Archiv für Januar 2009

Chinese New Year, Pamela Anderson und NHL

Freitag, 30. Januar 2009

Über die Kreativität des Titels darf gestritten werden, doch mir ist partout kein anderer  eingefallen, der diese drei zusammenhangslosen Begriffe verbindet. Konstruktive Vorschläge nehme ich gerne entgegen 🙂 .

Beim Dumplings Essen

Beim Dumplings Essen

Selbstgemachte Dumplings

Selbstgemachte Dumplings

Am Montag war das chinesische neue Jahr, das man auch als Frühlingsfest (Spring Festival) kennt. Nicht dass das hier in den USA übermäßig gefeiert würde, aber da ich mich in den letzten Wochen mit einigen chinesischen Studenten angefreundet hatte, war ich bei einigen Feiern dabei. In China wird nämlich nicht nur am Abend vorher („Silvester“) gefeiert, sondern die Feiern können unter Umständen bis zu einem Monat vorher beginnen, wie mir Jintang, mein chinesischer Mitbewohner, sagte. Und Feiern besteht in der chinesischen Tradition wohl hauptsächlich aus Essen, u.a. Dumplings (siehe Bild), kleine, mit Fleisch gefüllte  Teigtaschen, im Prinzip ähnlich wie Maultaschen. Einige durfte ich sogar selbst zubereiten, was gar nicht mal so schwierig ist.  Wer bei Betrachtung des anderen Bilds denkt, ich hätte gelernt mit Stäbchen zu essen, der wurde getäuscht. Ich halte die Stäbchen da nur fix wie eine Schaufel ohne sie relativ zueinander zu bewegen 😉 . Aber ich trainiere hart, es zu lernen. Wir haben nun übrigens das Jahr des Ochsen, gourmet-technisch ein Fortschritt zum letzten Jahr, dem Jahr der Ratte…

Am Samstag habe ich tatsächlich Baywatch Girl Pamela Anderson gesehen. Sie war „zufällig“ im gleichen Atlantaer Club wie wir, allerdings etwas vom normalen Volk abgeschirmt. Der Club an sich war extrem schlecht (Ich erwähn den Namen gar nicht erst, da ich ihn schon wieder vergessen habe), aber immerhin konnte man(n) Pamelas wallendes blondes Haare aus der Ferne bestaunen. Gegen Ende ist sie aber doch noch an uns vorbei gelaufen, so dass an ihrer Identität kaum ein Zweifel besteht. Ich habe leider kein Bild von Pamela Anderson gemacht, aber wer eins sehen will, findet auf google.com unter gleichnamigem Suchbegriff so einige 🙂 .

NHL - ATL Thrashers vs. NY Islanders

NHL - ATL Thrashers vs. NY Islanders

Spielstand nach 14 Minuten

Spielstand nach 14 Minuten

Und gestern Abend hatte ich dann auch Nummer 3 der amerikanischen Profisport-Ligen gesehen. Beim Invers-Tabellenspitzenspiel der NHL (Eishockey-Liga) trafen die Atlanta Thrashers (vorletzter) auf die Islanders aus New York (letzter). Nach 14 Minuten stand es auch schon 4:0 für die Islanders, so dass wieder mal die amerikanische Unterhaltungskunst bei Sportveranstaltungen zum Höhepunkt avancierte. Besonders herauszuheben dabei die tolle Eishockey-Orgelmusik, die einen mit nahezu jedem bekannten Ohrwurm zum Mitklatschen animierte, und die leicht bekleideten Eisläuferinnen, die sich in den kleinen Pausen mit Wischern und Schaufeln um das Wohl des Eises bemühten. Im 2. Drittel nahm die Schlummerstimmung ihre Fortsetzung, weil einfach nichts passiert ist, bis sich schließlich zwei Spieler ein Herz fassten und eine einminütige Rauferei begannen. Das Stadion stand Kopf… Im letzten Drittel drehten die Thrashers auf und kamen auf 3:4 heran, doch dann der Todesstoß, das 3:5. Am Ende lautete es 4:5 für den Tabellenletzten. Naja, Eishockey scheint in Atlanta nicht die Nummer 1 zu sein, aber das kann man im Süden der USA ja auch nicht erwarten, wo einige Menschen in ihrem Leben noch nicht einmal selbst Schnee gesehen haben 😉 .

