Archiv für die Kategorie ‘Summer Term (Mai'09-Aug'09)’

QNDE (Quantitative Nondestructive Evaluation) Konferenz in Kingston, Rhode Island

Freitag, 14. August 2009

Eigentlich schon ein alter Hut, aber die Arbeit an der Thesis kostete einfach zu viel Zeit in den letzten Wochen. Daher nun ein Nachtrag zur QNDE Konferenz in Kingston im Ocean State Rhode Island, die nahezu unser komplettes Lab Ende Juli besuchte. Kingston ist ein kleines Städtchen zwischen New York und Boston. Mit dem Flugzeug ging’s nach Boston und dann weiter mit Zug und Bus. Und Kingston ist wirklich sehr klein… Als wir auf dem Campus der University of Rhode Island ankamen, war einfach niemand zu sehen, ein bisschen Nebel, ein paar Gebäude, aber das war’s. Untergebracht wurden wir in Einzelzimmern in einem Dorm (Studentenwohnheim), wo für das Nötigste gesorgt war.

Bahnhof Kingston, Rhode Island - Irgendwo im Nirgendwo

Bahnhof Kingston, Rhode Island - Irgendwo im Nirgendwo

Konferenzen haben zwei Ziele. Zum einen ist es eine Veranstaltung, wo alle wichtigen und interessierten Leute einer Forschungsrichtung zusammenkommen, um sich gegenseitig über die neuesten Fortschritte der Forschung zu informieren. Zum anderen, treffen sich Menschen aus aller Welt, um unter einem guten Vorwand (siehe Ziel eins) eine Menge Spaß zu haben, das meiste auf Kosten der eigenen Uni.

In diesem Fall ging es um die zerstörungsfreie Auswertung von Materialien, mit der ich mich ja nicht nur momentan mit meiner Arbeit am Georgia Tech, sondern auch schon mit meiner Studienarbeit in Stuttgart beschäftigt habe. Also grob gesagt werden unterschiedliche Methoden, wie z.B. Schallwellen, verwendet, um Schäden zu entdecken oder Eigenschaften von Materialien zu charakterisieren. Der Beitrag von mir und meinen Kommilitonen vom Lab bestand darin, die eigene Forschungsarbeit in einem Posterwettbewerb für Studenten vorzustellen, während die erfahreneren Forscher Vorträge in verschiedensten Kategorien zu ihren Themen hielten. D.h. außer der ca. 3-stündigen Arbeitszeit, während wir unsere Poster vorstellten, hatten wir genügend Zeit, Vorträge anzuhören, oder einfach nur zu relaxen oder Mahlzeiten zu genießen.

Die Posterpräsentation war aber durchaus anstrengend. Dutzende Leute liefen vorbei und stellten immer wieder ähnliche Fragen, die man wieder und wieder freundlich beantwortete. In meiner ganzen Zeit in den USA hab ich nicht so viel am Stück geredet. Und am Ende war ich so im Englischen drin, dass ich einem Deutschen, der am Ende auftauchte, kaum noch auf Deutsch antworten konnte; was aber auch daran liegt, dass ich mir die ganzen Fachbegriffe selten auf deutsch überlegt habe. Das war auf jeden Fall schon eine gute Erfahrung und eine Erleichterung als es vorbei war…

Das zweite Ziel der Konferenz war in Kingston etwas schwieriger zu erreichen. Denn zum nächsten Laden oder Lokal, wo es Alkoholisches gab, waren es geschätzte 5 Meilen, d.h. ohne Auto war man recht aufgeschmissen. Dummerweise hatten sich wenige an die Empfehlung gehalten, einen Mietwagen zu nehmen… So gestaltete es sich kompliziert die zahlreichen Party- und Ausgehlustigen in privaten Shuttle-Services zu den entsprechenden Restaurants und Kneipen zu fahren. Doch mit ein bisschen Willen geht alles. Es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung mit allen möglichen Leuten von anderen Unis zu sprechen. Vor allem viele Briten und auch Deutsche waren anwesend. Nach ein bisschen Eingewöhnung in den britischen Dialekt hab ich dann auch mal ab und zu was verstanden, was die Briten gesagt haben. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten erreichte das Ganze, nachdem die Preise für den Posterwettbewerb beim Konferenz-Dinner am dritten Abend vergeben worden waren – 100$ für Platz 1, 75$ für Platz 2 und 50$ für Platz 3. Denn traditionell wird zumindest ein Teil dieses Geldes für gratis Bier für alle ausgegeben.

Die Gewinner des Posterwettbewerbs

Die Gewinner des Posterwettbewerbs

Für mich persönlich überraschend durfte ich den 100$-Schein in einem Kuvert gegen Bier eintauschen. Hab mich auf jeden Fall riesig darüber gefreut, auch von verschiedenen Leuten persönliches Lob entgegennehmen zu dürfen. Bezeichnenderweise kamen alle drei Gewinner vom Georgia Tech. Natalie aus unserm Lab gewann den zweiten Platz und ein Kommilitone von einem anderen Department landete auf Platz 3. Deshalb wurde noch ein zweiter dritter Platz für eine andere Uni eingeführt… Die 100$ waren aber an diesem Abend und Natalie’s 75$ am nächsten Abend gut investiert!

Warten auf den Zug nach Boston - Frederik, Alex und Natalie

Warten auf den Zug nach Boston - Frederik, Alex und Natalie

Nachdem wir nach 4 Tagen die Heimreise nach Atlanta angetreten hatten, machten wir noch einen Zwischenstopp in Boston. In einigen Stunden schauten wir uns verschiedene Gegenden an, diesmal nicht bei Eiseskälte. Dieser sommerliche Eindruck machte Boston noch mal um eine ganze Ecke schöner. Mit Sicherheit eine der besten Städte zum Leben. Nur der kalte Winter – wie auch in Kanada – ist leider ein ziemlicher Negativpunkt…

Boston, Charles Street im Sommer - Da lässt es sich leben...

Boston, Charles Street im Sommer - Da lässt es sich leben...

