Kanada Teil III (25.-27.6.): Ottawa, 1000 Islands und Kingston

13. Juli 2009

Früh morgens verließen wir Montreal in Richtung Westen. Ottawa, die eher unbekannte Hauptstadt Kanadas war unser nächstes größeres Ziel. Wir fuhren jedoch nicht direkt über die Autobahn, sondern machten einen ca. 2-stündigen Roadtrip durch die Laurentischen Berge, ein in Kanada recht bekanntes Ski-, Wander- und Erholungsgebiet. Die Landschaft ist eher hügelig als bergig und daher eher mit dem Schwarzwald als mit den Alpen zu vergleichen. Doch gibt es viele Seen, die das Gebiet auch für Wassersport wie Angeln, Kajak o.ä. interessant machen. Die Laurentischen Berge sind wohl kein Grund extra deshalb nach Kanada zu fliegen, aber da wir schon mal in der Nähe waren, kam ein wenig Natur nach dem langen Aufenthalt in Montreal auch nicht ungelegen.

Laurentische Berge - Lac Tremblant

Laurentische Berge - Lac Tremblant

Beim Staatsempfang in der kanadischen Hauptstadt (Royal Mint)

Beim Staatsempfang in der kanadischen Hauptstadt (Royal Mint)

Gegen Nachmittag erreichten wir unser Hotel in Gatineau, das noch in Quebec direkt neben Ottawa liegt, während Ottawa dann schon zu Ontario gehört. Und das ist kein Zufall: Das vergleichsweise kleine Ottawa (785.000 Einwohner) ist als Hauptstadt ein Kompromiss zwischen der anglo- und der frankophonen Bevölkerung. Um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen, sind wir ca. 3 Stunden rund um das Regierungsviertel spaziert. Und zumindest diese Gegend ist sehr hübsch anzuschaun. Die drei Regierungsgebäude liegen auf einem Felsvorsprung, wo der Rideau Kanal (wie die Zitadelle in Quebec als Schutz gegen die USA erbaut) in den Ottawa River mündet. Weiter ging es am Rideau Kanal in Richtung National Gallery und die Royal Canadian Mint (Münzprägeanstalt). Auf dem Rückweg streiften wir das National War Memorial und endeten in einer von Menschen gefüllten Fußgängerzone (!), wo einige Stände in einem Wettkampf um die Auszeichnung der „besten Ribs der Stadt“ kämpften. Leider hatten wir kurz davor unseren Hunger mit McDonalds bzw. Subway verdorben… Insgesamt machte Ottawa einen sehr freundlichen Eindruck auf mich – schon ein krasser Gegensatz zu Washington D.C., wo alles sehr monumental wirkt. Auch habe ich z.B. kaum Sicherheitsleute gesehen.

Parlamentsgebäude in Ottawa

Parlamentsgebäude in Ottawa

Noch bei Tageslicht machten wir uns auf den Rückweg ins Hotel, das ein richtiges Schnäppchen war: Von außen im Stil eines Schlosses inkl. Golfplatz, Pool, riesigen Zimmern und … Tennis Court. Bis zum Sonnenuntergang haben wir einige Sätze gespielt, wobei ich die Niederlage vom Radduell in Quebec City wieder gut machen konnte (Sorry, Mari, aber das musste ich ja nach deinem Eintrag erwähnen ;-) ). Wir hatten soviel Spaß dabei, dass wir gleich morgens vor dem Checkout noch mal spielten. Mit jede Menge Muskelkater ging es dann weiter zu einem landschaftlichen Höhepunkt unserer Reise…

Die Thousand Islands I

Die Thousand Islands I

1000 Islands - Wolken ziehen auf

1000 Islands - Wolken ziehen auf

… die Thousand Islands (Tausend Inseln). Am nördlichen Ende des Ontario Sees, wo der St. Laurence Strom seinen Weg zum Atlantik antritt, hat es die Natur auf irgendeine Weise geschafft, hunderte von kleinen Inselchen im Wasser zu erschaffen. Auf den meisten Inseln steht jeweils ein kleines Häuschen, das einem reichen Menschen dieser Erde gehört – schon die kleinste Insel, wo quasi nur eine Hütte drauf ist, kostet mehr als eine Million; ganz zu schweigen von den größeren mit Villa, Vorgarten und Brückchen zur Nachbarinsel… Auf dem Thousand Islands Parkway fuhren wir die Küste entlang, bis wir in Rockport Tickets für eine Bootstour kauften. Bis dahin hatten wir wunderschönes Wetter, doch quasi als wir die Karten gekauft hatten, begannen die ersten Wolken aufzuziehen. „Och nee“, dachte ich schon, doch was passierte war großartig. Noch nie hatte ich so beeindruckende Wolken gesehen, die sich wie ein schwarzer Schleier über den Fluss legten. Der Himmel war voller Turbulenzen, die man in den Wolken sehen konnte, wie z.B. im Bild links oben. Das Wetter lenkte so fast ein bisschen von den Inseln ab, die wir zuhauf passierten. Höhepunkt war das Boldt Castle, das – wie nicht anders zu erwarten – auf einer der tausend Inseln erbaut wurde. Mir fällt es total schwer unter all den schönen Bildern welche für diesen Eintrag auszuwählen, aber ich hoffe, die drei Bilder können einen guten Eindruck von allem vermitteln.

Die Thousand Islands II

Die Thousand Islands II

Ein wenig westlich von Kingston übernachteten wir dann bei der Schwester von Marius’ Pfarrer in Calgary. War auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, mit ‚echten’ Kanadiern zu reden. Vor allem beim Thema USA sind die Kanadier doch sehr stolz auf ihr eigenes Land. Was sie an den Amis nicht zu mögen scheinen, ist die „American attitude“ (amerikanische Haltung), die besten und wichtigsten zu sein. Ich musste dann doch ein bisschen die positiven Dinge in den USA ansprechen. Und die Amerikaner lästern ja auch nicht wenig über die Kanadier. Beruht also alles auf Gegenseitigkeit :-) . In der Hafenstadt  Kingston selber gab’s nicht übermäßig viel zu sehen. Am schönsten war es am Ufer des Ontario See. Am Abend schauten wir uns noch ‚Transformers 2’ im Kino an (nachdem wir nun endlich richtig im englischsprachigen Raum waren … ). Den ersten Film fand ich wirklich cool, aber der zweite ist schon schwächer – irgendwie zu viel von allem.

Kingston - Yachthafen am See Ontario

Kingston - Yachthafen am See Ontario

Am nächsten Tag waren schließlich nur noch 3 Tage übrig für Toronto und die Niagara Fälle, worüber es dann im vierten und finalen Eintrag der Kanada-Serie gehen wird.