Neues Jahr, neues Semester

Mittwoch, 21. Januar 2009

Nun hat es doch etwas länger gedauert, bis sich meine Schreiblust nach dem Blog-Feuerwerk über die Ostküste wieder aufgeladen hat. Aber ihr habt nicht viel verpasst! Außer vielleicht die kälteste Nacht in Atlanta in diesem Winter (-11°C) am letzten Freitag. Ungewohnte Verhältnisse für hier…

Ich bin nun auch schon wieder voll drin im neuen Semester, dem Spring (Frühling) Semester, der dann hoffentlich auch bald kommt. Da ich nun ein Thema für meine Thesis (Diplomarbeit) bekommen habe, höre ich zur Zeit nur zwei Vorlesungen. Zum einen „Wave Propagation in Elastic Solids“ (Wellenausbreitung in elastischen Feststoffen), dessen zweiter Teil von Larry selbst gelesen wird, und zum andern „Adaptive Control“ (Adaptive Regelung). Um das Midterm herum werde ich dann wieder berichten, was man da so alles lernt. Mein Stundenplan ist wieder preiswürdig (Di, Do jeweils 12:05 – 1:25 und 3:05 – 4:25), so dass langen Wochenendtrips nach Memphis, New Orleans oder Charlotte nichts im Weg stehen sollte.

Das Thema meiner Thesis ist eng mit der Vorlesung über Wellenausbreitung verknüpft. Ich versuche analytisch einige Dinge über die nichtlineare Wellenausbreitung in Platten, die für die zerstörungsfreie Materialprüfung wichtig sind und über die am Institut noch einigermaßen Unklarheit herrscht, herauszufinden. D.h. es handelt sich um ein rein theoretisches Thema ohne Experimente und ein wenig Programmieren für analytische Rechnungen. Dazu habe ich in den letzten zwei Wochen eine frühere Doktorarbeit durchgearbeitet und versuche nun einige Messergebnisse früherer Tage durch meine Rechnungen zu bestätigen, um einen sicheren Einstieg in das Thema zu haben.

Vom verlängerten Wochenende (Am Montag war M.L. King Day) gibt es folgendes zu berichten: Gehe niemals ins Varsity! In meinem Reiseführer wurde dieses Fast Food Restaurant als größtes Drive-In-Restaurant der Welt angekündigt, was durchaus sein kann, aber das Essen war dermaßen schlecht (ja, man kann bei Fast Food noch zwischen gut und schlecht unterscheiden) und verhältnismäßig teuer, dass ich allenfalls empfehlen kann, durch den Drive-In zu fahren, um eine Cola ohne Eis (an dem sparen sie nämlich auch nicht) zu bestellen, rein für den touristischen Effekt („Ich war da“).

Links: Eingang zum Ferst Center

Links: Eingang zum Ferst Center

Das Konzert des Dublin Philharmonic Orchestra im campuseigenen Ferst Center for the Arts (Veranstaltungssaal für die Künste) bereitete da schon mehr Freude. „The Irish Spectacular“, so der Titel, bot alles, was man mit irischer Musik verbinden kann. Neben dem Orchester spielten Solisten wie Geigen, Sängerinnen, eine Fidel, ein dudelsackähnliches Instrument, usw. Die Stücke waren meist am breiten Geschmack orientiert (z.B. einige Liebes- und Volkslieder), so dass  es mich jetzt nicht vom Hocker gerissen hat, aber durch die Vielfalt war doch für jeden was dabei, denke ich.