Zurück in Atlanta: Mit meiner Thesis schaut es momentan ganz gut aus. Ich habe nun eine erste Version zum Korrekturlesen abgegeben und erwarte nur noch kleinere Änderungen. Nun müssen wir aber noch Papers schreiben. Zum einen für die QNDE und zum anderen zur Veröffentlichung in einem Journal. Noch einiges zu tun bis zum Abflug nach Hawaii am 25.8.! Durchhalten…

Kanada Teil IV (27.-30.6.): Toronto und Niagara Falls

Montag, 20. Juli 2009

Der erste Eindruck von Toronto als wir uns mit dem Auto der Stadt näherten: Der CN-Tower. Schon schätzungsweise 20-30 Minuten bevor wir Downtown erreichten, konnten wir das „höchste Gebäude der Welt“ erblicken, und das nicht weil es auf einem Hügel gebaut wäre… Dieser Eindruck von Toronto hielt an. Der Turm ist mit seinen 553 Metern selbst neben anderen nicht gerade klein geratenen Hochhäusern extrem dominierend und ist wohl zu Recht das Wahrzeichen Torontos. Allein daneben zu stehen und seinen Kopf um fast 90 Grad nach hinten zu legen, um die Spitze zu sehen – ein beeindruckendes Ergebnis der Ingenieurskunst!

Toronto - Harborfront

Toronto - Harborfront

Toronto - CN Tower

Toronto - CN Tower

Selbstverständlich gehört es zum Programm eines jeden Touristen, da mal hochzugehen, auch wenn man für die billigste Karte nur bis zur 346 Meter hohen Aussichtsplattform kommt. Die teurere Option geht bis 447 Meter hinauf. Nachdem wir den Tag an der Harborfront am Ontario See mit Flanieren verbracht hatten, gingen wir gegen Sonnenuntergang hoch, um so die Stadt bei Tag und bei Nacht von oben zu sehen. Der einzige Nachteil: Wir waren nicht die einzigen mit dieser Idee… Aber nach ein bisschen Warten waren wir dann doch noch rechtzeitig oben. Im Prinzip gibt es drei Möglichkeiten für den Normaltouristen: Einen Außengang in der freien Luft, der rundherum geht, eine Plattform mit Glasscheiben, von der man aber nur 180 Grad Umblick hat (Die andere Hälfte ist von einem Restaurant eingenommen), und ein Glasbodendeck, das wirklich originell ist – Auf ein paar Quadratmetern steht man auf Glas und sieht seine Füße vor einem gähnenden Abgrund. Es kostet schon ein wenig Überwindung da drauf zu gehen. Die Zeit bis zur Dunkelheit verbrachten wir damit, alle möglichen Funktionen mit unseren Kameras auszuprobieren, um den Sonnenuntergang und die Lichter der Stadt festzuhalten. Das hat bei meiner Kamera auch ganz gut geklappt solange es noch ein wenig Tag war. Bei Nacht hab ich es jedoch nicht wirklich geschafft, die Belichtungszeit genug aufzudrehen. Was nichts daran änderte, dass der CN-Tower auch nachts ein Highlight (im wahrsten Sinne des Wortes) ist: Die Kuppel und die seitlichen Stützen leuchten in den Regenbogenfarben. Doch auch die Gegend um Harborfront war ganz nett. Ist eben ein typisches Touristenviertel mit Straßenkünstlern, Eiscremeverkäufern, Straßenständen und Bootsfahrten nach Toronto Island.

Blick nach Westen vom CN Tower

Blick nach Westen vom CN Tower

Übernachtet haben wir ca. eine halbe Stunde außerhalb von Toronto bei einer weiteren Schwester von Marius’ Pfarrer, wo die Gastfreundschaft wie auch schon bei dem Paar bei Kingston unglaublich toll ist. Die Familie hat uns in der ersten Nacht in Ihrem Haus schlafen lassen, obwohl sie in dieser Nacht zelteten und damit gar nicht zu Hause waren!

Niagara Falls

Niagara Falls

Den südlichsten Punkt unserer Reise erreichten wir dann mit den berühmten Niagara Falls, die sich zwischen dem Erie See und dem Ontario See direkt an der Grenze zum US Bundesstaat New York befinden. Auf der amerikanischen Seite befindet sich ein schon ganz ansehnlicher Wasserfall (American Falls), aber der eigentliche Höhepunkt befindet sich auf kanadischer Seite – die Horseshoe Falls, die wie ein riesiges Hufeisen geformt sind. Beide lassen sich aufgrund der eigentümlichen Ländergrenzen nur von der kanadischen Seite wirklich gut sehen, so dass wir uns die Einreise in die USA sparen konnten. Der gleichnamige Ort Niagara Falls ist ein übles Touristenloch – wie kaum anders zu erwarten – aber der Anblick der Fälle lohnt sich hundert prozentig. Als wir ankamen war das Wetter sehr trüb und regnerisch. Doch die Wassermengen vom Himmel waren nichts im Vergleich zu denen, die wir bei der Bootstour ‚Maid of the Mist’ zum Fuß der Horseshoe Falls erlebten. In der Tat erzeugen die herabstürzenden Wassermassen einen andauernden Sprühregen im ganzen Gebiet um die Fälle, der im Kessel selbst extrem ist. Deshalb bekommt man auch diese durchaus sinnvollen blauen Ganzkörpermülltüten. Als wir dann mit Niagara Falls fast abgeschlossen, alle Bilder gemacht und die Touristenmeile ausgecheckt hatten, kam dann doch noch die Sonne raus! Mit nun blauem Himmel, weißem Wasserdunst und Regenbogen knipsten wir die Bilder noch mal alle durch und waren dann auch geschafft für diesen Tag.

Niagara - Horseshoe Falls

Niagara - Horseshoe Falls

Bevor wir am nächsten Tag zurück nach Montreal aufbrachen, schauten wir uns Toronto’s Downtown an, die mich schwer an New York erinnert hat – zwar alles ein bisschen kleiner, aber viele Hochhäuser und diese ein wenig verratzten, in quadratischen Blocks angelegten Läden. Auf unserem Fußmarsch passierten wir u.a. die University of Toronto, das Ontario Parlamentsgebäude, die City Hall und das Eaton Center, wo wir ca. 2 Stunden im Apple Store verbrachten :-) . Auf der Rückfahrt schließlich bewahrte uns der CN-Tower noch vor Schlimmerem, als er plötzlich zu unserer Linken auftauchte statt rechts, was bedeutete, dass wir in die komplett falsche Richtung fuhren… Nach ca. 4-5 Stunden Fahrt waren wir wieder südlich von Montreal, wo wir die Nacht in einem Motel gut überstanden und morgens noch die ‚Sucrerie de la Montagne’ anschauten, wo auf traditionelle Weise der berühmte kanadische Ahornsirup hergestellt wird. Selbst die Häuser waren alle im Holzhüttenstil gebaut und ein Wolf-Hund-Mischling streifte ab und an über das Gelände. Als wir ankamen, führte uns der Besitzer ein bisschen herum und seine Frau bereitete einige Pancakes zu, die wir zusammen mit hauseigenem Sirup genossen.

