.-25-12. Philadelphia, 25.12.-1.1. New York City, 1.1.-1.3. Boston. Die Tagesplanungen haben Frederik, Jochen (Ein Freund von Frederik aus Deutschland) und ich bereits gemacht und es wird ein straffes Programm… Gut dass wir danach noch einen Tag frei haben, bis das Semester wieder losgeht.

Bis dahin wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Und schon ist das erste Term vorbei

Freitag, 12. Dezember 2008

Der Schlussspurt hatte es nochmal gewaltig in sich, doch nun ist es soweit – das erste Term ist geschafft. Die Noten stehen zwar noch nicht alle fest, aber ich bin zuversichtlich, dass es zumindest in dreien sehr gut ausfallen wird. Ursprünglich war für Freitag noch eine Final Exam in Linear Elasticity  geplant, doch Prof. Zhou hatte mal wieder eine Überraschung auf Lager, indem er am Dienstag letzte Woche die Exam kurzerhand zu einem Final Assignment (Eine Hausaufgabe, nur dass sie eben wie eine Klausur zählt) erklärt hatte, die bis gestern fällig war. Das hat meinen Lernplan gehörig durcheinander geworfen (da ich eigentlich noch heute zum Lernen eingeplant hatte), zumal die Aufgabe es auch in sich hatte und ich somit 2-3 Tage nur mit denken und rechnen beschäftigt war. Im Endeffekt war mir das so aber auch lieber, da ich im Midterm ja schon Erfahrung mit Zhou’s Prüfungsstil gemacht habe und außerdem jetzt auch schon frei habe :-) .

Vor dem Management Hörsaal

Mal wieder ein Campus-Bild: Vor dem Management Hörsaal

Die Finals in Management, Signal Processing und Continuum Mechanics waren dann auf Montag bis Mittwoch verteilt. Wie gesagt, war eigentlich alles in Ordnung und mal schauen, was rauskommt – Am Samstag sollen die Noten angeblich schon stehen. Ich schreibe hier nochmal kurz zusammen, worum es im letzten Monat in den Vorlesungen so ging. Wen das nicht interessiert, ab zum nächsten Abschnitt… In Management wurden folgende Module behandelt: Managerial Accounting (wie man Kosten bilanziert), Strategies (auf Markt- und Businessebene), Industry Analysis (jeder musste dann eine dreiseitige Analyse schreiben – ich über die deutsche Automobilindustrie), Supply Chain, International Marketing und Negotiations (inklusive Rollenspielen). Prof. Fekri von Digital Signal Processing krönte die Vorlesung mit dem Abschlussthema Diskrete Fourier Transformation bzw. die schnelle Berechnung durch die FFT (Fast Fourier Transform) Algorithmen. Endlich weiß ich mal, was ich mit dem MATLAB-Befehl “fft” eigentlich immer berechnet habe… Zuvor hatten wir noch Filterdesign besprochen, was ich auch sehr interessant fand. Im Digitalen gibt es nämlich FIR (Finite Length) Filter, die lineare Phase haben, so dass es nur zu einer Verzögerung des Signals kommt, nicht zu einer Verfälschung. Bei meiner Studienarbeit hatte ich oft mit der nichtlinearen Phase von analogen Filtern zu kämpfen. Die letzten Wochen in Continuum Mechanics beschäftigten sich damit, die vorher behandelten Konzepte in Anwendungen zusammenzufügen. So wurden Grundlagen für das elastische Verhalten von Feststoffen und für das Stömungsverhalten von Fluiden behandelt. Elasticity gab noch einen kurzen Einstieg in die Lösung von 3D Problemen, was ich im nächsten Term in Larry’s Vorlesung über Wellenausbreitung noch vertiefen werde.

Der Lernstress wurde Dienstag Nacht von GT-Mitarbeitern erleichtert, die ab 22 Uhr ein Midnight-Breakfast (Rührei, Würstchen, Donuts, Orangensaft,…) angeboten haben, zu dem alle Studenten kostenlos kommen durften. Eine tolle Idee, wie ich fand.