Kanada Teil II (20.-25.6.): Montreal

09. Juli 2009

Schwerpunkt unserer Reise war mit 4 ganzen Tagen Aufenthalt Montreal, die größte Stadt Quebecs. Nach 3 Tagen hatten wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zwar schon durch, doch blieben wir noch einen Tag länger, da am 24.6. der Nationalfeiertag von Quebec stattfand, den wir gerne noch mitgenommen haben. Doch dazu später mehr.

Marche Bonsecours im Vieux-Montreal

Marche Bonsecours im Vieux-Montreal

Beginnen wir mit Tag eins. Sonntag. Durch die gute Lage unseres Hotels in Downtown Montreal konnten wir den ersten Tag gänzlich zu Fuß zurücklegen. Zunächst besuchten wir das Musee des Beaux-Arts, das zu meiner positiven Verwunderung einige Ausstellungen gratis anbot. Neben einigen moderneren Gemälden und einer Austellung zum Thema Napoleon war dies der letzte Tag, um die Austellung ‚Imagine’ über John Lennon und Yoko Ono zu sehen. Ich hatte mich davor kaum mit den beiden beschäftigt, so dass das ganze sehr lehrreich für mich war – Schon sehr bemerkenswert, wie die beiden für den ‚Weltfrieden’ gekämpft haben, aber doch irgendwie ziemlich seltsame Leute. Naja, wären sie nicht seltsam, würden sie wohl auch nicht so schnell im Museum landen… Weiter ging’s dann durch Downtown vorbei an der Cathedrale Marie-Reine-du-Monde, die dem St. Petersdom in Rom nachempfunden ist, zur Altstadt Montreals, dem Vieux-Montreal – Am St. Laurence Strom gelegen, ideal zum Flanieren. Hier befindet sich auch die einzige bedeutende Kirche, die wir auf unserer Rundreise ausgelassen haben, weil für die Basilique Notre-Dame doch tatsächlich Eintrittsgeld verlangt wurde – bei dem üppigen kostenlosen Angebot in Quebec keine wirkliche Option… Stattdessen sind wir durch eine Umweltmesse gelaufen, weil Mari unbedingt Kulis haben wollte. War jetzt nicht so richtig spannend, aber ganz am Ende war dann doch noch was: Kartenspielen in der 5. Dimension (so hieß das). Da hat ein Mensch wirklich die 5. Farbe beim Kartenspielen erfunden. Dass da niemand früher drauf gekommen ist… Was das mit Umwelt zu tun hatte, war uns aber auch nicht so ganz klar.

Musee Des Beaux Arts - Imagine

Musee Des Beaux Arts - Imagine

Biosphere auf Ile Sainte Helene

Biosphere auf Ile Sainte Helene

Tag zwei widmeten wir den beiden Inseln Montreals – Ile Sainte-Helene und Ile Notre-Dame. Zur Ile Sainte-Helene brachte uns die Metro und den Rest erledigten wir wieder zu Fuß (Die beiden Inseln sind durch eine Brücke verbunden). Ile Sainte-Helene ist vor allem bekannt für die Biosphere, eine ziemlich große Metallgerüstkugel, die bei der Expo 1967 als US-amerikanischer Stand diente. Auf Umwegen, an einem überteuerten Freizeitpark vorbei, auf dessen Parkplatz wir uns verirrten, erreichten wir Ile Notre-Dame. Zum einen liegt hier der ehemalige Formel-1 Rundkurs Circuit Gilles Villeneuve, wo bis vor zwei Jahren noch Rennen gefahren wurden. Heute drehen Radfahrer, Skater und Autofahrer ihre Runden – alles öffentlich zugänglich. Im 24h geöffneten Casino war es dann an der Zeit die Urlaubskasse aufzubessern. Da ich Münzen sammle hab ich auch sofort mal den Automaten ausprobiert, der Quarter gegen Scheine ausspuckt, und gleich ein paar neue Münzen gefunden :-) . Nach Kurzem hatten wir dann einen gewinnbringenden, quarterschluckenden einarmigen Banditen gefunden. Ich hab nach einem Dollar Gewinn einen Schlusspunkt gesetzt, und Mari hat sogar eine 2-Dollar Münze, die er auf dem Hinweg gefunden hatte, in 5 Dollar Gewinn ummünzen können – Mit dem letzten übrigen Quarter eine 20:1 Kombination!

Circuit Gilles Villeneuve, Montreals ehemalige F1-Strecke

Circuit Gilles Villeneuve, Montreals ehemalige F1-Strecke

Zurück in Downtown setzten wir den Höhenflug fort – mit der Besteigung des Mont Royal, dem Hügel mitten in Montreal, nach dem die Stadt  benannt ist. Oder der Hügel nach der Stadt!? Jedenfalls ein toller Ausblick von da oben, quasi auf Augenhöhe mit den Hochhäusern Downtowns.

Ausblick vom Mont Royal auf Downtown

Ausblick vom Mont Royal auf Downtown

Tag drei verbrachten wir auf dem Olympiagelände von 1976, das hauptsächlich aus Olympiastadion, Montreal Tower und Biodome besteht. Während das Stadion kaum noch benutzt wird, ist im Biodome eine Art Zoo untergebracht, wo vier Klimazonen simuliert und die dazugehörigen Tiere präsentiert werden: Tropenwald Brasiliens, die Laurentischen Wälder (Die liegen direkt neben Montreal), der St. Laurence Strom und die Arktis. Ein weiterer toller Ausblick bot sich dann vom Montreal Tower.

Olympiastadion und Montreal Tower

Olympiastadion und Montreal Tower

In der Hoffnung ein Feuerwerk für den anstehenden Quebecer Nationalfeiertag zu sehen, bestiegen wir gegen Abend das Oratoire Saint-Joseph, Montreals größte Kirche, die vor allem von innen gigantisch wirkt. Auf den Stufen bei den vier Säulen warteten wir den Sonnenuntergang ab und konnten ganz weit entfernt auch ein paar Feuerwerke sehen.

Oratoire Saint-Joseph

Oratoire Saint-Joseph

Festumzug - Samuel De Champlain

Festumzug - Samuel De Champlain

Den Nationalfeiertag am folgenden Tag feierten die Montrealer mit einem Umzug und anschließendem Festkonzert. Das Besondere am Festumzug sind übergroße Figuren, die berühmte Persönlichkeiten Quebecs und Kanadas darstellen, wie z.B. Samuel De Champlain im Bild, der Quebec City gegründet hat. Auf der ganzen Reise, und besonders an diesem Tag, haben wir die Erfahrung gemacht, dass Quebec eine besondere Stellung in Kanada einnimmt. Aufgrund der kulturellen Unterschiede wollen nicht wenige einen eigenen Staat Quebec haben, und so haben wir z.B. auch von der Separatisten-Partei einen Flyer in die Hand gedrückt bekommen. Der war natürlich auf Französisch, was hier als Sprache ähnlich wie in Frankreich extrem hochgehalten wird. Auch auf dem anschließenden Konzert  traten nur französischsprachige Bands auf. Zwei Referenda zur Unabhängigkeit wurden bereits abgehalten, beide Male pro Kanada, aber sehr knapp. Mir war bewusst, dass es ein französisches und ein englisches Kanada gibt, doch war ich doch recht erstaunt, dass die Unterschiede sich so stark im alltäglichen und politischen Leben äußern.