Toronto - YongeStreet in Downtown

Toronto - Yonge Street in Downtown

Mari und der Ahornsirup in der Sucrerie De La Montagne

Mari und der Ahornsirup in der Sucrerie De La Montagne

Einige Stunden später hieß es… leider … schon … Abschied nehmen: ich von Kanada, Mari von Kanada, Mari von mir und am schmerzlichsten ich von Mari :-) . Der Schlingel sitzt nun schon wieder daheim und kann Rostbraten und Wiener Schnitzel essen… Hast es dir aber auch verdient, Mari ;-) . Wenn mich mal wieder jemand auf einen Rostbraten o.ä. schwäbische Spezialität einladen will: Ich betrete heimischen Boden wenn alles gut läuft am 26. September um 18:25 Uhr von London kommend. Keine Sorge: Mache da keinen Urlaub, ist nur ein Zwischenstopp :-) . Der kommende Monat wird sehr stressig, da ich bis 25. August meine Thesis und 2-3 Paper schreiben sollte. Also nicht wundern, wenn hier im Blog weniger los sein wird. Viele Grüße aus Atlanta!

Kanada Teil III (25.-27.6.): Ottawa, 1000 Islands und Kingston

Montag, 13. Juli 2009

Früh morgens verließen wir Montreal in Richtung Westen. Ottawa, die eher unbekannte Hauptstadt Kanadas war unser nächstes größeres Ziel. Wir fuhren jedoch nicht direkt über die Autobahn, sondern machten einen ca. 2-stündigen Roadtrip durch die Laurentischen Berge, ein in Kanada recht bekanntes Ski-, Wander- und Erholungsgebiet. Die Landschaft ist eher hügelig als bergig und daher eher mit dem Schwarzwald als mit den Alpen zu vergleichen. Doch gibt es viele Seen, die das Gebiet auch für Wassersport wie Angeln, Kajak o.ä. interessant machen. Die Laurentischen Berge sind wohl kein Grund extra deshalb nach Kanada zu fliegen, aber da wir schon mal in der Nähe waren, kam ein wenig Natur nach dem langen Aufenthalt in Montreal auch nicht ungelegen.

Laurentische Berge - Lac Tremblant

Laurentische Berge - Lac Tremblant

Beim Staatsempfang in der kanadischen Hauptstadt (Royal Mint)

Beim Staatsempfang in der kanadischen Hauptstadt (Royal Mint)

Gegen Nachmittag erreichten wir unser Hotel in Gatineau, das noch in Quebec direkt neben Ottawa liegt, während Ottawa dann schon zu Ontario gehört. Und das ist kein Zufall: Das vergleichsweise kleine Ottawa (785.000 Einwohner) ist als Hauptstadt ein Kompromiss zwischen der anglo- und der frankophonen Bevölkerung. Um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen, sind wir ca. 3 Stunden rund um das Regierungsviertel spaziert. Und zumindest diese Gegend ist sehr hübsch anzuschaun. Die drei Regierungsgebäude liegen auf einem Felsvorsprung, wo der Rideau Kanal (wie die Zitadelle in Quebec als Schutz gegen die USA erbaut) in den Ottawa River mündet. Weiter ging es am Rideau Kanal in Richtung National Gallery und die Royal Canadian Mint (Münzprägeanstalt). Auf dem Rückweg streiften wir das National War Memorial und endeten in einer von Menschen gefüllten Fußgängerzone (!), wo einige Stände in einem Wettkampf um die Auszeichnung der „besten Ribs der Stadt“ kämpften. Leider hatten wir kurz davor unseren Hunger mit McDonalds bzw. Subway verdorben… Insgesamt machte Ottawa einen sehr freundlichen Eindruck auf mich – schon ein krasser Gegensatz zu Washington D.C., wo alles sehr monumental wirkt. Auch habe ich z.B. kaum Sicherheitsleute gesehen.

Parlamentsgebäude in Ottawa

Parlamentsgebäude in Ottawa

Noch bei Tageslicht machten wir uns auf den Rückweg ins Hotel, das ein richtiges Schnäppchen war: Von außen im Stil eines Schlosses inkl. Golfplatz, Pool, riesigen Zimmern und … Tennis Court. Bis zum Sonnenuntergang haben wir einige Sätze gespielt, wobei ich die Niederlage vom Radduell in Quebec City wieder gut machen konnte (Sorry, Mari, aber das musste ich ja nach deinem Eintrag erwähnen ;-) ). Wir hatten soviel Spaß dabei, dass wir gleich morgens vor dem Checkout noch mal spielten. Mit jede Menge Muskelkater ging es dann weiter zu einem landschaftlichen Höhepunkt unserer Reise…

Die Thousand Islands I

Die Thousand Islands I

1000 Islands - Wolken ziehen auf

1000 Islands - Wolken ziehen auf

… die Thousand Islands (Tausend Inseln). Am nördlichen Ende des Ontario Sees, wo der St. Laurence Strom seinen Weg zum Atlantik antritt, hat es die Natur auf irgendeine Weise geschafft, hunderte von kleinen Inselchen im Wasser zu erschaffen. Auf den meisten Inseln steht jeweils ein kleines Häuschen, das einem reichen Menschen dieser Erde gehört – schon die kleinste Insel, wo quasi nur eine Hütte drauf ist, kostet mehr als eine Million; ganz zu schweigen von den größeren mit Villa, Vorgarten und Brückchen zur Nachbarinsel… Auf dem Thousand Islands Parkway fuhren wir die Küste entlang, bis wir in Rockport Tickets für eine Bootstour kauften. Bis dahin hatten wir wunderschönes Wetter, doch quasi als wir die Karten gekauft hatten, begannen die ersten Wolken aufzuziehen. „Och nee“, dachte ich schon, doch was passierte war großartig. Noch nie hatte ich so beeindruckende Wolken gesehen, die sich wie ein schwarzer Schleier über den Fluss legten. Der Himmel war voller Turbulenzen, die man in den Wolken sehen konnte, wie z.B. im Bild links oben. Das Wetter lenkte so fast ein bisschen von den Inseln ab, die wir zuhauf passierten. Höhepunkt war das Boldt Castle, das – wie nicht anders zu erwarten – auf einer der tausend Inseln erbaut wurde. Mir fällt es total schwer unter all den schönen Bildern welche für diesen Eintrag auszuwählen, aber ich hoffe, die drei Bilder können einen guten Eindruck von allem vermitteln.