Im CNN-Center

Im CNN-Center

Einer der bekanntesten Nachrichtensender hat in Atlanta seinen Sitz, CNN. Und die wären auch blöd, wenn sie aus ihrer Bekanntheit nicht ein wenig Kapital schlagen würden. Für 15$ konnten wir bei einer ca. einstündigen Tour durch das CNN-Center hinter die Kulissen schauen, z.B. wie der Regisseur die Kameras wechselt, wie das mit den Wetterkarten funktioniert und wie die Nachrichten zum Sprecher kommen. Insgesamt ganz interessant, wobei man sich wie schon bei Coca Cola fragt, warum man eigentlich für Werbezwecke von CNN selbst Geld zahlen muss.

Ausblick für die nächsten Tage: Hausaufgaben… 🙁 Ich hoffe, ihr alle habt’s besser als ich 😉 .

Ostküste Teil IV – Boston 1.-3.1.

Mittwoch, 07. Januar 2009

Den Rest unseres bisher wenig erholsamen Urlaubs ließen wir in einem guten Hotel in Boston ausklingen. Dank Pool und Saunaanlage konnten wir die Beine mal richtig baumeln lassen. Am Freitag nutze ich aber natürlich trotzdem die Gelegenheit, mir Boston ein wenig anzuschauen, sonst hätten wir ja nicht hochfahren brauchen.

Old State House

Old State House

Das Zentrum der Stadt liegt auf einer Halbinsel umgeben vom Charles River und dem Boston Harbor. Von dort führt ein historischer Pfad, genannt „Freedom Trail“, an wichtigen Gebäuden vorbei nach Charlestown auf der anderen Seite des Flusses. Auf dem Weg liegen z.B. verschiedene Kirchen, das Old State House und der Ort des Boston Massacre, bei dem britische Truppen 1770 ein Blutbad in der Zivilbevölkerung anrichteten. Über die Charlestown Bridge gelangt man dann auf die andere Seite des Flusses, wo ein altes Segelschiff, die USS Constitution, vor Anker liegt. Einige Meter weiter befindet sich schließlich der Bunker Hill, dessen Monument stark an das Washington Monument in D.C. erinnert. Leider war der Aufstieg wegen vereister Treppen nicht möglich.

Blick von Charlestown

Blick von Charlestown

Wohngebiet in Charlestown

Wohngebiet in Charlestown

Die zweite Hälfte des Tages verbrachte ich in der Gegend um die Harvard Universität, die nicht nur fachlich einen sehr guten Ruf hat (allerdings nicht für Ingenieure), sondern auch sehr sehenswert ist. Ähnlich wie hier in Atlanta gibt es viele rote Backsteinhäuser, die dem Ganzen ein nettes Flair geben, aber die Gebäude sind in Harvard doch noch um einiges schöner als hier auf dem Campus. Allgemein hat mir Bosten von seinem Erscheinungsbild her sehr gut gefallen. Trotz der Urbanität gab es immer wieder idyllische Sträßchen und Orte, z.B. die Wohngegend in Charlestown um das Bunker Hill Monument. Eventuell werde ich im Sommer nochmal in Boston vorbeischauen. Ende Juli ist nämlich in Rhode Island eine Konferenz von der Uni aus, an der wir von Larry’s Lab teilnehmen werden.

Harvard University

Harvard University

Mit dem Flugzeug zurück in Atlanta erfreute ich mich erst einmal am milden, wenn auch feuchten Wetter, das je weiter unsere Reise nach Norden ging, doch immer frischer wurde. Nun ist wieder alles wie gewohnt, ein eigenes Zimmer, der übliche Gang ins Lab mit Internet, das geordnete Leben geht weiter. Heute waren auch schon meine ersten zwei Vorlesungen, doch mehr dazu in den nächsten Tagen.

Ostküste Teil III – New York City 25.12.-1.1.