Festumzug - Quebec's Fahne war überall zu sehen

Festumzug - Quebec's Fahne war überall zu sehen

Montreal hat mir persönlich von den Städten, die wir besucht haben, am besten gefallen. Eine große moderne Stadt mit Flair. Einzig, dass alles französisch ist, wäre gewöhnungsbedürftig für ein Leben hier. Was es zwischen Montreal und Toronto so zu sehen gibt – demnächst hier.

Kanada Teil I (18.-20.6.): Quebec City

06. Juli 2009

Mit der 13-tägigen Rundreise durch den Osten Kanadas, die ich zusammen mit Marius aka Mari unternommen habe, gibt es wieder einiges zu berichten in der Kategorie Urlaub. Die Anreise gestaltete sich zunächst sehr stressig, da ich mit US Airways in Philadelphia auf den Flieger nach Montreal (Verzeiht mir, dass ich in meinen Einträgen alle Accents weglasse…) umsteigen musste und dazu nur 43 Minuten Zeit hatte. Dann hatte der erste Flug natürlich noch 20 Minuten Verspätung. Total abgehetzt kam ich am anderen Terminal an und durfte erleichtert feststellen, dass die zweite Maschine auch ein wenig verspätet war. Nach dem anfänglichen Stress war aber das Schlimmste überwunden. An der Autovermietung traf ich Mari, der sein FSJ in Calgary beendet hatte und nun quasi auf der Heimreise nach Deutschland war. Wir mieteten bei Hertz über den ADAC einen Toyota Yaris. Mit Hertz war ich nicht besonders zufrieden, da sie uns am Schalter noch mal ca.100 Euro zusätzlich zur Vorabüberweisung aufgebrummt haben: für Schadensversicherung am Auto. Hätten wir das nicht bezahlt, hätten wir für alle evtl. Schäden am Auto aufkommen müssen (platter Reifen, Motorschaden,…). Ich weiß nicht, wie es bei anderen Anbietern gewesen wäre, aber ich finde so was ist nicht gerade transparente Preispolitik. Das nächste Mal werde ich auf jeden Fall eine andere Autovermietung ausprobieren.

Rue De Petit Champlain

Rue De Petit Champlain

Nun aber zu den schönen Dingen. Unsere Rundreise begann wie gesagt in Montreal, von wo wir direkt ca. 3 Stunden nach Quebec City fuhren. Quebec City heißt eigentlich nur Quebec, aber da die Provinz, in der Quebec liegt, Quebec heißt, und Quebec auch noch die Hauptstadt von Quebec ist, und daher keiner so genau weiß, was der andere mit Quebec meint, wenn er Quebec sagt, ist der Zusatz ‚City’ im englischsprachigen Raum nützlich. Der Zusatz ‚englischsprachig’, weil die Provinz Quebec zum größten Teil französisch spricht. Und das ist wirklich keine Untertreibung, auf den Straßen hört man fast nur französisch. In den touristischen Gegenden, wo wir uns aufhielten, kamen wir mit englisch aber meist ohne Probleme durch. Meine Französisch-Kenntnisse aus der Schule reichten noch um ab und zu mal ein geschriebenes Sätzchen zu übersetzen, aber reden, na ja… :-) Quebec City ist eine der ältesten Siedlungen Kanadas, gegründet 1608 auf einem Hügel am St. Laurence Strom. 1759 gewannen hier die Briten die Vorherrschaft über die französische Kolonie. Das Stadtbild ist äußerst europäisch. Es gibt eine richtige Altstadt mit kleinen Gässchen, alten Häusern und Kirchen: Zusammen mit der Lage am Fluss und auf dem Hügel ein malerisches Städtchen.

Place Royal

Place Royale

Leider hatten wir anfangs zwei regnerische Tage erwischt, so dass wir nicht die ganze Schönheit erleben konnten, aber wir konnten uns vorstellen, wie schön es wäre, wenn zusätzlich noch die Sonne geschienen hätte! Trotz des schlechten Wetters durchwanderten wir ausgerüstet mit 4-C$-Regenschirmen von Walmart die Altstadt. Von der Gegend um den alten Hafen führen enge Gassen zum Gipfel der Stadt, nicht nur geographisch, sondern auch architektonisch: Das 1893 erbaute Hotel Chateau Frontenac ist das beeindruckendste und bekannteste Gebäude der Stadt. Von dort ging’s unter strömendem Regen weiter zur Zitadelle, die als Verteidigung gegen die USA erbaut wurde (wie so vieles in Kanada), aber aufgrund der Friedlebigkeit der Amerikaner ;-) nie gebraucht wurde. Als wir bei der Assemblee Nationale, dem Parlament Quebecs, ankamen, waren wir schon recht nass, was sich dann in pitschnass vollendete als wir unter starkem Seitenwind zum Auto zurückliefen.

Chateau Frontenac

Chateau Frontenac

Die kurze Überlegung als Abendprogramm ins Kino zu gehen, verflüchtigte sich schnell wieder, nachdem klar wurde, dass man hier wirklich französisch spricht und nicht nur so tut… Nachdem Mari mich dann im Hotel, gestärkt durch den Verzehr zahlreicher proteinhaltiger Brotrollen, beim Rennduell auf dem Standfahrrad des Hotels abgezogen hat, wollte ich aufgrund körperlicher Erschöpfung auch nichts mehr von Abendprogramm wissen :-) .

Blick von der Zitadelle

Blick von der Zitadelle

Wasserfall Montmorency

Wasserfall Montmorency

Am nächsten Tag war es immer noch recht trüb, so dass sich ein erneuter Fototermin mit der Altstadt nicht so richtig gelohnt hätte. Daher besichtigten wir den nahe gelegenen Wasserfall Montmorency, der 30 Meter höher als die Niagarafälle ist! Naja, da wir die Niagara Fälle später auch noch gesehen haben, kann ich guten Gewissens sagen, dass die letzteren trotzdem noch eine Nummer beeindruckender sind ;-) , was die Schönheit Montmorencys nicht schmälern soll. Zu Fuß gings einige Treppen nach oben und von dort konnten wir sogar ganz klein die Altstadt Quebecs sehen.