Die Thousand Islands II

Die Thousand Islands II

Ein wenig westlich von Kingston übernachteten wir dann bei der Schwester von Marius’ Pfarrer in Calgary. War auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, mit ‚echten’ Kanadiern zu reden. Vor allem beim Thema USA sind die Kanadier doch sehr stolz auf ihr eigenes Land. Was sie an den Amis nicht zu mögen scheinen, ist die „American attitude“ (amerikanische Haltung), die besten und wichtigsten zu sein. Ich musste dann doch ein bisschen die positiven Dinge in den USA ansprechen. Und die Amerikaner lästern ja auch nicht wenig über die Kanadier. Beruht also alles auf Gegenseitigkeit :-) . In der Hafenstadt  Kingston selber gab’s nicht übermäßig viel zu sehen. Am schönsten war es am Ufer des Ontario See. Am Abend schauten wir uns noch ‚Transformers 2’ im Kino an (nachdem wir nun endlich richtig im englischsprachigen Raum waren … ). Den ersten Film fand ich wirklich cool, aber der zweite ist schon schwächer – irgendwie zu viel von allem.

Kingston - Yachthafen am See Ontario

Kingston - Yachthafen am See Ontario

Am nächsten Tag waren schließlich nur noch 3 Tage übrig für Toronto und die Niagara Fälle, worüber es dann im vierten und finalen Eintrag der Kanada-Serie gehen wird.

Kanada Teil II (20.-25.6.): Montreal

Donnerstag, 09. Juli 2009

Schwerpunkt unserer Reise war mit 4 ganzen Tagen Aufenthalt Montreal, die größte Stadt Quebecs. Nach 3 Tagen hatten wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zwar schon durch, doch blieben wir noch einen Tag länger, da am 24.6. der Nationalfeiertag von Quebec stattfand, den wir gerne noch mitgenommen haben. Doch dazu später mehr.

Marche Bonsecours im Vieux-Montreal

Marche Bonsecours im Vieux-Montreal

Beginnen wir mit Tag eins. Sonntag. Durch die gute Lage unseres Hotels in Downtown Montreal konnten wir den ersten Tag gänzlich zu Fuß zurücklegen. Zunächst besuchten wir das Musee des Beaux-Arts, das zu meiner positiven Verwunderung einige Ausstellungen gratis anbot. Neben einigen moderneren Gemälden und einer Austellung zum Thema Napoleon war dies der letzte Tag, um die Austellung ‚Imagine’ über John Lennon und Yoko Ono zu sehen. Ich hatte mich davor kaum mit den beiden beschäftigt, so dass das ganze sehr lehrreich für mich war – Schon sehr bemerkenswert, wie die beiden für den ‚Weltfrieden’ gekämpft haben, aber doch irgendwie ziemlich seltsame Leute. Naja, wären sie nicht seltsam, würden sie wohl auch nicht so schnell im Museum landen… Weiter ging’s dann durch Downtown vorbei an der Cathedrale Marie-Reine-du-Monde, die dem St. Petersdom in Rom nachempfunden ist, zur Altstadt Montreals, dem Vieux-Montreal – Am St. Laurence Strom gelegen, ideal zum Flanieren. Hier befindet sich auch die einzige bedeutende Kirche, die wir auf unserer Rundreise ausgelassen haben, weil für die Basilique Notre-Dame doch tatsächlich Eintrittsgeld verlangt wurde – bei dem üppigen kostenlosen Angebot in Quebec keine wirkliche Option… Stattdessen sind wir durch eine Umweltmesse gelaufen, weil Mari unbedingt Kulis haben wollte. War jetzt nicht so richtig spannend, aber ganz am Ende war dann doch noch was: Kartenspielen in der 5. Dimension (so hieß das). Da hat ein Mensch wirklich die 5. Farbe beim Kartenspielen erfunden. Dass da niemand früher drauf gekommen ist… Was das mit Umwelt zu tun hatte, war uns aber auch nicht so ganz klar.

Musee Des Beaux Arts - Imagine

Musee Des Beaux Arts - Imagine

Biosphere auf Ile Sainte Helene

Biosphere auf Ile Sainte Helene

Tag zwei widmeten wir den beiden Inseln Montreals – Ile Sainte-Helene und Ile Notre-Dame. Zur Ile Sainte-Helene brachte uns die Metro und den Rest erledigten wir wieder zu Fuß (Die beiden Inseln sind durch eine Brücke verbunden). Ile Sainte-Helene ist vor allem bekannt für die Biosphere, eine ziemlich große Metallgerüstkugel, die bei der Expo 1967 als US-amerikanischer Stand diente. Auf Umwegen, an einem überteuerten Freizeitpark vorbei, auf dessen Parkplatz wir uns verirrten, erreichten wir Ile Notre-Dame. Zum einen liegt hier der ehemalige Formel-1 Rundkurs Circuit Gilles Villeneuve, wo bis vor zwei Jahren noch Rennen gefahren wurden. Heute drehen Radfahrer, Skater und Autofahrer ihre Runden – alles öffentlich zugänglich. Im 24h geöffneten Casino war es dann an der Zeit die Urlaubskasse aufzubessern. Da ich Münzen sammle hab ich auch sofort mal den Automaten ausprobiert, der Quarter gegen Scheine ausspuckt, und gleich ein paar neue Münzen gefunden :-) . Nach Kurzem hatten wir dann einen gewinnbringenden, quarterschluckenden einarmigen Banditen gefunden. Ich hab nach einem Dollar Gewinn einen Schlusspunkt gesetzt, und Mari hat sogar eine 2-Dollar Münze, die er auf dem Hinweg gefunden hatte, in 5 Dollar Gewinn ummünzen können – Mit dem letzten übrigen Quarter eine 20:1 Kombination!