Die Weihnachtsstimmung ist der letzten Woche aber nicht zu kurz gekommen. Am Freitag waren wir vom WSF aus bei “The 82nd Annual Christmas Carol Concert” in der international Martin L. King Jr. Chapel. Zwei Chöre mit ausschließlich schwarzen Sängern hatten sich zu diesem Projekt zusammengeschlossen. Es wurden Weihnachtslieder aus allen möglichen Nationen und Musikrichtungen gesungen, mit Orgel, Gitarre, Klavier, Streichern, usw. als Begleitung. Bei einigen Liedern war das Publikum aufgerufen mitzusingen, u.a. bei “O Come All Ye Faithful”. Wer erkennt es? :-) .

Ich werde nun noch bis 18. Dezember in Atlanta sein und ein bisschen was unternehmen, was die letzten zwei Monate seit den Midterms wenig möglich war. Die großen Programmpunkte werden ein NBA-Spiel der Hawks gegen die Boston Celtics und ein Besuch des Ballets “Nutcracker” (Nussknacker) von Tschaikowsky im Fox Theater sein, das sehr schön sein soll. Am 19. gehts dann los in den Winterurlaub von Washington D.C. bis nach Boston die Ostküste hoch. Werde mich aber vorher nochmal melden!

Euch allen noch eine möglichst stressfreie und ruhige Adventszeit!

Thanksgiving

Sonntag, 30. November 2008

Zunächst unwissend, dass Thanksgiving (Erntedankfest) hier einen beinahe höheren Stellenwert hat als Weihnachten, hatte ich für Donnerstag nichts Größeres geplant. Es ist in den USA  d a s  Familienfest, wo alle zusammen kommen und sehr viel essen, v.a. den bekanten Turkey (Truthahn). Der Hintergrund dieses Festes ist in den USA nicht nur das uns bekannte christliche Erntedankfest, sondern zusätzlich eine Geschichte, die auf die ersten Jahre der Kolonialzeit zurückgeht: Die ersten europäischen Siedler waren im ersten Winter vom Verhungern bedroht, doch einige Indianer halfen mit Essen aus, so dass die Siedler den Winter überstehen konnten.

Wie es dazu kam, dass ich Thanksgiving bei einem brasilianischen Einwandererehepaar verbracht habe, ist folgendes: Alex hatte sich im August bei einer Fußballrunde eingetragen, die von Marcos, einem Brasilianer organisiert wird. Dieser hatte dann die Fußballer zum Thanksgiving Dinner eingeladen. Alex fragte Frederik und mich, ob wir auch mitwollen und so gingen wir dann zu dritt hin. Meine folgenden Annahmen stellten sich als falsch heraus:

1. Marcos ist ein GTler in den Mittzwanzigern (Er ist Mitte 40 und arbeitet bei einer Baufirma)

2. Alex kennt Marcos (Alex war nur zwei Mal beim Fußball, aber da war Marcos nicht da)

3. Es sind noch viele andere Fußballer aus der Runde da (Es war noch ein weiterer Brasilianer aus der Fußballrunde da, der am GT als Post-Doktor arbeitet)

D.h. der Abend verlief total anders, als ich es mir vorher gedacht hatte. Statt unter vielen jungen Fußballern fanden wir uns bei einem Ehepaar in einer gated community (abgezäuntes Wohngebiet) wieder, die u.a. auch noch eine Freundin und ihre Nachbarn (ein indisches Ehepaar über 60) eingeladen hatten. Nach der anfänglichen Überraschung entwickelte sich das ganze zu einem sehr interessanten Abend! Überspitzt gesagt: Statt Fußballerwitzen, Lebensweisheiten und Geschichten aus dem Leben des indischen Ehepaars – Ein wahrhaft bürgerliches Thanksgiving. Die Gastfreundschaft der Albertinis war fantastisch! Luciane, Marcos’ Frau, hat für alle gekocht (u.a. Truthahn) und sie ermunternten uns immer wieder, nicht schüchtern zu sein, was mir gegen später dann auch besser gelang, als ich mich an die ein wenig absurde, aber erfahrungsreiche Situation gewöhnt hatte.