Blick auf Quebec vom Montmorency Wasserfall

Blick auf Quebec vom Montmorency Wasserfall

Basilika Sainte-Anne-De-Beaupre

Basilika Sainte-Anne-De-Beaupre

Zum Schluss fuhren wir dann noch 30 km nach Norden zur Basilika Sainte-Anne- de-Beaupre, die Anne, der Mutter Marias, gewidmet ist. Bis dahin hatten wir in Quebec City schon drei Kirchen gesehen, und in Montreal ging es später gerade so weiter. Die Sache ist aber, dass diese Kirchen sich vor den meisten Kirchen in Europa keineswegs verstecken brauchen, auch wenn sie vielleicht nicht immer ganz so alt sind wie die europäischen Vergleichsstücke. Das heutige Gebäude von St. Anne wurde z.B. erst 1920 erbaut. Als wir kamen war gerade ein Hochzeitsgottesdienst in Gange, so dass ich dann noch in den Genuss des berühmten Orgel-Hochzeitsliedes kam, dessen Name ich gar nicht kenne (!?). Schon eine tolle Akustik.

Nicht ganz damit mithalten konnte die Soundanlage unseres Yaris, als wir abends auf Kanadas Highways (Tempolimit 100 km/h) entlang des St. Laurent Stroms nach Montreal fuhren.

4th of July – Independence Day

06. Juli 2009

Ich bin nun schon seit fast einer Woche wieder zurück aus Kanada. Doch bevor ich zu den Reiseberichten komme, schnell noch ein Nachtrag, der in einem Jahr USA hier nicht fehlen darf: Independence Day.

Interessanterweise bekommt man in den USA den Freitag frei, wenn der Feiertag auf einen Samstag fällt. Das wär doch mal noch was für Deutschland, damit die X Feiertage auch garantiert sind :-) . Ich bin am Freitag trotzdem ins Lab. Man hätte auf der Straße Fußball spielen können… Gefeiert wurde dann am Samstag. Den Nachmittag verbrachte ich bei der Poolparty von Alex’ und Frederik’s WG: Gemütlich im Pool relaxen, grillen, ein bisschen Bier trinken. Auch die Flagge wurde aufgehängt, nachdem ich danach gefragt hatte.

Showbühne auf dem Centennial Park

Showbühne auf dem Centennial Park

Gegen Abend ging’s dann auf den Centennial Park, wo sich Massen versammelt hatten, um das Feuerwerk anzuschauen. Nachdem eine Rockgruppe für Stimmung gesorgt hatte, startete das Spektakel – und ich war sehr beeindruckt. An Feuerwerkskörpern wurde definitiv nicht gespart! Nicht nur vorne wurde geschossen, auch von den seitlich liegendenen Gebäuden stiegen Raketen in die Höhe. Als man dachte, es sei aus, kam dann noch der Walkürenritt von Wagner mit einem opulenten Finale. Nur die Nationalhymne hat gefehlt. Ansonsten war es wieder einmal ein wahrhaft patriotisches Erlebnis :-) .

Mit der Party-Barke auf Lake Lanier

17. Juni 2009

Die anstehende Reise nach Kanada zusammen mit Marius rückt rasend näher, weswegen ich hier noch kurz ein wenig schreiben werde, um die “Prä-Kanada-Zeit” abzuschließen.

Lake Lanier - Partyboot

Lake Lanier - Partyboot

Erwähnenswert in dieser Woche war die  Bootsfahrt auf Lake Lanier, das wie  auch schon die Reise nach Savannah vom WSF organisiert wurde. Mit etwa 25 Mann und Frau fuhren wir zum ca. 1 Autostunde nördlich gelegenen Stausee. Mit einer Fläche von 150 qkm stellt der See nicht nur ein wichtiges Wasserreservoir für Georgia dar, sondern bietet auch jede Menge Freizeitaktivitäten rund um den Wassersport. Wir mieteten eine ca. 10 m lange Party-Barke mit Sofaecke, Oberdeck und Wasserrutsche, um 4 Stunden gemütlich auf dem See herumzutuckern. Die, die mitgedacht hatten, brachten einige Dosen Bier mit und so verging die Zeit wie im Flug mit Reden, im Liegestuhl Liegen und ab und an ins Wasser Springen/Rutschen. Ich hatte bei strahlendem Sonnenschein schon ein bisschen Angst um meinen schneeweißen Oberkörper, aber es ging dann doch alles gut. Der Sommer ist hier nämlich schon richtig angekommen, d.h. selbst bei Nacht kühlt es hier kaum noch unter 20 Grad ab. Am Donnerstag soll es sogar 36 Grad geben! Doch dem weiche ich aus, da ich dann schon auf dem Weg nach…

…Montreal (Kleiner Aufhänger für den nächsten Eintrag, der nach meiner Rückkehr am 30. Juni folgen wird) sein werde.

Weekends!

08. Juni 2009
Interessanter Baum im Amicalola State Park

Interessanter Baum im Amicalola State Park

Aus meiner Trägheit, kleine Erlebnisberichte zu veröffentlichen, folgt nun eine Zusammenfassung der letzten vier Wochenenden, die ich angesichts des nahen Endes zu allerlei Vergnügung genutzt habe. Beginnen wir vor drei Wochen mit dem Amicalola Falls State Park, einer unter vielen Parks, die vom Staat Georgia unterhalten werden – im Gegensatz zu den Nationalparks, die von den vereinigten Staaten (dem Bund auf gut deutsch) betrieben werden. Die Idee dabei ist, dass Gegenden von schöner Natur oder historischem Hintergrund für Besucher zugänglich gemacht und erhalten werden. In diesem Fall (man beachte das Wortspiel) handelt es sich um einen Wasserfall in den Ausläufern der Appalachen nördlich von Atlanta. Mit dem Auto kann man am Eingang des Parks für 3$ parken, wo vom Visitor Center aus verschieden Wanderwege zur Spitze des Wasserfalls führen. Nach einer knappen Stunde hatten Fiona, die ich bei den Tischtennis Nationals kennengelernt hatte, und ich den nicht allzu schwierigen Aufstieg (man erinnere sich an den Eintrag über die Great Smokey Mountains) geschafft. Den beeindruckendsten Blick hatten wir dann auf dem Abstieg, der mittels Holzstegen direkt am Fuß des Wasserfalls vorbeiführt. Die State Parks sind auf jeden Fall eine schöne Einrichtung für Wochenendtrips, um von dem Großstadt- und Unileben ein wenig Luft zu holen.