Dienstag, 06. Januar 2009
Eine der Avenues, die in Nord-Süd Richtung verlaufen

Eine der Avenues, die in Nord-Süd Richtung verlaufen

New York – Die Stadt, die niemals schläft. Den Titel hat sich New York wahrlich verdient. Ich habe in meinem Leben noch nicht soviel Trubel und Geschäftigkeit auf einer so großen Fläche gesehen. Und die Fläche ist groß – Ursprünglich dachte ich, Manhattan (der Stadtteil, auf den wir unsere Reise beschränkten) sei vielleicht ein paar Kilometer lang, so dass man das meiste zu Fuß machen kann. Tatsächlich sind es aber an die 17 Kilometer vollgepflastert mit rechteckigen Blöcken, Straßen und Wolkenkratzern. Es ist kaum zu glauben, wer das alles mal gebaut haben soll. Immerhin ist das U-Bahnnetz sehr gut ausgebaut und auch erschwinglich (25$ für ein Wochenticket), so dass einem trotz der Größe alles offen steht. Günstig ist New York allerdings keinesfalls! Das Hostel kostete für uns drei  z.B. nur geringfügig weniger als das Hyatt Regency Hotel mit vier Sternen in Boston… Und auch für den Eintritt zu vielen Sehenswürdigkeiten lässt man die Touristen, die es wirklich zu Hauf gibt,  gut in die Tasche greifen.  Es verging kaum ein Tag, an dem man nicht jemanden in der UBahn oder auf der Straße deutsch sprechen hörte.

Südspitze von Manhatten (vom Empire State aus)

Südspitze von Manhatten (vom Empire State )

Eingangshalle des American Museum of Natural History

Eingangshalle des American Museum of Natural History

Wir näherten uns der Stadt mit einer Mischung aus Fußmärschen durch interessante Gebiete und dem Besuch von Attraktionen. Für letztere besorgten wir uns für 74$ den „Citypass“, der den  Eintritt  in sechs verschiedene Attraktionen erlaubt, die zu den Highlights von New York gehören. Das Museum of Modern Art (MoMA), das Guggenheim Museum (vor allem architektonisch toll), das Metropolitan Museum of Art (riesig groß!!), das Museum of Natural History (total viele Kinder unterwegs), die Aussichtsplattform des Empire State Buildings und eine Rundfahrt zu Liberty Island (Freiheitsstatue) und Ellis Island (Immigrations-Museum). Wenn einen all diese Dinge interessieren lohnt sich der Citypass sehr, zumal ein großer Vorteil ist, dass wir oft an Ticketschlangen vorbeigewunken wurden, was uns z.B. beim Empire State etwa eine Stunde Wartezeit erspart hat (Waren insgesamt trotzdem noch 2 Stunden aber immerhin…). Die Ausblicke vom Empire State und vom Wasser aus auf die Skyline sind unglaublich schön, so dass sich bei gutem Wetter das Anstehen schon gelohnt hat. Um den Höhenblick zu genießen kann man aber auch für 18$ auf das GE-Building des Rockefeller-Centers, das nicht so viel Andrang hat und den Vorteil hat, dass man das Empire State Building von dort aus fotografieren kann. Diesen Aufstieg machten wir bei Nacht. Ein weiterer Tipp ist die Staten Island Fähre, die einen umsonst nach Staten Island und zurück bringt und schöne Blicke auf die Skyline bietet.

Empire State Building (vom Rockefeller Center)

Empire State Building (vom Rockefeller Center)

Man sieht so viel in der Stadt, dass allein schon das Aufzählen Seiten füllen würde. Daher nur noch meine weiteren persönlichen Highlights: Times Square muss man gesehen haben, vor allem bei Nacht. Die riesigen Leuchtreklamen machen den Platz zu einem bunten Lichtermeer, in dem sich Menschenmassen hoch und runter schieben. Der Spaziergang auf der Brooklyn-Bridge war auch sehr schön, wenn auch das Wetter leider sehr neblig war, so dass die meisten Gebäude im Schleier lagen. Im Central Park kann man inmitten der Stadt auch ein wenig (angelegte) Natur erleben, was auch mal ganz gut tut.