Circuit Gilles Villeneuve, Montreals ehemalige F1-Strecke

Circuit Gilles Villeneuve, Montreals ehemalige F1-Strecke

Zurück in Downtown setzten wir den Höhenflug fort – mit der Besteigung des Mont Royal, dem Hügel mitten in Montreal, nach dem die Stadt  benannt ist. Oder der Hügel nach der Stadt!? Jedenfalls ein toller Ausblick von da oben, quasi auf Augenhöhe mit den Hochhäusern Downtowns.

Ausblick vom Mont Royal auf Downtown

Ausblick vom Mont Royal auf Downtown

Tag drei verbrachten wir auf dem Olympiagelände von 1976, das hauptsächlich aus Olympiastadion, Montreal Tower und Biodome besteht. Während das Stadion kaum noch benutzt wird, ist im Biodome eine Art Zoo untergebracht, wo vier Klimazonen simuliert und die dazugehörigen Tiere präsentiert werden: Tropenwald Brasiliens, die Laurentischen Wälder (Die liegen direkt neben Montreal), der St. Laurence Strom und die Arktis. Ein weiterer toller Ausblick bot sich dann vom Montreal Tower.

Olympiastadion und Montreal Tower

Olympiastadion und Montreal Tower

In der Hoffnung ein Feuerwerk für den anstehenden Quebecer Nationalfeiertag zu sehen, bestiegen wir gegen Abend das Oratoire Saint-Joseph, Montreals größte Kirche, die vor allem von innen gigantisch wirkt. Auf den Stufen bei den vier Säulen warteten wir den Sonnenuntergang ab und konnten ganz weit entfernt auch ein paar Feuerwerke sehen.

Oratoire Saint-Joseph

Oratoire Saint-Joseph

Festumzug - Samuel De Champlain

Festumzug - Samuel De Champlain

Den Nationalfeiertag am folgenden Tag feierten die Montrealer mit einem Umzug und anschließendem Festkonzert. Das Besondere am Festumzug sind übergroße Figuren, die berühmte Persönlichkeiten Quebecs und Kanadas darstellen, wie z.B. Samuel De Champlain im Bild, der Quebec City gegründet hat. Auf der ganzen Reise, und besonders an diesem Tag, haben wir die Erfahrung gemacht, dass Quebec eine besondere Stellung in Kanada einnimmt. Aufgrund der kulturellen Unterschiede wollen nicht wenige einen eigenen Staat Quebec haben, und so haben wir z.B. auch von der Separatisten-Partei einen Flyer in die Hand gedrückt bekommen. Der war natürlich auf Französisch, was hier als Sprache ähnlich wie in Frankreich extrem hochgehalten wird. Auch auf dem anschließenden Konzert  traten nur französischsprachige Bands auf. Zwei Referenda zur Unabhängigkeit wurden bereits abgehalten, beide Male pro Kanada, aber sehr knapp. Mir war bewusst, dass es ein französisches und ein englisches Kanada gibt, doch war ich doch recht erstaunt, dass die Unterschiede sich so stark im alltäglichen und politischen Leben äußern.

Festumzug - Quebec's Fahne war überall zu sehen

Festumzug - Quebec's Fahne war überall zu sehen

Montreal hat mir persönlich von den Städten, die wir besucht haben, am besten gefallen. Eine große moderne Stadt mit Flair. Einzig, dass alles französisch ist, wäre gewöhnungsbedürftig für ein Leben hier. Was es zwischen Montreal und Toronto so zu sehen gibt – demnächst hier.

Kanada Teil I (18.-20.6.): Quebec City

Montag, 06. Juli 2009

Mit der 13-tägigen Rundreise durch den Osten Kanadas, die ich zusammen mit Marius aka Mari unternommen habe, gibt es wieder einiges zu berichten in der Kategorie Urlaub. Die Anreise gestaltete sich zunächst sehr stressig, da ich mit US Airways in Philadelphia auf den Flieger nach Montreal (Verzeiht mir, dass ich in meinen Einträgen alle Accents weglasse…) umsteigen musste und dazu nur 43 Minuten Zeit hatte. Dann hatte der erste Flug natürlich noch 20 Minuten Verspätung. Total abgehetzt kam ich am anderen Terminal an und durfte erleichtert feststellen, dass die zweite Maschine auch ein wenig verspätet war. Nach dem anfänglichen Stress war aber das Schlimmste überwunden. An der Autovermietung traf ich Mari, der sein FSJ in Calgary beendet hatte und nun quasi auf der Heimreise nach Deutschland war. Wir mieteten bei Hertz über den ADAC einen Toyota Yaris. Mit Hertz war ich nicht besonders zufrieden, da sie uns am Schalter noch mal ca.100 Euro zusätzlich zur Vorabüberweisung aufgebrummt haben: für Schadensversicherung am Auto. Hätten wir das nicht bezahlt, hätten wir für alle evtl. Schäden am Auto aufkommen müssen (platter Reifen, Motorschaden,…). Ich weiß nicht, wie es bei anderen Anbietern gewesen wäre, aber ich finde so was ist nicht gerade transparente Preispolitik. Das nächste Mal werde ich auf jeden Fall eine andere Autovermietung ausprobieren.

Rue De Petit Champlain

Rue De Petit Champlain

Nun aber zu den schönen Dingen. Unsere Rundreise begann wie gesagt in Montreal, von wo wir direkt ca. 3 Stunden nach Quebec City fuhren. Quebec City heißt eigentlich nur Quebec, aber da die Provinz, in der Quebec liegt, Quebec heißt, und Quebec auch noch die Hauptstadt von Quebec ist, und daher keiner so genau weiß, was der andere mit Quebec meint, wenn er Quebec sagt, ist der Zusatz ‚City’ im englischsprachigen Raum nützlich. Der Zusatz ‚englischsprachig’, weil die Provinz Quebec zum größten Teil französisch spricht. Und das ist wirklich keine Untertreibung, auf den Straßen hört man fast nur französisch. In den touristischen Gegenden, wo wir uns aufhielten, kamen wir mit englisch aber meist ohne Probleme durch. Meine Französisch-Kenntnisse aus der Schule reichten noch um ab und zu mal ein geschriebenes Sätzchen zu übersetzen, aber reden, na ja… :-) Quebec City ist eine der ältesten Siedlungen Kanadas, gegründet 1608 auf einem Hügel am St. Laurence Strom. 1759 gewannen hier die Briten die Vorherrschaft über die französische Kolonie. Das Stadtbild ist äußerst europäisch. Es gibt eine richtige Altstadt mit kleinen Gässchen, alten Häusern und Kirchen: Zusammen mit der Lage am Fluss und auf dem Hügel ein malerisches Städtchen.