Bill Clinton for Martin

Donnerstag, 20. November 2008

Da denkt man die Wahlen sind rum, aber denkste – hier in Georgia wird immer noch gewählt und zwar für den U.S. Senate, nachdem es am großen Wahltag keinen absoulten Sieger gab. Der amtierende republikanische Senator Saxby Chambliss tritt gegen den demokratischen Kandidaten hierzulande, Jim Martin, an. Um dessen Wahlkampf zu unterstützen gab heute Abend bei einer “rally” (Wahlkampfmotivationsveranstaltung für Wahlkämpfer) kein geringerer als President Bill Clinton eine Rede auf dem Campus der Clarke Atlanta University, der jeder beiwohnen konnte, der Lust hatte; so auch Frederik und ich.

Bill Clinton in Atlanta

Bill Clinton in Atlanta

Martin for U.S. Senate

Martin for U.S. Senate

Nach langer Parkplatzsuche standen wir schließlich vor einer ca. 200m langen, etwa 3 Personen breiten Schlange. Das Warten wurde durch Wahlhelfer “erleichtert”, die mit Formularen herumliefen, auf denen man sich offiziell als Wahlhelfer eintragen konnte. Unwissend, ob sie uns auch reinlassen würden, wenn wir uns da nicht eintragen, haben wir es einfach mal gemacht. Für einen bestimmten Einsatzort wollte ich mich aber noch nicht festlegen :-) . Und plötzlich, löste sich die Schlange auf und alle liefen zu einem Podium, quer über eine Wiese. Wahrscheinlich war die Schlange nur dafür da, um die Leute möglichst geordnet mit Formularen zu versorgen… Jedenfalls hatte Bills Maschine wohl Verspätung, doch nach 1,5 Stunden durften wir dann doch eine ca 10 minütige Rede des beliebten Präsidenten hören. Im Wesentlichen ging es ihm darum, dass man im Senat eine Brücke schaffen soll, indem 60% der Sitze demokratisch sind, damit Obama möglichst handlunsgfähig ist (Mit 40% kann man wohl bestimmte Gesetze blockieren). Die Warterei hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das Schild hab ich übrigens von einem Gewerkschafter der AFL-CIO erhalten. Hab es pflichtgemäß auch zwei, drei Mal hochgehalten, um nicht allzu sehr den Anschein eines Souvenirjägers zu erwecken…

“Tracing the limits of language with Jazz…”

Montag, 17. November 2008

Ja, es gibt tatsächlich mal wieder etwas nicht-Universitäres zu berichten. Gerade ist ein bisschen Luftholen vor den Final Exams im Dezember möglich. Zunächst spielten am Freitag die GT-Basketballer ihr erstes Saisonspiel gegen die Mannschaft aus Winston-Salem und haben recht deutlich 92:47 gewonnen. Die Halle auf dem Campus, das “Alexander Memorial Coliseum”, bietet über 9.000 Sitzplätze, ganz voll war es aber nicht. Die glorreichen Zeiten von 2004, als sie das Finale der natiolen Ausscheidung erreichten ist wohl vorbei. Neben den gewohnten Showeinlagen der kleinen Marching Band (diesmal ohne Marching) und den Cheerleaders konnte man als Europäer wenigstens auch ein bisschen was mit der Sportart anfangen.

Basketball: GT vs Winston-Salem

Basketball: GT vs Winston-Salem

Am Samstag Abend folgte ein recht spontaner Besuch eines Konzert des Trios um Brad Mehldau, der laut Wikipedia “als einer der wichtigen Jazzpianisten der letzten Jahrzehnte gelten” kann. Umso überraschter war ich zunächst, dass das Konzert ca. 1 Stunde nördlich von Atlanta in einem kleinen Militär-College für umsonst stattfinden sollte. Aber der Insider-Tipp hatte sich als hervorragend herausgestellt! Vielleicht um die 100 Leute waren in dem kleinen Saal, in dem dann wirklich Jazz vom feinsten geboten wurde (Soweit ich das beurteilen kann). Treffend beschrieb Mehldau seine Musik in einer Ansage während des Konzerts (sinngemäß) : “Das Lied hat noch keinen Namen. Wir müssen dann halt einen vergeben, wenn wir das Lied aufnehmen. Das ist dann wie eine Erkundung der Grenzen der Sprache durch Jazz.” Hört es euch am besten selbst an (Brad Mehldau Trio – O Que Sera).