Amicalola Falls

Amicalola Falls

East Atlanta Beer Festival (Quelle: http://www.eabfonline.com)

East Atlanta Beer Festival (Quelle: http://www.eabfonline.com)

Das Wochenende darauf war mit dem East Atlanta Beer Festival weniger erholsam. Laut Webseite wurden 170 Biersorten zur Verkostung angeboten, die Madison, Frederik, Fiona und ich, aber leider nicht ganz durchbekommen haben. Recht pünktlich um 13 Uhr waren wir auf dem Gelände in East Village im Südosten Atlantas, als die Schlange schon enorm war. Um die 3000 Besucher, meine ich gehört zu haben, wollten sich die Bierprobe nicht entgehen lassen. Neben den großen Brauereien wie Sam Adams, Yuengling, Sweetwater oder dem gut bekannten Franziskaner, waren überwiegend lokale und kleinere Brauereien vertreten. Ich kann mich kaum noch an Namen erinnern – und das schreibe ich jetzt mal der Vielzahl an Namen zu, nicht was der Leser vermuten könnte – aber es war sehr interessant, die verschiedenen Geschmäcker zu vergleichen. Erinnern kann ich mich noch an ein Bier namens Oberon (weil Frederik und ich beim Anblick des Namens über den Sommernachtstraum von Shakespeare zu philosophieren begannen) und das war auch ganz gut – war aber auch eher gegen Ende… Im Gedächtnis blieb mir auch das Pfirsich-Bier, hier im Peach(Pfirsich)-State Georgia ja quasi ein Muss. Und es schmeckt gar nicht so schlecht wie man denkt! Als die Zelte gegen 18 Uhr abgebaut wurden, waren wir drei Jungs aber doch ganz froh, dass Fiona (unser “designated driver”) gefahren ist, und keiner von uns…

In der Sparte Kino kann ich nur den Film UP aus dem Hause Pixar ans Herz legen – Beeindruckend von den Animationen, und die Story ist auch ganz nett. Ich hab ihn in 3D angeschaut, und denke, muss man nicht unbedingt machen. Die Effekte sind eher dezent gehalten und nach 15 min. hat man sich ziemlich daran gewöhnt, dass es 3D ist. Einige Impressionen waren jedoch mit 3D-Brille ganz hübsch, aber wie gesagt nicht übermäßig spektakulär.

Six Flags White Water (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Six_Flags_White_Water)

Six Flags White Water (Quelle: http://en.wikipedia.org/ wiki/Six_Flags_ White_Water)

Gestern war ich mit Aneece vom Tischtennis und einigen seiner Freunde (und Freunden von denen und…) – Wir waren eine überaus multikulturelle Gruppe (libanesisch, indisch, amerikanisch, jüdisch, holländisch, deutsch) – im Wasserfreizeitpark Six Flags White Water in Marietta nördlich von Atlanta. Zwei der drei ‘Thrill’-Attraktionen erledigten wir gleich am Anfang, bevor die Besuchermassen zu groß wurden: Zum einen den Cliffhanger, eine 90 Feet (30 Meter) hohe gerade Rutsche, die anfangs fast senkrecht nacht unten geht, und zum anderen den Tornado, wo man in einem Luftkissen in eine riesige Röhre hineinbeschleunigt wird, an deren Wänden man dann auf- und abschwingt. Neben mehr als einem Dutzend weiteren Rutschen (die wir gar nicht alle machen konnten an diesem Tag), ist das Wellenbad Atlanta Ocean das Zentrum des Parks. Sehr schön ist auch ein Strudelkanal, der um den kompletten Park herumführt, wo man sich einfach mit dem Strom treiben lassen kann. Als gegen Mittag die Sonne raus kam, wurde der Park leider ziemlich voll, so dass man wie in normalen Freizeitparks recht lange auf Fahrten warten musste. Ist also nicht wirklich mit einem Freibadbesuch zu vergleichen…

High Museum - Skywalk Level

High Museum - Skywalk Level

Den heutigen Tag habe ich für den Besuch des High Museum of Art, des hiesige Kunstmuseums, genutzt, dessen Ruf in der Kunstwelt gar nicht mal so schlecht is. Neben den üblichen Kategorien wie europäische Kunst des 14. bis 19. Jahrhunderts und amerikanischer Kunst, wird auch Wert auf lokale Künstler gelegt. Im obersten Stock, dem Skyway Level, stehen die modernen Stücke. Die momentanen Gastaustellungen sind Monet’s Wasserlilien und Louvre – Masterpieces. Das letztere zeigt Stücke aus dem Louvre und erklärt an ihnen die Bedeutung und Geschichte der Bezeichnung Masterpiece (Meisterstück). Monet’s Austellung, die von der Photographie Serie On the Beach von Richard Misrach begleitet wird, war mit 4 Bildern eher klein. Sehr interessant fand ich die Ausstellung Evolution: Five Decades of Printmaking des afroamerikanischen Künstlers David C. Driskell, der afrikanische Elemente in seine Werke einbaut.

Piedmont Lake im gleichnamigen Park

Piedmont Lake im gleichnamigen Park

Auf dem Rückweg fuhr ich mit dem Fahrrad durch Midtown zum Piedmont Park, damit ich den auch mal gesehen habe. Wenn einen die ganzen Leute um einen herum nicht stören, ist das ein sehr schöner Ort zum Sport treiben, spazierengehen oder lesen. Die Grünflächen sind wirklich riesig – zum Teil würden wirklich drei Fußballfelder nebeneinander passen… Am Piedmont Lake gibt es ein kleines Rondell, wo doch tatsächlich gerade eine Hochzeit stattfand; unter den Augen von vorbeistreunenden Leuten wie mir… Konnte mir das Foto gerade noch verkneifen. Naja, ist wohl Geschmacksache :-) .

Von Dispersionskurven und Phasengeschwindigkeiten…

21. Mai 2009

… handelt der heutige Eintrag. D.h. die weniger physikbegeisterten Leser sollten sich das Bildchen unten anschauen, sich an den geschlungenen Kurven erfreuen und dann zu einem älteren Beitrag wechseln ;-) . Ich werde nun nämlich ein wenig berichten, an was ich bei meiner Thesis denn gerade so arbeite. Ich hoffe mir gelingt eine einigermaßen verständliche Beschreibung, wenn auch stark verkürzt…

Ausgangspunkt ist eine Platte, die theoretisch unendlich gross ist, aber eine bestimmte Dicke hat. Da drin können sich mechanische Lamb Wellen ausbreiten (d.h. Materie stößt andere Materie an, was sich wellenartig fortsetzt), deren Gestalt man mit physikalischen Gesetzen (Newtons Gesetz u.a.) herleiten kann. Die Lamb Wellen sind dispersiv, was bedeutet, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit von der Frequenz der Anregung abhängt. Aus der theoretischen Herleitung bekommt man aber eine Frequenzgleichung, die den Zusammenhang zwischen der Frequenz ω und der Wellenzahl κ (Kehrwert zur Wellenlänge) folgendermaßen herstellt

Dabei ist cL die longitudinale und cT die transversale Wellengeschwindigkeit in einem unendlichen Medium (beide sind Materialeigenschaften und damit konstant), und h die halbe Dicke der Platte . D.h. aus der Gleichung kann man Werte für ω und κ ausrechnen, aus denen man dann die Phasengeschwindigkeit c_ph erhält, wenn man ω durch κ teilt. Theoretisch breitet sich die Welle also mit dieser Geschwindigkeit aus. Wenn man das ganze numerisch ausrechnet und aufmalt, erhält man die Dispersionskurven und das sieht dann so aus.