Place Royal

Place Royale

Leider hatten wir anfangs zwei regnerische Tage erwischt, so dass wir nicht die ganze Schönheit erleben konnten, aber wir konnten uns vorstellen, wie schön es wäre, wenn zusätzlich noch die Sonne geschienen hätte! Trotz des schlechten Wetters durchwanderten wir ausgerüstet mit 4-C$-Regenschirmen von Walmart die Altstadt. Von der Gegend um den alten Hafen führen enge Gassen zum Gipfel der Stadt, nicht nur geographisch, sondern auch architektonisch: Das 1893 erbaute Hotel Chateau Frontenac ist das beeindruckendste und bekannteste Gebäude der Stadt. Von dort ging’s unter strömendem Regen weiter zur Zitadelle, die als Verteidigung gegen die USA erbaut wurde (wie so vieles in Kanada), aber aufgrund der Friedlebigkeit der Amerikaner ;-) nie gebraucht wurde. Als wir bei der Assemblee Nationale, dem Parlament Quebecs, ankamen, waren wir schon recht nass, was sich dann in pitschnass vollendete als wir unter starkem Seitenwind zum Auto zurückliefen.

Chateau Frontenac

Chateau Frontenac

Die kurze Überlegung als Abendprogramm ins Kino zu gehen, verflüchtigte sich schnell wieder, nachdem klar wurde, dass man hier wirklich französisch spricht und nicht nur so tut… Nachdem Mari mich dann im Hotel, gestärkt durch den Verzehr zahlreicher proteinhaltiger Brotrollen, beim Rennduell auf dem Standfahrrad des Hotels abgezogen hat, wollte ich aufgrund körperlicher Erschöpfung auch nichts mehr von Abendprogramm wissen :-) .

Blick von der Zitadelle

Blick von der Zitadelle

Wasserfall Montmorency

Wasserfall Montmorency

Am nächsten Tag war es immer noch recht trüb, so dass sich ein erneuter Fototermin mit der Altstadt nicht so richtig gelohnt hätte. Daher besichtigten wir den nahe gelegenen Wasserfall Montmorency, der 30 Meter höher als die Niagarafälle ist! Naja, da wir die Niagara Fälle später auch noch gesehen haben, kann ich guten Gewissens sagen, dass die letzteren trotzdem noch eine Nummer beeindruckender sind ;-) , was die Schönheit Montmorencys nicht schmälern soll. Zu Fuß gings einige Treppen nach oben und von dort konnten wir sogar ganz klein die Altstadt Quebecs sehen.

Blick auf Quebec vom Montmorency Wasserfall

Blick auf Quebec vom Montmorency Wasserfall

Basilika Sainte-Anne-De-Beaupre

Basilika Sainte-Anne-De-Beaupre

Zum Schluss fuhren wir dann noch 30 km nach Norden zur Basilika Sainte-Anne- de-Beaupre, die Anne, der Mutter Marias, gewidmet ist. Bis dahin hatten wir in Quebec City schon drei Kirchen gesehen, und in Montreal ging es später gerade so weiter. Die Sache ist aber, dass diese Kirchen sich vor den meisten Kirchen in Europa keineswegs verstecken brauchen, auch wenn sie vielleicht nicht immer ganz so alt sind wie die europäischen Vergleichsstücke. Das heutige Gebäude von St. Anne wurde z.B. erst 1920 erbaut. Als wir kamen war gerade ein Hochzeitsgottesdienst in Gange, so dass ich dann noch in den Genuss des berühmten Orgel-Hochzeitsliedes kam, dessen Name ich gar nicht kenne (!?). Schon eine tolle Akustik.

Nicht ganz damit mithalten konnte die Soundanlage unseres Yaris, als wir abends auf Kanadas Highways (Tempolimit 100 km/h) entlang des St. Laurent Stroms nach Montreal fuhren.

4th of July – Independence Day

Montag, 06. Juli 2009

Ich bin nun schon seit fast einer Woche wieder zurück aus Kanada. Doch bevor ich zu den Reiseberichten komme, schnell noch ein Nachtrag, der in einem Jahr USA hier nicht fehlen darf: Independence Day.

Interessanterweise bekommt man in den USA den Freitag frei, wenn der Feiertag auf einen Samstag fällt. Das wär doch mal noch was für Deutschland, damit die X Feiertage auch garantiert sind :-) . Ich bin am Freitag trotzdem ins Lab. Man hätte auf der Straße Fußball spielen können… Gefeiert wurde dann am Samstag. Den Nachmittag verbrachte ich bei der Poolparty von Alex’ und Frederik’s WG: Gemütlich im Pool relaxen, grillen, ein bisschen Bier trinken. Auch die Flagge wurde aufgehängt, nachdem ich danach gefragt hatte.

Showbühne auf dem Centennial Park

Showbühne auf dem Centennial Park

Gegen Abend ging’s dann auf den Centennial Park, wo sich Massen versammelt hatten, um das Feuerwerk anzuschauen. Nachdem eine Rockgruppe für Stimmung gesorgt hatte, startete das Spektakel – und ich war sehr beeindruckt. An Feuerwerkskörpern wurde definitiv nicht gespart! Nicht nur vorne wurde geschossen, auch von den seitlich liegendenen Gebäuden stiegen Raketen in die Höhe. Als man dachte, es sei aus, kam dann noch der Walkürenritt von Wagner mit einem opulenten Finale. Nur die Nationalhymne hat gefehlt. Ansonsten war es wieder einmal ein wahrhaft patriotisches Erlebnis :-) .

Mit der Party-Barke auf Lake Lanier

Mittwoch, 17. Juni 2009

Die anstehende Reise nach Kanada zusammen mit Marius rückt rasend näher, weswegen ich hier noch kurz ein wenig schreiben werde, um die “Prä-Kanada-Zeit” abzuschließen.

