Archiv für Februar 2009

Nashville und die Country Musik

Mittwoch, 18. Februar 2009

Neben der Geburt von Blues und Rock’n’Roll in Memphis rühmt sich Tennessee als Zentrum der Country Musik. In Nashville, Tennessees Hauptstadt, wird dies offensichtlich: Neben der Country Music Hall of Fame, einem Museum zu Ehren der Country Musik gibt es hier alles mögliche, was man mit Country verbindet. An Nashville’s Broadway gibt es Kneipen mit Live Country, Shops mit Cowboyhüten und -stiefeln und selbst an manchen Ampeln stehen Boxen, aus denen Countrymusik schallt. Man könnte Country als ‚Volksmusik‘ der USA bezeichnen, aber man verbindet damit durchaus anderes als wenn man in Deutschland von Volksmusik redet. Während Volksmusik zu Hause wohl schon zu 90% von Älteren gehört wird, ist Country vor allem im Süden durchweg populär. Die Texte sind natürlich schon zum Großen Teil etwas schnulzig, doch sehnt sich der Sänger hier eher nach den Weiten des Wilden Westens als die Schönheit der Alpen zu besingen…

Country Music Hall of Fame

Country Music Hall of Fame

Drei zum Preis für Eine

Drei zum Preis für Eine

Bevor ich zur Country Music Hall of Fame ging, kannte ich genau einen Countrysänger, nämlich Johnny Cash. Doch hab ich mir vorgenommen, mir mindestens drei Namen zu merken. Und hier sind sie: Kitty Wells war eine der ersten Frauen in der Country Musik, DeFord Bailey erster Schwarzer und Chet Atkins, Meister der Country Gitarre, von dem ich mal ein Youtube Video gepostet habe, um einen kleinen Eindruck zu geben. Interessant auch, dass Elvis in der Hall of Fame geführt wird. Dass er einige Elemente der Country Musik übernommen hat, war den Juroren wohl schon genug, ihn aufzunehmen… Das Gebäude selbst hat die Form eines Bassschlüssels und gibt schon was her. Nach anderthalben Tagen in Nashville hatte ich dann aber auch genug von Country, wobei es zwischendurch ganz nett anzuhören ist.

Etwas außerhalb der Stadt liegt die ehemalige Farm des 7. Präsidenten der USA, Andrew Jackson, dessen Konterfei den 20 Dollarschein ziert. Er war wegen seiner Sturheit und Hartnäckigkeit  als ‚Old Hickory‘ bekannt, was sowohl auf seine politischen Entscheidungen als auch auf seine Einstellung zu Sklaven und Indianern zutrifft. Er stärkte die Macht des Präsidenten, trat für das Volk ein, war aber auch pro Sklaverei und Vertreibung von Indianern. Auf seiner Farm, dem  Hermitage, ist das dortige Leben Anfang des 19. Jahrhunderts präsentiert. Um das Herrenhaus befinden sich ein Garten, wo u.a. Jackson begraben ist, Felder und Sklavenhütten, die man besichtigen kann. Insgesamt nicht ganz so spekatuklär wie z.B. das Civil Rights Museum, aber doch ganz interessant.

Andrew Jackson's Herrenhaus im Hermitage

Andrew Jackson's Herrenhaus im Hermitage

Zum Abschluss machten wir noch eine kleinen Rundgang durch Nashville, das vom Erscheinungsbild hübscher ist als Memphis. Den eigentlichen Ortskern kann man in 1-2 Stunden gut ablaufen, und man sieht zum Beispiel das Tennessee State Capitol oder das Ryman Auditorium, einen schicken Konzertsaal.

Broadway in Nashville

Broadway in Nashville

Jack Daniel's Distillerie

Jack Daniel's Distillerie

Auf der Rückfahrt nach Atlanta am Montag machten wir einen Abstecher zur Jack Daniel’s Distillerie in Lynchburg, in der der gleichnamige Tennessee Whiskey hergestellt wird. Nur 17 Mitarbeiter produzieren hier all den Whiskey, der auf der ganzen Welt verkauft wird. In einer einstündigen Tour erklärte uns ein lustiger Mitarbeiter (er hatte immer einen Witz mit alkoholischen Getränken parat), wie der Whiskey hergestellt wird. Von der Gärung des Getreides, übers Distillieren zum Coal Mellowing, in dem der Whiskey tropfenweise durch eine Holzkohlesäule sickert. Schließlich die Herstellung der Fässer und deren Lagerung bis zum Abfüllen in den bekannten rechteckigen Flaschen. Jack Daniel starb übrigens an seinem Safe. Weil der diesen nicht aufbekam, trat er gegen den Safe, was zu einer Wunde an seinem Zehen führte. Aus Scham darüber ging er aber nicht zu einem Arzt, bis sich die Wunde entzündete und er schließlich an einer Blutvergiftung starb, weil jede Hilfe zu spät war… Da ich noch nie Whiskey probiert hatte, wäre ich bereit gewesen, ein wenig zu testen, doch die Ironie bei der ganzen Sache ist, dass Lynchburg in einem ‚dry county‘ liegt, d.h. in einem Landkreis, wo Alkoholverkauf und -ausschank verboten ist, so dass man bis auf eine teure Souvenirflasche keinen Jack Daniel’s Whiskey bekam. Für echte Fans: Man kann sich auch ein ganzes Fässchen gönnen, das direkt nach Hause geliefert wird. Preis je nach Land und Steuer 9.000 bis 12.000 Dollar. Es sei aber für die Nachbarn beeindruckender ein Fass Jack Daniel’s in der Einfahrt stehen zu haben als ein neues Auto, laut Tourguide…