Central Park, Jaqueline Kennedy Onassis Reservoir

Central Park, Jaqueline Kennedy Onassis Reservoir

Freiheitsstatue auf Liberty Island

Freiheitsstatue auf Liberty Island

New York ist eine Stadt mit Superlativen und man staunt nicht wenig. Mir war es nach 7 Tagen dann aber auch genug mit all dem Trubel. Atlanta erscheint einem dagegen irgendwie als verschlafenes Nest, aber zum Wohnen ist ein bisschen Ruhe doch auch angenehm. Silvester (unser Zug fuhr am 1.1. um 7 Uhr nach Boston) verbrachten wir nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, am Times Square, wo der herunterfallende Apfel das neue Jahr markiert, da es in dieser Nacht bitterkalt und windig war. Stattdessen waren wir im East Village in einem kleinen Club, wo die Zeit bis in die frühen Morgenstunden dann auch recht schnell vorüber ging. Von der anschließenden Zugfahrt nach Boston kann ich nicht viel erzählen, außer ein paar verschlafener Blicke auf die traumhaften Schneelandschaften von Connecticut und Rhode Island entlang der Strecke nach Boston, Massachusetts.

Ostküste Teil II – Philadelphia 23.-25.12.

Dienstag, 06. Januar 2009

Für schlappe 15 $ brachte uns ein Chinatown-Bus (so genannt, weil diese Busunternehmen die Chinatowns in den größeren Städten der Ostküste verbinden) in eine der historisch bedeutendsten Städte der USA – Philadelphia. Die Stadt rühmt sich damit, Versammlungsort des Continental Congress gewesen zu sein, in dem die damaligen Kolonien 1776  in der Declaration of Independence ihre Unabhängigkeit von Großbritannien unterzeichneten. Das Original dieses Schriftstücks kann man übrigens in den Nationalarchiven in D.C. betrachten (umsonst natürlich). Da wir nur einen vollen Tag in Philadelphia hatten, beschränkten wir uns auf die Sehenswürdigkeiten im Historic District. Die Fußmärsche in D.C. hatten uns ziemlich zugesetzt, so dass wir uns auf ein Minimalprogramm beschränkten, um auch für das nächste Ziel unserer Reise, New York, fit zu sein.

Independence Hall

Independence Hall

Von unserem Hotel erreichten wir die Gegend um die Independence Hall, das Gebäude, in dem die Unabhängigkeit unterzeichnet wurde, in wenigen Minuten. In einer kostenlosen Führung (Tickets erhält man beim nahen Visitor Center) erklärte uns ein Park-Ranger sehr wortreich und ausschweifend, welche Mythen um die Unabhängigkeit existieren und dass Geschichte oft nicht so eindeutig ist, wie es einem beigebracht wird. Eine einfache Geschichtslektion wäre mir aber lieber gewesen, da ich kaum (falsche) Vorstellungen der Geschichte hatte, die der Führer hätte wiederlegen können. Ein Haus weiter befindet sich das Liberty Bell Center, in dem man die „Freiheitsglocke“ bestaunen kann, die in den USA ein Symbol für Freiheit ist, das  in unterschiedlichsten Zusammenhängen benutzt wurde: Zum einen natürlich die Freiheit von britischen Empire, aber auch bei der Befreiung von der Sklaverei, bei Frauenwahlrechten oder der Civil Rights Bewegung – quasi ein Stück Freiheitsgeschichte zum Anfassen.

Liberty Bell

Liberty Bell

Im weiteren Rundgang kamen wir an einigen Gebäuden vorbei, die auf diese oder jene Weise historisch interessant sind, z.B. Carpenters Hall, wo sich der Continental Congress versammelte. Auch einen kurzen Blick auf Penn’s Landing am Delaware River, wo ein gewisser Penn gelandet sein soll, nach dem Pennsylvania benannt ist, und auf Downtown mit der höchsten City Hall Amerikas ließen wir uns nicht entgehen.