Lake Lanier - Partyboot

Lake Lanier - Partyboot

Erwähnenswert in dieser Woche war die  Bootsfahrt auf Lake Lanier, das wie  auch schon die Reise nach Savannah vom WSF organisiert wurde. Mit etwa 25 Mann und Frau fuhren wir zum ca. 1 Autostunde nördlich gelegenen Stausee. Mit einer Fläche von 150 qkm stellt der See nicht nur ein wichtiges Wasserreservoir für Georgia dar, sondern bietet auch jede Menge Freizeitaktivitäten rund um den Wassersport. Wir mieteten eine ca. 10 m lange Party-Barke mit Sofaecke, Oberdeck und Wasserrutsche, um 4 Stunden gemütlich auf dem See herumzutuckern. Die, die mitgedacht hatten, brachten einige Dosen Bier mit und so verging die Zeit wie im Flug mit Reden, im Liegestuhl Liegen und ab und an ins Wasser Springen/Rutschen. Ich hatte bei strahlendem Sonnenschein schon ein bisschen Angst um meinen schneeweißen Oberkörper, aber es ging dann doch alles gut. Der Sommer ist hier nämlich schon richtig angekommen, d.h. selbst bei Nacht kühlt es hier kaum noch unter 20 Grad ab. Am Donnerstag soll es sogar 36 Grad geben! Doch dem weiche ich aus, da ich dann schon auf dem Weg nach…

…Montreal (Kleiner Aufhänger für den nächsten Eintrag, der nach meiner Rückkehr am 30. Juni folgen wird) sein werde.

Weekends!

Montag, 08. Juni 2009
Interessanter Baum im Amicalola State Park

Interessanter Baum im Amicalola State Park

Aus meiner Trägheit, kleine Erlebnisberichte zu veröffentlichen, folgt nun eine Zusammenfassung der letzten vier Wochenenden, die ich angesichts des nahen Endes zu allerlei Vergnügung genutzt habe. Beginnen wir vor drei Wochen mit dem Amicalola Falls State Park, einer unter vielen Parks, die vom Staat Georgia unterhalten werden – im Gegensatz zu den Nationalparks, die von den vereinigten Staaten (dem Bund auf gut deutsch) betrieben werden. Die Idee dabei ist, dass Gegenden von schöner Natur oder historischem Hintergrund für Besucher zugänglich gemacht und erhalten werden. In diesem Fall (man beachte das Wortspiel) handelt es sich um einen Wasserfall in den Ausläufern der Appalachen nördlich von Atlanta. Mit dem Auto kann man am Eingang des Parks für 3$ parken, wo vom Visitor Center aus verschieden Wanderwege zur Spitze des Wasserfalls führen. Nach einer knappen Stunde hatten Fiona, die ich bei den Tischtennis Nationals kennengelernt hatte, und ich den nicht allzu schwierigen Aufstieg (man erinnere sich an den Eintrag über die Great Smokey Mountains) geschafft. Den beeindruckendsten Blick hatten wir dann auf dem Abstieg, der mittels Holzstegen direkt am Fuß des Wasserfalls vorbeiführt. Die State Parks sind auf jeden Fall eine schöne Einrichtung für Wochenendtrips, um von dem Großstadt- und Unileben ein wenig Luft zu holen.

Amicalola Falls

Amicalola Falls

East Atlanta Beer Festival (Quelle: http://www.eabfonline.com)

East Atlanta Beer Festival (Quelle: http://www.eabfonline.com)

Das Wochenende darauf war mit dem East Atlanta Beer Festival weniger erholsam. Laut Webseite wurden 170 Biersorten zur Verkostung angeboten, die Madison, Frederik, Fiona und ich, aber leider nicht ganz durchbekommen haben. Recht pünktlich um 13 Uhr waren wir auf dem Gelände in East Village im Südosten Atlantas, als die Schlange schon enorm war. Um die 3000 Besucher, meine ich gehört zu haben, wollten sich die Bierprobe nicht entgehen lassen. Neben den großen Brauereien wie Sam Adams, Yuengling, Sweetwater oder dem gut bekannten Franziskaner, waren überwiegend lokale und kleinere Brauereien vertreten. Ich kann mich kaum noch an Namen erinnern – und das schreibe ich jetzt mal der Vielzahl an Namen zu, nicht was der Leser vermuten könnte – aber es war sehr interessant, die verschiedenen Geschmäcker zu vergleichen. Erinnern kann ich mich noch an ein Bier namens Oberon (weil Frederik und ich beim Anblick des Namens über den Sommernachtstraum von Shakespeare zu philosophieren begannen) und das war auch ganz gut – war aber auch eher gegen Ende… Im Gedächtnis blieb mir auch das Pfirsich-Bier, hier im Peach(Pfirsich)-State Georgia ja quasi ein Muss. Und es schmeckt gar nicht so schlecht wie man denkt! Als die Zelte gegen 18 Uhr abgebaut wurden, waren wir drei Jungs aber doch ganz froh, dass Fiona (unser “designated driver”) gefahren ist, und keiner von uns…

In der Sparte Kino kann ich nur den Film UP aus dem Hause Pixar ans Herz legen – Beeindruckend von den Animationen, und die Story ist auch ganz nett. Ich hab ihn in 3D angeschaut, und denke, muss man nicht unbedingt machen. Die Effekte sind eher dezent gehalten und nach 15 min. hat man sich ziemlich daran gewöhnt, dass es 3D ist. Einige Impressionen waren jedoch mit 3D-Brille ganz hübsch, aber wie gesagt nicht übermäßig spektakulär.

Six Flags White Water (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Six_Flags_White_Water)

Six Flags White Water (Quelle: http://en.wikipedia.org/ wiki/Six_Flags_ White_Water)

Gestern war ich mit Aneece vom Tischtennis und einigen seiner Freunde (und Freunden von denen und…) – Wir waren eine überaus multikulturelle Gruppe (libanesisch, indisch, amerikanisch, jüdisch, holländisch, deutsch) – im Wasserfreizeitpark Six Flags White Water in Marietta nördlich von Atlanta. Zwei der drei ‘Thrill’-Attraktionen erledigten wir gleich am Anfang, bevor die Besuchermassen zu groß wurden: Zum einen den Cliffhanger, eine 90 Feet (30 Meter) hohe gerade Rutsche, die anfangs fast senkrecht nacht unten geht, und zum anderen den Tornado, wo man in einem Luftkissen in eine riesige Röhre hineinbeschleunigt wird, an deren Wänden man dann auf- und abschwingt. Neben mehr als einem Dutzend weiteren Rutschen (die wir gar nicht alle machen konnten an diesem Tag), ist das Wellenbad Atlanta Ocean das Zentrum des Parks. Sehr schön ist auch ein Strudelkanal, der um den kompletten Park herumführt, wo man sich einfach mit dem Strom treiben lassen kann. Als gegen Mittag die Sonne raus kam, wurde der Park leider ziemlich voll, so dass man wie in normalen Freizeitparks recht lange auf Fahrten warten musste. Ist also nicht wirklich mit einem Freibadbesuch zu vergleichen…

