Archiv für 06. Januar 2009

Ostküste Teil III – New York City 25.12.-1.1.

Dienstag, 06. Januar 2009
Eine der Avenues, die in Nord-Süd Richtung verlaufen

Eine der Avenues, die in Nord-Süd Richtung verlaufen

New York – Die Stadt, die niemals schläft. Den Titel hat sich New York wahrlich verdient. Ich habe in meinem Leben noch nicht soviel Trubel und Geschäftigkeit auf einer so großen Fläche gesehen. Und die Fläche ist groß – Ursprünglich dachte ich, Manhattan (der Stadtteil, auf den wir unsere Reise beschränkten) sei vielleicht ein paar Kilometer lang, so dass man das meiste zu Fuß machen kann. Tatsächlich sind es aber an die 17 Kilometer vollgepflastert mit rechteckigen Blöcken, Straßen und Wolkenkratzern. Es ist kaum zu glauben, wer das alles mal gebaut haben soll. Immerhin ist das U-Bahnnetz sehr gut ausgebaut und auch erschwinglich (25$ für ein Wochenticket), so dass einem trotz der Größe alles offen steht. Günstig ist New York allerdings keinesfalls! Das Hostel kostete für uns drei  z.B. nur geringfügig weniger als das Hyatt Regency Hotel mit vier Sternen in Boston… Und auch für den Eintritt zu vielen Sehenswürdigkeiten lässt man die Touristen, die es wirklich zu Hauf gibt,  gut in die Tasche greifen.  Es verging kaum ein Tag, an dem man nicht jemanden in der UBahn oder auf der Straße deutsch sprechen hörte.

Südspitze von Manhatten (vom Empire State aus)

Südspitze von Manhatten (vom Empire State )

Eingangshalle des American Museum of Natural History

Eingangshalle des American Museum of Natural History

Wir näherten uns der Stadt mit einer Mischung aus Fußmärschen durch interessante Gebiete und dem Besuch von Attraktionen. Für letztere besorgten wir uns für 74$ den „Citypass“, der den  Eintritt  in sechs verschiedene Attraktionen erlaubt, die zu den Highlights von New York gehören. Das Museum of Modern Art (MoMA), das Guggenheim Museum (vor allem architektonisch toll), das Metropolitan Museum of Art (riesig groß!!), das Museum of Natural History (total viele Kinder unterwegs), die Aussichtsplattform des Empire State Buildings und eine Rundfahrt zu Liberty Island (Freiheitsstatue) und Ellis Island (Immigrations-Museum). Wenn einen all diese Dinge interessieren lohnt sich der Citypass sehr, zumal ein großer Vorteil ist, dass wir oft an Ticketschlangen vorbeigewunken wurden, was uns z.B. beim Empire State etwa eine Stunde Wartezeit erspart hat (Waren insgesamt trotzdem noch 2 Stunden aber immerhin…). Die Ausblicke vom Empire State und vom Wasser aus auf die Skyline sind unglaublich schön, so dass sich bei gutem Wetter das Anstehen schon gelohnt hat. Um den Höhenblick zu genießen kann man aber auch für 18$ auf das GE-Building des Rockefeller-Centers, das nicht so viel Andrang hat und den Vorteil hat, dass man das Empire State Building von dort aus fotografieren kann. Diesen Aufstieg machten wir bei Nacht. Ein weiterer Tipp ist die Staten Island Fähre, die einen umsonst nach Staten Island und zurück bringt und schöne Blicke auf die Skyline bietet.

Empire State Building (vom Rockefeller Center)

Empire State Building (vom Rockefeller Center)

Man sieht so viel in der Stadt, dass allein schon das Aufzählen Seiten füllen würde. Daher nur noch meine weiteren persönlichen Highlights: Times Square muss man gesehen haben, vor allem bei Nacht. Die riesigen Leuchtreklamen machen den Platz zu einem bunten Lichtermeer, in dem sich Menschenmassen hoch und runter schieben. Der Spaziergang auf der Brooklyn-Bridge war auch sehr schön, wenn auch das Wetter leider sehr neblig war, so dass die meisten Gebäude im Schleier lagen. Im Central Park kann man inmitten der Stadt auch ein wenig (angelegte) Natur erleben, was auch mal ganz gut tut.