Dispersionskurven

Dispersionskurven

Die x-Achse ist die Frequenz und die y-Achse die Phasengeschwindigkeit. Jede Linie stellt eine Lamb Mode dar, wobei sich die Moden in ihrer Spannungsverteilung über dem Plattenquerschnitt unterscheiden. Soweit die Grundlagen.

Meine Aufgabe ist es momentan Modenpaare zu finden, so dass die Phasengeschwindigkeit der einen Mode bei Frequenz ω gleich groß ist wie die Phasengeschwindigkeit einer anderen Mode bei Frequenz 2ω, was als ‘phase matching’ bezeichnet wird. Durch Hinschauen habe ich dann auch die Paare gefunden, die im Bildchen mit schwarzen Strichen markiert sind. Letzte Woche und diese Woche bin ich nun dabei die gefunden Paare analytisch, also mit der Frequenzgleichung oben zu untersuchen, bzgl. Verschiebungen an der Oberfläche der Platte, Gruppengeschwindigkeit, und welche Bedingungen da gelten. Diesen Teil habe ich größtenteils abgeschlossen und bin nun auf der Suche nach einer physikalischen Erklärung für die Ergebnisse.

Warum ich das ganze mache, hab ich ja früher schon mal ein bisschen erklärt, aber trotzdem nochmal kurz, um den Zusammenhang darzustellen: Durch ein paar mathematische Tricks kann man die nichtlineare Wellen-Theorie (das oben war alles lineare Elastizität) in die lineare Theorie überführen. Um den Effekt der Nichtlinearitäten sehen zu können, d.h. dass deren Amplitude stark wächst, wird in der Herleitung phase matching gefordert. Anhand der nichtlinearen Welle will man dann wiederum Aussagen über den Zustand des Materials machen, also wie fit das Material noch ist. Der Gedankengang ist also folgender: Wir suchen nach Anregungsfrequenzen, wo phase matching existiert, damit die durch Nichtlinearitäten im Material erzeugte Welle stark wächst und somit gut messbar ist, um dann aus der Messung Aussagen über das Material machen zu können.

Gut, der nächste Eintrag wird wieder über Freizeit sein, versprochen… :-)

New Orleans – The Big Easy

09. Mai 2009

Wie versprochen folgt der ausstehende Bericht über die Reise nach New Orleans im Staate Louisiana. Nachdem Alex am Freitag morgen seine Prüfung hinter sich gebracht hatte, brachen Alex, Frederik, Magnus (Uni Karlsruhe) und ich zur etwa 7-stündigen Fahrt in den tiefen Süden auf. Wir durchquerten Alabama’s Hauptstadt Montgomery, steuerten stark südlich und erreichten nach der Durchquerung des  Staats Mississippi nahe der Golf Küste schließlich am fortgeschrittenen Abend unser Ziel. Die Hauptattraktion New Orleans’ ist das historische Viertel French Quarter .  Bevor New Orleans 1803 mit dem Louisiana Purchase an die USA ging, hatte die Stadt eine abwechslungreiche Kolonialgeschichte zwischen Spanien und Frankreich, aus dessen Zeit die Architektur des French Quarters stammt. Die touristische Beliebtheit des Viertels vernahmen wir auch gleich, als wir versuchten, unser Hotel mit dem Auto anzusteuern: Um die Bourbon Street, das touristische Herz des French Quarters zu überqueren (wohlgemerkt Freitag abends), brauchte es angesichts der Menschenmassen schon einiges an Zeit.

French Quarter - ganz typisch

French Quarter - ganz typisch

Kurz danach befanden wir selbst uns darunter und waren erst einmal verblüfft von dem ganzen Rummel. Leute tranken auf der Straße Bier (ungewöhnlich für USA), mehr oder weniger abwechselnd luden Musik-Bars, Strip-Clubs und Vodoo-Shops zum Einkehren ein, Leute warfen ‘Beads’ (Perlenketten) von den Balkonen, die man normalerweise einer Frau umhängt, wenn sie einen dafür ‘flasht’ (wer nicht weiß, was das ist, kann sich vielleicht denken, was es ist…) – Ganz anders als ich mir New Orleans vorgestellt habe, nämlich gemütliche Kneipen mit Jazz-Musik. Aber wir haben uns mit den Gegebenheiten ganz gut arrangiert und unseren Spaß gehabt… Von dem eben Beschriebenen kommt übrigens der Spitzname ‘Big Easy’, als sich New Orleans Anfang des 20. Jahrhunderts zum zügellosen Vergnügungsort entwickelte.

French Quarter von Algier aus

French Quarter von Algier aus

Louis Armstrong - Der Vater des Jazz

Louis Armstrong - Der Vater des Jazz

Am Samstag gingen Alex und Magnus zum Jazz Festival, das an diesem Wochenende stattfand. Prinzipiell fand ich das auch eine gute Sache (Jazz Festival in der Stadt des Jazz), doch stieß mir persönlich auf, dass der Preis für eine Karte 50$ pro Tag betrug und das auch nur weil Leute wie Jon Bon Jovi u.ä. auftraten, die mal gar nichts mit Jazz zu tun haben. Frederik und ich schauten uns daher die etwas entlegeneren Punkte der Stadt an. Wir fuhren mit der St.  Charles Streetcar, einem altertümlichen, einwägigen Straßenbähnchen durch die Viertel Uptown und Garden District, wo man direkt Lust bekommt, in einer der luxuriösen Villen zu leben und die Füße auf der Veranda mit Schaukelstuhl baumeln zu lassen. Wieder zurück am touristischen French Quarter, nahmen wir die kostenlose Fähre nach Algier über den Mississippi für einen schönen Blick auf die Stadt von der anderen Uferseite. Am Nachmittag hatten wir uns auch das Louisiana State Museum angeschaut, für gerade mal 5$ jede Menge Geschichte, von den Ureinwohnern bis zum Bürgerkrieg, u.a. auch der Raum, in dem der Louisiana Purchase unterzeichnet wurde, der die Westausbreitung der USA stark voranbrachte.