High Museum - Skywalk Level

High Museum - Skywalk Level

Den heutigen Tag habe ich für den Besuch des High Museum of Art, des hiesige Kunstmuseums, genutzt, dessen Ruf in der Kunstwelt gar nicht mal so schlecht is. Neben den üblichen Kategorien wie europäische Kunst des 14. bis 19. Jahrhunderts und amerikanischer Kunst, wird auch Wert auf lokale Künstler gelegt. Im obersten Stock, dem Skyway Level, stehen die modernen Stücke. Die momentanen Gastaustellungen sind Monet’s Wasserlilien und Louvre – Masterpieces. Das letztere zeigt Stücke aus dem Louvre und erklärt an ihnen die Bedeutung und Geschichte der Bezeichnung Masterpiece (Meisterstück). Monet’s Austellung, die von der Photographie Serie On the Beach von Richard Misrach begleitet wird, war mit 4 Bildern eher klein. Sehr interessant fand ich die Ausstellung Evolution: Five Decades of Printmaking des afroamerikanischen Künstlers David C. Driskell, der afrikanische Elemente in seine Werke einbaut.

Piedmont Lake im gleichnamigen Park

Piedmont Lake im gleichnamigen Park

Auf dem Rückweg fuhr ich mit dem Fahrrad durch Midtown zum Piedmont Park, damit ich den auch mal gesehen habe. Wenn einen die ganzen Leute um einen herum nicht stören, ist das ein sehr schöner Ort zum Sport treiben, spazierengehen oder lesen. Die Grünflächen sind wirklich riesig – zum Teil würden wirklich drei Fußballfelder nebeneinander passen… Am Piedmont Lake gibt es ein kleines Rondell, wo doch tatsächlich gerade eine Hochzeit stattfand; unter den Augen von vorbeistreunenden Leuten wie mir… Konnte mir das Foto gerade noch verkneifen. Naja, ist wohl Geschmacksache :-) .

Von Dispersionskurven und Phasengeschwindigkeiten…

Donnerstag, 21. Mai 2009

… handelt der heutige Eintrag. D.h. die weniger physikbegeisterten Leser sollten sich das Bildchen unten anschauen, sich an den geschlungenen Kurven erfreuen und dann zu einem älteren Beitrag wechseln ;-) . Ich werde nun nämlich ein wenig berichten, an was ich bei meiner Thesis denn gerade so arbeite. Ich hoffe mir gelingt eine einigermaßen verständliche Beschreibung, wenn auch stark verkürzt…

Ausgangspunkt ist eine Platte, die theoretisch unendlich gross ist, aber eine bestimmte Dicke hat. Da drin können sich mechanische Lamb Wellen ausbreiten (d.h. Materie stößt andere Materie an, was sich wellenartig fortsetzt), deren Gestalt man mit physikalischen Gesetzen (Newtons Gesetz u.a.) herleiten kann. Die Lamb Wellen sind dispersiv, was bedeutet, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit von der Frequenz der Anregung abhängt. Aus der theoretischen Herleitung bekommt man aber eine Frequenzgleichung, die den Zusammenhang zwischen der Frequenz ω und der Wellenzahl κ (Kehrwert zur Wellenlänge) folgendermaßen herstellt

Dabei ist cL die longitudinale und cT die transversale Wellengeschwindigkeit in einem unendlichen Medium (beide sind Materialeigenschaften und damit konstant), und h die halbe Dicke der Platte . D.h. aus der Gleichung kann man Werte für ω und κ ausrechnen, aus denen man dann die Phasengeschwindigkeit c_ph erhält, wenn man ω durch κ teilt. Theoretisch breitet sich die Welle also mit dieser Geschwindigkeit aus. Wenn man das ganze numerisch ausrechnet und aufmalt, erhält man die Dispersionskurven und das sieht dann so aus.

Dispersionskurven

Dispersionskurven

Die x-Achse ist die Frequenz und die y-Achse die Phasengeschwindigkeit. Jede Linie stellt eine Lamb Mode dar, wobei sich die Moden in ihrer Spannungsverteilung über dem Plattenquerschnitt unterscheiden. Soweit die Grundlagen.

Meine Aufgabe ist es momentan Modenpaare zu finden, so dass die Phasengeschwindigkeit der einen Mode bei Frequenz ω gleich groß ist wie die Phasengeschwindigkeit einer anderen Mode bei Frequenz 2ω, was als ‘phase matching’ bezeichnet wird. Durch Hinschauen habe ich dann auch die Paare gefunden, die im Bildchen mit schwarzen Strichen markiert sind. Letzte Woche und diese Woche bin ich nun dabei die gefunden Paare analytisch, also mit der Frequenzgleichung oben zu untersuchen, bzgl. Verschiebungen an der Oberfläche der Platte, Gruppengeschwindigkeit, und welche Bedingungen da gelten. Diesen Teil habe ich größtenteils abgeschlossen und bin nun auf der Suche nach einer physikalischen Erklärung für die Ergebnisse.

Warum ich das ganze mache, hab ich ja früher schon mal ein bisschen erklärt, aber trotzdem nochmal kurz, um den Zusammenhang darzustellen: Durch ein paar mathematische Tricks kann man die nichtlineare Wellen-Theorie (das oben war alles lineare Elastizität) in die lineare Theorie überführen. Um den Effekt der Nichtlinearitäten sehen zu können, d.h. dass deren Amplitude stark wächst, wird in der Herleitung phase matching gefordert. Anhand der nichtlinearen Welle will man dann wiederum Aussagen über den Zustand des Materials machen, also wie fit das Material noch ist. Der Gedankengang ist also folgender: Wir suchen nach Anregungsfrequenzen, wo phase matching existiert, damit die durch Nichtlinearitäten im Material erzeugte Welle stark wächst und somit gut messbar ist, um dann aus der Messung Aussagen über das Material machen zu können.

Gut, der nächste Eintrag wird wieder über Freizeit sein, versprochen… :-)