Christ Church

Christ Church

Am 24. bin ich abends in einen Gottesdienst der Christ Church gegangen, eine der ältesten Kirchen der Stadt, in der schon einige der Gründungsväter der Nation Gemeindeglieder waren. Die Gemeinde ist episcopaler Ausrichtung, die sich als Mittelweg zwischen evangelisch und katholisch sieht. Zunächst wurde Bach’s Weihnachtsoratorium auf englisch zum Besten gegeben. Der anschließende Gottesdienst mit Abendmahl war lithurgisch ziemlich strikt und es wurden die für die USA üblichen Weihnachtsschlager angestimmt (Oh Come all ye Faithful, Silent Night, Joy to the World), die man zu dieser Zeit an jeder Ecke hörte. Die Besetzung vom Oratorium (Trompete, Schlagzeug, kleiner Chor, Orgel) war immer noch anwesend, so dass die Lieder ein richtiger Ohrenschmaus waren.

Downtown (Mitte: Flügel der City Hall)

Downtown (Mitte: Flügel der City Hall)

Wer einmal in Philadelphia ist, sollte nicht verpassen einmal ein Philly Steak Sandwich zu essen. Das gibt es hier an jeder Ecke. Ansonsten hätten wir hier bestimmt noch mehr sehen können, wenn unser Zeitplan nicht so straff gewesen wäre. Für New York hatten wir nämlich viel Zeit eingeplant, die auch nötig war, wie sich im Nachhinein bestätigte…

Ostküste Teil I – Washington D.C. 19.-23.12.

Montag, 05. Januar 2009
Blick vom Washington Monument

Blick vom Washington Monument

Teil 1 unserer Reise an die Ostküste galt der Hauptstadt der USA – Washington D.C. (ohne das D.C. wird die Stadt oft mit dem Bundesstaat Washington im Westen der USA verwechselt, weshalb man hier oft einfach nur „D.C.“ sagt). Und beim Erscheinungsbild ihrer Hauptstadt lassen sich die Amerikaner nicht lumpen. Im Regierungsviertel rund um die „Mall“, eine ca. 3-4 km lange mit Denkmälern und Monumenten gespickte Parkanlage im Herzen der Stadt, hat man manchmal den Eindruck, durch das antike Rom zu laufen. Selbst das „Department of Agriculture“ zeigt sich in einen gewaltigen, neoklassizistischen Monumentalbau, von denen es in D.C. so einige gibt. Gestern Abend habe ich mich mit John darüber unterhalten. Seine Erklärung ist, dass die damals junge Nation damit die Ideale der Römischen Republik und der griechischen Demokratie symbolisieren wollte. In das äußere Erscheinungsbild fügt sich auch ein, aus welchen Gründen D.C. sehenswert ist: Die Nationalmonumente, die Regierungebäude und die Museen. Als Stadt zum Ausgehen hat sich D.C. auf unserer Reise keinen großen Namen gemacht, doch für des Touristen Fotolinse hat es dafür umso mehr zu bieten.