Der Mississippi-Dampfer 'Natchez'

Der Mississippi-Dampfer 'Natchez'

Kathedrale und Jackson Square

Kathedrale und Jackson Square

Am Sonntag streiften wir dann zu viert ausführlichst durch das French Quarter, um die alten Häuser, Kirchen, Regierungsgebäude, usw. anzuschauen. Zum Fotografieren gab’s da mehr als genug. Die ursprünglichen Pläne, einmal mit dem Schaufelraddampfer Natchez zu fahren, oder die “Katrina”-Tour zu machen, ließen wir dann aus Ermüdung und Kostengründen doch sein. Eine Tour durch die verwüsteten Gegenden hätte 35$ oder mehr gekostet, ziemlich viel für etwas, wofür keiner etwas geleistet hat. A propos Katrina, in den Touri-Zonen kriegt man nichts mehr davon mit, dass da mal (2005)  etwas war – außer in Shops, wo man Bücher über Katrina kaufen kann-, wobei dieses Gegenden damals auch nicht so sehr betroffen waren wie die Regionen im Osten zum Golf hin.

USS Alabama in Mobile

USS Alabama in Mobile

Früh morgens am Montag (wir hatten ja eine Stunde Zeitverschiebung aufzuholen), ging’s dann zurück nach Atlanta, wobei wir noch einen Zwischenstopp in Mobile, Alabama, einlegten, wo das ausgemusterte Kriegsschiff USS Alabama und ein U-Boot, beide aus dem 2.Weltkrieg, vor Anker liegen. Bis wir die ganzen Räume Unterdeck und im Kontrollturm (oder wie das heißt) abgelaufen hatten, vergingen doch 1-2 Stunden, aber die Größe, Komplexität und Organisation einer solchen Konstruktion boten genug Anlass zum Staunen. Im U-Boot konnte man sogar durch das Periskop die Alabama beobachten, sehr cool. Leider war das Periskop fixiert, so dass nicht ganz das Gefühl aufkam, Kapitän eines U-Boots zu sein,  aber beinahe :-) . Kurz vor der Abfahrt aus Mobile starteten eine Horde ekelerregend aussehender Insekten regelrechte Massenangriffe auf unsere Reisegruppe, vor der wir uns gerade noch ins Auto retten konnten, wo wir die letzten 5 Stunden verbrachten, bevor in Atlanta die Unbekümmertheit von ‘The Big Easy’ wieder abgelegt werden musste.

Vorlesungsfrei…

06. Mai 2009
Campusbild: Buzz, unser Maskottchen, beim 'Earth Day' für ökologisches Denken

Campusbild: Buzz, unser Maskottchen, beim 'Earth Day' für ökologisches Denken

… und das nicht nur heute, sondern auch morgen, und übermorgen, und den Tag danach, und… Ja! – Ich bin fertig mit Vorlesungen für den Rest dieses Studiums. Und ja, dieser Eintrag ist tatsächlich mal wieder der Uni und nicht einer Reise gewidmet… :-) Letzte Woche war Finals Week, in der theoretisch Klausuren angestanden hätten. Der Grund, dass ich keine hatte und damit eine recht angenehme Finals Woche hatte (Im Vergleich zum Fall Term), ist der, dass ich in meinen beiden Vorlesungen Final Projects hatte, d.h. eine Projektarbeit, umfassender als übliche Hausaufgaben. Für Wave Propagation konnte ich dafür einfach Material aus meiner Forschung nehmen, so dass dieses Thema sehr schnell abgehakt war und für Adaptive Control tobten Frederik und ich uns an einer Abstandsregelung für zwei Autos aus, doch dazu später mehr. Erst noch ein letzter, zäh zu lesender Vorlesungsrückblick für die zweite Hälfte des Spring Terms.

Ich muss sagen, in Wave Propagation ist die zweite Hälfte ziemlich an mir vorbeigegangen, da der Druck von Klausuren und Hausaufgaben sehr gering war, seitdem Larry die Vorlesung von Dr. Qu übernommen hatte. Ich hab mir die Sachen angehört und gedacht, “ganz nett! Wenn ich’s mal brauch, weiß ich ja, wo ich nachschauen muss.” Und so war die Vorlesung von Larry wohl auch gedacht, da er doch meist sehr schnell und flapsig über die Herleitungen hinweggegangen ist. Im Großen und Ganzen betrachteten wir verschiedene Problemstellungen und deren Lösungen, also z.B. Wellen in einer unendlichen Platte (mein Forschungsthema), in einer zylinderförmigen Platte,  in anisotropen Materialien, oder auch wenn man einen Halbraum an der Oberfläche mit einem Punktimpuls (Dirac)  anstößt. Auch Transformations-Methoden wie Laplace oder Fourier zur Lösung der Gleichungen wiederholte Larry – neben “Eigenwertrechnung” und “Boolscher Algebra” das wohl am öftesten eingeführte Thema meines Studiums… :-)

Campusbild: Tech Trolleys zur kostenlosen studentischen Fortbewegung auf dem Campus

Campusbild: Tech Trolleys zur kostenlosen studentischen Fortbewegung auf dem Campus

Der zweite Teil von Adaptive Control verlief leider etwas träger als der erste, was hauptsächlich daran lag, dass man immer wieder fast das Gleiche gemacht hat und das bisschen Unterschied dann auch immer noch in Matlab simulieren musste. Nach der zweiten Hälfte kann ich auch in einem Satz zusammenfassen, was adaptive Regelung ist; nämlich inverse Lyapunov Analysis. D.h. man schreibt den üblichen Zustandsregler hin, nimmt an, dass die Verstärkung von der Zeit abhängt, und wählt dann die Ableitung der Verstärkung so, dass die ungewünschten Terme in der Lyapunov-Ableitung wegfallen  (Ich hoffe, das versteht jemand… zumindest wer Regelungstechnik II gehört hat, sollte wissen, was ich meine… :-) ). Das Schöne ist, dass man so garantieren kann, dass der Regelkreis stabil ist, auch wenn Systemgrößen von vornherein falsch geschätzt wurden. D.h. der Regler passt sich an das System an (adaptiert). Im Final Project wendeten wir das auf folgendes System an: Auto B fährt hinter Auto A und soll einen bestimmten Abstand zu Auto A einhalten. Die Beschleunigung von Auto A ist dabei eine unbekannte Störgröße, die Beschleunigung von Auto B die Eingangsgröße. Das System ist nicht übermäßig kompliziert (Im Prinzip nur ein Doppelintegrator von Beschleunigung zu Strecke), doch haben wir alle möglichen und abstrusen adaptiven Erweiterungen eingebaut (Disturbance Rejection, Input Constraint Adaptation, Composite Adaptation), so dass die Arbeit zu einer guten Note gereicht hat. Vielleicht hat den Professor aber auch unser Schlusszitat überzeugt, das ‘treffend’ beschreibt, was Adaption ist:

When the lights first go out, I can’t see;
Maybe waiting a while is the key:
After dark adaptation—
Acclimatization—
I’ll be able to aim when I pee.
Quelle: www.oedilf.com
Dass die Finals Woche dann doch nicht allzu locker war, liegt weiterhin daran, dass nun die Thesis wieder im Rampenlicht steht. Wie’s da aussieht, werde ich aber später erzählen. Die nächsten Tage will ich erst noch vom Wochenendausflug nach New Orleans erzählen, den wir zu viert von Freitag bis Montag durchgezogen haben. Man darf gespannt sein ;-) . Bis dahin, viele Grüße aus Georgia!