Central Park, Jaqueline Kennedy Onassis Reservoir

Central Park, Jaqueline Kennedy Onassis Reservoir

Freiheitsstatue auf Liberty Island

Freiheitsstatue auf Liberty Island

New York ist eine Stadt mit Superlativen und man staunt nicht wenig. Mir war es nach 7 Tagen dann aber auch genug mit all dem Trubel. Atlanta erscheint einem dagegen irgendwie als verschlafenes Nest, aber zum Wohnen ist ein bisschen Ruhe doch auch angenehm. Silvester (unser Zug fuhr am 1.1. um 7 Uhr nach Boston) verbrachten wir nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, am Times Square, wo der herunterfallende Apfel das neue Jahr markiert, da es in dieser Nacht bitterkalt und windig war. Stattdessen waren wir im East Village in einem kleinen Club, wo die Zeit bis in die frühen Morgenstunden dann auch recht schnell vorüber ging. Von der anschließenden Zugfahrt nach Boston kann ich nicht viel erzählen, außer ein paar verschlafener Blicke auf die traumhaften Schneelandschaften von Connecticut und Rhode Island entlang der Strecke nach Boston, Massachusetts.

Ostküste Teil II – Philadelphia 23.-25.12.

Dienstag, 06. Januar 2009

Für schlappe 15 $ brachte uns ein Chinatown-Bus (so genannt, weil diese Busunternehmen die Chinatowns in den größeren Städten der Ostküste verbinden) in eine der historisch bedeutendsten Städte der USA – Philadelphia. Die Stadt rühmt sich damit, Versammlungsort des Continental Congress gewesen zu sein, in dem die damaligen Kolonien 1776  in der Declaration of Independence ihre Unabhängigkeit von Großbritannien unterzeichneten. Das Original dieses Schriftstücks kann man übrigens in den Nationalarchiven in D.C. betrachten (umsonst natürlich). Da wir nur einen vollen Tag in Philadelphia hatten, beschränkten wir uns auf die Sehenswürdigkeiten im Historic District. Die Fußmärsche in D.C. hatten uns ziemlich zugesetzt, so dass wir uns auf ein Minimalprogramm beschränkten, um auch für das nächste Ziel unserer Reise, New York, fit zu sein.

Independence Hall

Independence Hall

Von unserem Hotel erreichten wir die Gegend um die Independence Hall, das Gebäude, in dem die Unabhängigkeit unterzeichnet wurde, in wenigen Minuten. In einer kostenlosen Führung (Tickets erhält man beim nahen Visitor Center) erklärte uns ein Park-Ranger sehr wortreich und ausschweifend, welche Mythen um die Unabhängigkeit existieren und dass Geschichte oft nicht so eindeutig ist, wie es einem beigebracht wird. Eine einfache Geschichtslektion wäre mir aber lieber gewesen, da ich kaum (falsche) Vorstellungen der Geschichte hatte, die der Führer hätte wiederlegen können. Ein Haus weiter befindet sich das Liberty Bell Center, in dem man die „Freiheitsglocke“ bestaunen kann, die in den USA ein Symbol für Freiheit ist, das  in unterschiedlichsten Zusammenhängen benutzt wurde: Zum einen natürlich die Freiheit von britischen Empire, aber auch bei der Befreiung von der Sklaverei, bei Frauenwahlrechten oder der Civil Rights Bewegung – quasi ein Stück Freiheitsgeschichte zum Anfassen.

Liberty Bell

Liberty Bell

Im weiteren Rundgang kamen wir an einigen Gebäuden vorbei, die auf diese oder jene Weise historisch interessant sind, z.B. Carpenters Hall, wo sich der Continental Congress versammelte. Auch einen kurzen Blick auf Penn’s Landing am Delaware River, wo ein gewisser Penn gelandet sein soll, nach dem Pennsylvania benannt ist, und auf Downtown mit der höchsten City Hall Amerikas ließen wir uns nicht entgehen.

Christ Church

Christ Church

Am 24. bin ich abends in einen Gottesdienst der Christ Church gegangen, eine der ältesten Kirchen der Stadt, in der schon einige der Gründungsväter der Nation Gemeindeglieder waren. Die Gemeinde ist episcopaler Ausrichtung, die sich als Mittelweg zwischen evangelisch und katholisch sieht. Zunächst wurde Bach’s Weihnachtsoratorium auf englisch zum Besten gegeben. Der anschließende Gottesdienst mit Abendmahl war lithurgisch ziemlich strikt und es wurden die für die USA üblichen Weihnachtsschlager angestimmt (Oh Come all ye Faithful, Silent Night, Joy to the World), die man zu dieser Zeit an jeder Ecke hörte. Die Besetzung vom Oratorium (Trompete, Schlagzeug, kleiner Chor, Orgel) war immer noch anwesend, so dass die Lieder ein richtiger Ohrenschmaus waren.

Downtown (Mitte: Flügel der City Hall)

Downtown (Mitte: Flügel der City Hall)

Wer einmal in Philadelphia ist, sollte nicht verpassen einmal ein Philly Steak Sandwich zu essen. Das gibt es hier an jeder Ecke. Ansonsten hätten wir hier bestimmt noch mehr sehen können, wenn unser Zeitplan nicht so straff gewesen wäre. Für New York hatten wir nämlich viel Zeit eingeplant, die auch nötig war, wie sich im Nachhinein bestätigte…