Washington Monument

Washington Monument

Blick vom Lincoln Memorial auf die Mall

Blick vom Lincoln Memorial auf die Mall

Die Monumente sind wie schon erwähnt größtenteils auf der Mall verteilt. Die bekanntesten dürften das Washington Monument, ein Obelisk etwa in der Mitte der Mall, und das Lincoln Memorial sein, das das westliche Ende der Mall markiert. Das Washington Monument ist insofern ein Höhepunkt, dass man umsonst hinauffahren kann und einen tollen Blick über die Stadt erhält: Die Mall mit seinen Monumenten, das Kapitol, das weiße Haus, das Pentagon usw. Dank der Jahreszeit war insgesamt recht wenig los in D.C., so dass man nicht mal lange warten musste für die Fahrt in die Spitze. Das Lincoln Memorial besteht aus einer Art griechischen Tempelbau mit einer überdimensionalen Marmorstatue des „Bürgerkriegspräsidenten“. Andere Präsidenten, die auf der Mall ihr Denkmal fanden sind Franklin D. Roosevelt und Thomas Jefferson. Weitere drei Denkmäler, die wir besucht haben, erinnern an die großen Kriege der Amerikaner: Das WWII Memorial (2.Weltkrieg) zwischen Lincoln und Washington Monument, das Korean War Veteran Memorial und das Vietnam Veterans Memorial, bei dem die Namen der Gefallenen in eine lange Mauer eingraviert sind.

Lincoln Memorial

Lincoln Memorial

Library of Congress

Library of Congress

Die politischen Gebäude der heutigen Nation sind im wesentlichen das Weiße Haus, das nach 9/11 keine frei zugänglichen Führungen mehr macht, der Supreme Court und das Kapitol, das sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat beherbergt. Hier gab es wieder eine kostenlose Führung, die sich lohnt. Man kommt zwar nicht in die Parlamentssäle, doch allein schon der Blick auf das Innere der Kuppel ist es Wert. Einige Meter weiter steht die Library of Congress, wiederum ein absolut sehenswertes Prunkgebäude, in dem es auch kleinere Ausstellungen zur amerikanische Geschichte gibt. Desweiteren haben wir eine kostenlose Führung durch das Bureau of Engraving and Printing angeschaut, in dem die berühmten und von jedem gern gesehenen Dollar bis 100 Dollar Scheine gedruckt werden.

Kapitol

Kapitol

Pennsylvania Avenue

Pennsylvania Avenue

Wer aufmerksam liest, dem dürfte aufgefallen sein, dass schon dreimal der Eintritt kostenlos war und diese Serie erreicht nun ihren Höhepunkt, wenn es an das Thema Museen geht. Dank eines gewissen Briten namens Smithson, der sein Vermögen den Amerikanern vermachte, gibt es in D.C. viele Museen, die der Smithsonian Stiftung angehören und gratis sind. In der Tat habe ich in D.C. für nicht eine einzige Sehenswürdigkeit Eintritt bezahlt – Das lässt des Schwaben Herz höher schlagen (aber wir kommen ja noch nach New York…). In der Kürze der Zeit, konnten wir nicht einmal alle Museen sehen, so dass wir z.B. das National Museum of Natural History ausließen. Besucht haben wir dagegen das Hirshhorn Museum (Moderne Kunst), das National Air and Space Museum (Luft- und Raumfahrt – Erstes Flugzeug der Gebrüder Wright,…), das National Museum of the American Indian (Indianer), die National Gallery of Art (alte und moderne Kunst), das National Museum of American Art (amerikanische Kunst),  die National Portrait Gallery (Portraitgemälde, u.a. aller amerikanischer Präsidenten inkl. George W. Bush) und das U.S. Holocaust Memorial Museum (Holocaust), das sehr beeindruckend ist: Die Entwicklung von Diskriminierung zur Massenvernichtung wird gut erklärt und es werden immer wieder persönliche Schicksale eingebunden. Insgesamt ist D.C. also ein Museumsparadies!

Das Weiße Haus

Das Weiße Haus

Etwas außerhalb liegt der Friedhof Arlington unweit vom Pentagon. Neben den berühmten endlosen weißen Grabsteinreihen gefallener Soldaten ist hier John F. Kennedys Grab zu sehen.  Am Grabmal des unbekannten Soldaten verfolgten wir die Wachablösung, die mit einer fast komischen militärischen Steifheit zelebriert wird.

Arlington und Pentagon

Arlington und Pentagon

Im nächsten Abschnitt der Ostküstentour betraten wir den Ort, an dem alles begann…