Meine Familie zu Gast in Atlanta

26. April 2009

Nach mehr als 8 Monaten haben wir uns wieder gesehen. Meine Eltern (Ingrid und Eberhard), meine Schwester Simone und ihr Freund Sebastian landeten am Montag 13.4. in Hartsfield Airport, um eine Woche in und um Alanta zu verbringen. Die Hürden der Einreise scheinen sie ohne Probleme gemeistert zu haben und nachdem wir uns den Mietwagen geholt haben (ein Toyota SUV), ging’s auch schon los ins Zentrum von Atlanta. Die Hotels hatte ich von hier aus gebucht, so dass wir nur noch einchecken mussten. Am ersten Abend (In Deutschland war es ja schon spät) hatten wir uns nicht so viel vorgenommen, nur noch amerikanisch Burger-Essen im Vortex. Mit dem nächsten Tag begann dann aber die – wie ich bis jetzt vernommen habe – anstrengende Erkundungsreise durch Amerika. Morgens Campus-Tour, wobei auch ich den Campus nochmal neu entdecken konnte, da man sonst ja immer mit einem Ziel herumläuft. Ins Aquarium und zum Rundblick aufs Westin Hotel habe ich sie dann aber alleine geschickt, da ich mittags Vorlesungen hatte. Am Abend erfüllte sich für Sebastian und Simone, beide aktive Baseball bzw. Softball-Spieler, ein Traum. Wir fuhren zum Turner Field, wo die Braves leider etwas kläglich gegen die Florida Marlins verloren. Aber für den Kenner muss so ein Spiel doch sehr spannend sein. Ob Eberhard im Hintergrund des Bildes seine Augen noch offen hat, müsst ihr ihn selbst fragen :-) .

Versammelte Mannschaft beim Baseball

Versammelte Mannschaft beim Baseball

Und am nächsten Tag waren meine Gäste auch schon wieder weg. Da für mich auch in dieser Woche einiges zu tun war und 7 Tage Atlanta etwas zu lang sind als Touri, fuhren sie bis Freitag nach Savannah und Charleston, um auch ein bisschen das typische Südstaatenflair zu erleben, das man in Atlanta kaum spürt. Wie ich gehört habe, war das Hotel in Charleston auch ganz annehmbar. Aus Raummangel bekamen sie die Präsidenten-Suite, wo schon Reagan, Bush Sr. und Prinz Charles genächtigt haben – Deutsche Touris in hohen Gefilden :-) .

Eberhard und Ingrid im Botanischen Garten

Eberhard und Ingrid im Botanischen Garten

Den Samstag und Sonntag nutzen wir dann gemeinsam in Atlanta. Um es einmal zugespitzt zu formulieren, hatten sich im Laufe der Zeit zwei Lager gebildet: Meine Eltern – Sightseeing, früh aufstehen, was vom Land sehen, carpe diem, vs. Simone und Sebastian – Shoppen gehen, ausschlafen, Raucherpause, wenig laufen. So mussten wir am Samstag Kompromisse finden, was dann auch geht, wenn man nur früh genug aufsteht… Morgens zum zweistündigen Powershopping zur Outlet-Mall, eine Stunde nördlich von Atlanta. Die Aussage Ingrid’s “I brauch nix”, stellte sich gegen Ende der zwei Stunden dann doch als falsch heraus, als die Versuchung des Reebok-Stores und eines Schuhladens dann doch zu groß wurde, sich mit neuen Sportklamotten auszustatten. Im anschliessenden Atlanta History Center, das ich selbst noch nicht gesehen habe, erkundeten wir die Geschichte Atlantas, die hauptsächlich aus Bürgerkrieg (1860er) und den olympischen Spielen ‘96 besteht. Zudem gibt es eine nachgebaute Farm und das Swan-House, ein opulentes Herrenhaus von 1928. Nachdem Simone und Sebastian dies überstanden hatten (und es dann doch ganz gut fanden), erwartete sie die nächste Herausforderung: Die Besteigung von Stone Mountain (über den ich ja schon Anfang des Jahres berichtet habe) und die anschließende Lasershow. An diesem Tag konfrontierte ich meine Eltern auch zum ersten Mal mit Fast-Food (Arby’s), doch Eberhard war positiv überrascht – “I wusst gar net, dass Fast Food so gut schmeckt.” Aber auf Dauer wolle er es auch nicht essen.

Martin Luther King's Grab

Martin Luther King's Grab

Der letzte Tag unserer gemeinsamen Zeit (Sonntag) stand zunächst im Zeichen von Martin Luther King, der in Atlanta aufgewachsen und auch tätig gewesen ist. Wir besuchten den Gottesdienst der Ebenezer Baptist Church, ein sehr interessantes Erlebnis. Fetzige Gospelmusik vom Männerchor, unglaublich herzliche und freundliche Leute, und ein Prediger, der bei der Predigt fast explodiert (und Eberhard ist doch so empfindlich gegen Schreien :-) ). Im Anschluss sahen wir das Visitor Center, in dem sich ein kleines Museum zur Bürgerrechtsbewegung befindet, die Historic Ebenezer Baptist Church und das Grab von Martin Luther King. Am Mittag teilten sich die zwei Lager dann doch noch auf: Simone und Sebastian begaben sich auf die Suche nach Baseball-Equipment, während meine Eltern und ich uns den Botanischen Garten anschauten. Ich habe schon befürchtet, dass Ingrid ihre ganzen Filme verknipsen würde, aber sie hat sich dann doch erstaunlich gut zurückgehalten. Nach der ganzen Geschichtskunde war das Betrachten von Blumen ohne Schilderlesen o.ä. auch für mich sehr erholsam.

Best of Botanical Garden

Best of Botanical Garden

Und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Nach wenigen, aber intensiven Tagen gemeinsam in Atlanta befindet sich die Reisegruppe inzwischen in Philadelphia am Ende einer Rundreise im Nordosten der USA. Ich hatte am Anfang ja schon ein paar Bedenken, wie das für meine Eltern mit dem Englisch reden wird, aber es ging alles ohne Probleme – Papa frei drauf los redend, auch wenn er die Antwort nicht immer auf Anhieb verstand ;-) , und auch Mama hat mich positiv überrascht, als sie bei der Führung im History Museum einiges verstanden hat. Und zur Not waren ja auch noch die Englisch-Experten Simone und Sebastian da :-) .

Zu guter Letzt: Vielen, vielen Dank für den Besuch!! Und es ist ja nicht mehr allzu lange, bis der Titel des Blogs geändert werden muss…