Election Day

Nun ist es also wahr. Obama hat es geschafft! Wir dürfen gespannt sein, was sich tatsächlich „wandelt“ in den kommenden Jahren.

Der Wahltag verlief für mich eher unspektakulär. Hätte ich nicht gewusst, dass Wahltag ist, hätte ich es vermutlich gar nicht gemerkt. Ein recht normaler Tag eben. Am Abend wurde es dann aber doch interessant, als ich zusammen mit John aus meiner WG die Berichterstattung im Fernsehen verfolgt habe. John hatte „Election-Cookies“ gebacken und war den ganzen Tag im Amerika-T-Shirt herumgelaufen, um den Wahltag zu feiern, womit er aber doch eher eine Ausnahme darstellte, was die offene Begeisterung für den Wahltag anging, zumindest was ich hier auf dem Campus mitbekommen habe.

Staat um Staat wurde in den Nachrichten als blau oder rot ausgerufen und pünktlich um 23 Uhr, als die Wahllokale im Westen schlossen, wurde der Countdown für den neuen Präsidenten Obama gezählt, nachdem die Umfragen eindeutig waren. Die anschließende Rede von McCain fand ich beeindruckend, ein sehr fairer Verlierer! Überhaupt hat McCain in meinen Augen in letzter Zeit viel Sympathie gewonnen, wie er sich als Mensch gibt, auch wenn seine sachlichen Standpunkte nicht immer mit meinen übereinstimmten. Obamas Rede in Chicago vor einer riesigen Menschenmasse war der Abschluss des Wahlabends. Alle Journalisten betonten die historische Bedeutung eines afro-amerikanischen Präsidenten und die Worte schienen nur um diesen Aspekt zu kreisen, was meiner Meinung nach ein deutliches Zeichen ist, dass Rassismus in den USA immer noch ein ernstes Thema ist.

Obama vermittelt Hoffnung und Begeisterung für die alten amerikanischen Ideale, niemals aufzugeben, an die Demokratie zu glauben, seines Glückes Schmied zu sein – für das, was Amerika früher zu einem Symbol der Freiheit gemacht hatte, sich jedoch in den letzten 8 Jahren unter Bush zum Gegenteil verkehrte. Ich hoffe, dass unter seiner Präsidentschaft in Deutschland und in der Welt wieder das gerechtfertigte Bild vom guten Amerika entsteht, das meinem Eindruck nach viele zu Hause nicht mehr vertreten konnten.

17 Antworten zu “Election Day”

  1. grinsekatze Sagt:

    Ich fand es merkwürdig, dass die meisten am Wahltag arbeiten mussten. Weißt du etwas darüber, ob die Wahlbeteiligung oftmals so gering ist, weil die Menschen einfach keine Zeit habe, wählen zu gehen? In einem TV-Bericht standen Leute schon früh um 5 an, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen.

    Und hast du schon was erlebt in Sachen Rassismus? Ich wundere mich nämlich immer wieder, wenn es auch heute noch in amerikanischen Filmen um nichts anderes geht. Mich nervts langsam, aber ich weiß ja nicht, wie es wirklich vor Ort ist. Mich nervt es vor allem, dass Hellhäutige ständig Angst haben, was Falsches zu sagen und schon gar nicht wissen, wie sie Dunkelhäutige nun eigentlich nennen dürfen.
    Ich nenne Negerküsse immer noch so und eine Verwandte benutzt auch das wort „Neger“, aber natürlich keineswegs abwertend, sondern so wie „Blondine“, „Brünette“ oder „Rothaariger“.

  2. grinsekatze Sagt:

    War nicht am Anfang eigentlich das Problem, dass Obama den Weißen zu schwarz war und den Schwarzen zu weiß?
    Aber die Amerikaner sind ja schon vorbereitet dank zahlloser Katastrophenfilme mit Morgan Freeman als demokratischer, friedliebender Präsident. Wollen wir hoffen, dass sich wirklich einiges positiv wandelt und nicht schon wieder nur die Hautfarbe wichtig ist…

  3. fimbultyr Sagt:

    Ich habe sowohl schwarze wie weiße sagen hören, dass es, weil er schwarz ist, ein historischer Moment ist, aber sie ihn alle gewählt haben, weil er der besser Mann (ja, Mann, nicht Mensch oder Kandidat) ist. Das klingt für mich gar nicht so nach Rasissmus, sondern nach Sexismus, aber das ist schwierig zu beurteilen. Vor allem aus dieser Entfernung.

    Ich würde das hier übrigens ähnlich sehen. Oder kann sich jemand einen Türkischstämmigen Bundeskanzler oder eine Türkischstämmige Bundeskanzlerin vorstellen? Bei Merkel hatte ich eher den Eindruck, dass sie gewählt wurde, weil sie eine Frau, nicht weil sie die bessere Kandidatin war. Das ist dann auch Sexismus.

  4. scytale Sagt:

    @Merkel: dito.

  5. grinsekatze Sagt:

    Ich glaube, Merkel wurde gewählt, weil die SPD vorher nicht die Welt gerettet hat. Und bei der nächsten Wahl wird die CDU wieder sehr viel weniger Stimmen haben, weil die es auch nicht besser gemacht haben. So ist es ja oft hin und her gesprungen.