Und gestern war das zweite Regional Tournament im Tischtennis. Da viele wegen Lernstress fehlten, konnte ich diesmal alle Spiele mitmachen. Und falls ich mich hier selbst loben darf (ich war ja beim letzten Bericht übers TT auch selbstkritisch ;-) ) war das seit langem wieder mal eine tolle Leistung. Habe im Einzel nicht einen Satz abgegeben, wobei es zugegebenermaßen auch nur zwei gleichwertige Gegner gab. Durch unsere niederlagenfreie Bilanz im Team haben wir uns damit für die nationalen Meisterschaften nächstes Jahr in Minnesota qualifizert! Ein Erfolg, von dem unsere Footballer und Basketballer momentan nur träumen können :-) . Tischtennis ist natürlich auch nicht so die Sportart Nr.1 hier. Jetzt müssen wir nur noch einen Sponsor finden, der uns die Kosten ein wenig erleichtert. Hätte nicht ein geneigter Leser den Willen dazu?

Election Day

Mittwoch, 05. November 2008

Nun ist es also wahr. Obama hat es geschafft! Wir dürfen gespannt sein, was sich tatsächlich “wandelt” in den kommenden Jahren.

Der Wahltag verlief für mich eher unspektakulär. Hätte ich nicht gewusst, dass Wahltag ist, hätte ich es vermutlich gar nicht gemerkt. Ein recht normaler Tag eben. Am Abend wurde es dann aber doch interessant, als ich zusammen mit John aus meiner WG die Berichterstattung im Fernsehen verfolgt habe. John hatte “Election-Cookies” gebacken und war den ganzen Tag im Amerika-T-Shirt herumgelaufen, um den Wahltag zu feiern, womit er aber doch eher eine Ausnahme darstellte, was die offene Begeisterung für den Wahltag anging, zumindest was ich hier auf dem Campus mitbekommen habe.

Staat um Staat wurde in den Nachrichten als blau oder rot ausgerufen und pünktlich um 23 Uhr, als die Wahllokale im Westen schlossen, wurde der Countdown für den neuen Präsidenten Obama gezählt, nachdem die Umfragen eindeutig waren. Die anschließende Rede von McCain fand ich beeindruckend, ein sehr fairer Verlierer! Überhaupt hat McCain in meinen Augen in letzter Zeit viel Sympathie gewonnen, wie er sich als Mensch gibt, auch wenn seine sachlichen Standpunkte nicht immer mit meinen übereinstimmten. Obamas Rede in Chicago vor einer riesigen Menschenmasse war der Abschluss des Wahlabends. Alle Journalisten betonten die historische Bedeutung eines afro-amerikanischen Präsidenten und die Worte schienen nur um diesen Aspekt zu kreisen, was meiner Meinung nach ein deutliches Zeichen ist, dass Rassismus in den USA immer noch ein ernstes Thema ist.

Obama vermittelt Hoffnung und Begeisterung für die alten amerikanischen Ideale, niemals aufzugeben, an die Demokratie zu glauben, seines Glückes Schmied zu sein – für das, was Amerika früher zu einem Symbol der Freiheit gemacht hatte, sich jedoch in den letzten 8 Jahren unter Bush zum Gegenteil verkehrte. Ich hoffe, dass unter seiner Präsidentschaft in Deutschland und in der Welt wieder das gerechtfertigte Bild vom guten Amerika entsteht, das meinem Eindruck nach viele zu Hause nicht mehr vertreten konnten.