  6. martin Sagt:

    @grinsekatze: Das hat mich auch gewundert, dass Wahltag ein normaler Arbeitstag ist. Aber so wie ich mitbekommen habe, war die Wahlbeteiligung diesmal ja recht hoch, wonach man schlecht argumentieren kann, dass die Arbeit Leute vom Wählen abhält. Schließlich kann man auch Briefwahl o.ä. machen. Die Begeisterung für die Wahlen war aber deutlich zu spüren, so dass ich denke, dass auch die meisten Arbeitsgeber rücksichtsvoll sind, zumindest wenn sie sich der Demokratie verpflichtet fühlen.
    Bzgl. Rassismus ist es schwierig zu sagen, weil es kaum jemand offen herumerzählen würde, dass er Schwarze nicht mag. Der Umgang hier ist sehr oberflächlich und freundlich, so dass sich Schwarze wie Weiße mit dem fröhlich lächelnden „How are you doing“ begrüßen. Wie es unter diesen oberflächlichen Gesten aussieht ist sehr sehr schwer zu sagen, wahrscheinlich sogar für Experten.
    Ne, den Schwarzen war Obama definitiv nicht zu weiß, nach meinem Wissen hat Obama 95% der schwarzen Wählerstimmen bekommen 😉

  7. benjamin Sagt:

    Bezüglich Wahltag an Arbeitstag. Ich hab in nem Forum gelesen, dass es durchaus Regelungen zum Wählen gibt, allerdings unterscheidet sich das Ganze wohl von Staat zu Staat.Da ich aber zu faul bin zu übersetzen (und hier ja zumindest einer gerade in USA lebt), zitiere ich einfach mal nur 🙂

    „It differs by state but where I live, your boss is required to give you 3 consecutive hours off to vote IF your shift starts less than 3 hours after polls open or ends less than 3 hours before polls close. For example, polls are open from 6 AM to 7 PM so if you don’t have to be at work until 4:00 PM then you get no time off. However, if you have to be at work before 9 AM, they have to give you until 9 AM to get to work so you would have from 6 AM- 9 AM to vote. It’s kinda confusing but basically, your employer can’t keep you from the polls. It’s illegal.
    Although, I’d be willing to bet there’s a lot of employers (ie restaurants) that don’t give a fuck. „

  8. martin Sagt:

    Das macht durchaus Sinn… Sollten wir in D auch einführen, 3 Stunden mehr Urlaub wär doch was. 🙂

  9. benjamin Sagt:

    Find ich auch. Man kann ja hier in Deutschland auch nicht gerade von hohen Wahlbeteiligungen sprechen. Da würden viel mehr Leute wählen gehen. Arbeiten oder Wählen? Da fällt die Entscheidung leichter wie sonntags zwischen Wählen und Couch/Freizeit. 🙂

  10. scytale Sagt:

    Sind Wahlen nicht gerade deswegen in Deutschland Sonntags? Wo willst du da noch Urlaub herzaubern?

  11. martin Sagt:

    Weiß nicht, ob wir vom selben reden, aber es ging darum, dass man in den USA wohl 3 Stunden frei bekommt zum Wählen, die du dann natülich nicht arbeiten musst 😉 .

  12. scytale Sagt:

    Ja, dessen bin ich mir schon bewusst gewesen. Aber große Teile der Wahlen waren in den USA ja nun an einem Werktag. Somit mussten die Leute arbeiten und konnten dadurch auch überhaupt frei bekommen – oder halt auch nicht. In Deutschland arbeiten am Sonntag ja nur sehr wenige Menschen, so dass da quasi niemand frei bekommen muss!

  13. martin Sagt:

    Ich sage nicht, dass es von einem ökonomischen Standpunkt sinnvoll ist!! Das „macht Sinn“ bezog sich darauf, dass es eine Regelung gibt, dass alle Leute wählen gehen dürfen können, obwohl es ein Werktag ist. Und weil es arbeitnehmerfreundlich ist 😉 . Bei dir hört sich das „frei bekommen muss“ so widerwillig an !? 😀

  14. walde Sagt:

    ich wahr schon seit jahren nicht mehr bei der wahl

    eben wegen sonntag
    ich bin ja in stuttgart gemeldet, also muss ich ja hier wählen gehen

    naja und sonntags ist halt schlecht – da bin ich ja nie da –
    ich komm ja immer erst am montag

    aber ich unterstütze ja die demokratie
    deshalb nutze ich die briefwahl – ist ne klasse sache

    hey martin wie du das alles im letzten Absatz schilderst, könnte man meinen, dass du ein echter Amerikaner geworden bist

  15. martin Sagt:

    Hehe 🙂 , das nicht unbedingt, aber ich finde die beschriebene Einstellung sehr gut und da darf man sich in Deutschland ruhig ein Scheibchen abschneiden.

  16. walde Sagt:

    mit obama wird das alte amerika wieder cooler

  17. grinsekatze Sagt:

    Ich kenne einige, die Briefwahl machen, obwohl sie an dem entsprechenden Sonntag eigentlich Zeit hätten und nicht weit weg vom Wahllokal sind. Und das nur, weil sie zu faul sind hinzulaufen 🙂 Aber egal, Hauptsache, man wählt fleißig mit.