Memphis – Blues and The King of Rock’n’Roll

Mittwoch, 18. Februar 2009
Beale Street - Ursprünge des Blues

Beale Street - Ursprünge des Blues

Es war mal wieder an der Zeit, etwas außerhalb von Atlanta zu erleben. Von Freitag bis Montag tourten Alex, Frederik und ich durch den für seine Musik bekannten Staat Tennessee nordwestlich von Georgia. Memphis liegt am „Dreiländereck“ Tennessee, Mississippi und Arkansas am Ufer des Flusses Mississippi und ist beonders bekannt als Wiege des Blues und natürlich als Heimatstadt von „The King“, Elvis Presley. Das Stadtbild an sich ist ziemlich öde, bis auf einige nette Blicke in Main Street oder am Ufer des Mississippi ist nicht viel Schönes zu sehen außer kahle Häuserfassaden. Einen Gegensatz dazu stellt die Beale Street dar, Memphis‘ Vergnügungsmeile, wo in den Kneipen Livemusik gespielt wird. Hier geht es doch ganz bunt her, zumindest für amerikanische Großstadtverhältnisse.

National Civil Rights Museum

National Civil Rights Museum

Das National Civil Rights Museum war meiner Meinung nach ein Highlight in Memphis. Im ehemaligen Lorraine Motel, wo Martin L. King 1968 auf seinem Balkon erschossen wurde, ist hier ein Museum gebaut worden, in dem die Geschichte der Bürgerrechte der schwarzen Bevölkerung erzählt wird. Ausgestellt u.a. ein Bus, in dem die Situation nachgestellt wird, als eine schwarze Passagierin sich weigerte für einen Weißen den Sitz frei zu machen. Nach den sehr ausführlichen und interessanten Geschichtsszenen erreicht man schließlich den Ort, wo Martin L. King seine letzten Minuten verbrachte. An das Museum angeschlossen ist ein weiteres ehemaliges Motel, wo der Aufenthaltsort des Schützen vermutet wird. Hier wird die Kriminalseite des Attentats präsentiert. Dem Museum gelingt einsehr guter  Mix aus Geschichte, realen Schauplätzen und Aufruf zum Eintreten für Bürgerrechte.

Monitor beim Hunderennen

Monitor beim Hunderennen

Der Rest unseres Aufenthalts in Memphis war dann den leichteren Dingen des Lebens gewidmet. Zum Abendessen fuhren wir über die Brücke nach West Memphis in Arkansas, wo wir danach ein Racing and Gaming Center besucht haben. Neben dem Grund, mal in Arkansas gewesen zu sein, gab es hier nämlich Hunderennen, ähnlich wie Pferderennen, wo die Zuschauer setzen können, wer gewinnt. Eigentliche Attraktion waren dann aber die vielen dicken, alten Menschen, die Freitag abends nichts besseres zu tun hatten als Massen an Geld in stupide Spielautomaten einzuwerfen. Eigentlich wollten wir auch auf ein Rennen wetten, aber keiner der drei anwesenden Georgia Tech Studenten war fähig herauszufinden, wie das funktioniert mit den Wetten und Einsätzen und Gewinnen… Das Bild zeigt einen Screen, wie man sie im Zuschauerraum fand. Vielleicht wird ja ein Leser schlau daraus?

Am Mississippi River

Am Mississippi River , Mud Island, Brücke nach Arkansas

Graceland, Elvis‘ Herrenhaus, liegt einige Meilen südlich der Stadt. Genau 29,70$ verlangte die Kassierin für den Zutritt zum Gelände und einige kleinere Ausstellungen. Ok, einmal im Leben macht man sowas… Mit einem Bus fuhren wir die 100 Meter aufs Gelände, wo wir gleich mal ein deutsches Pärchen aus Leipzig mit Tochter getroffen haben. Erster Satz der Mutter, als sie merkte, dass wir deutsch sprechen und dass die Warteschlange zwischen ihrer Kamera und Elvis‘ Haus verläuft: „Oh, wenn ihr ja deutsch sprecht, könnt ihr vielleicht bitte ausm Bild gehn!?“ Deutsche Direktheit vermisst man doch ein bisschen bei all der amerikanischen Oberflächlichkeit 🙂 . Die eigentliche Audiotour durch das Grundstück ist schon interessant, so dass man was bekommt für sein Geld. Die verschiedenen Zimmer im Haus, der Garten, der Pool, das Racquetballhäuschen und schließlich sein Grab, das immer mit Blumen von Fans geschmückt ist. In weiteren Ausstellungen sahen wir noch seine Autos, seine Anzüge und seine zwei Flugzeuge. Nur seine Frau konnten wir nirgends finden… Naja, an Geld hat’s Elvis jedenfalls nicht gemangelt. Nur die Frage, wo das alles hin ist, dass die im Museum so viel Eintritt verlangen müssen.

Graceland Mansion

Graceland Mansion

Enten im Peabody Hotel

Enten im Peabody Hotel

Der Samstagnachmittag war dann leider etwas verkorkst. Nachdem in der Gibson Guitar Factory ebenfalls Samstag Nachmittag war, so dass keiner gearbeitet hat und wir 10$ Eintritt für eine Tour durch eine stillgelegte Fabrik bezahlt hätten, entschieden Frederik und ich uns auf Mud Island zu gehen, wo man einen Nachbau des Mississippi Flusslaufs findet, während Alex ins hießige Feuerwehrmuseum ging. Leider war Mud Island geschlossen, wegen Winter…, so dass wir uns schließlich mit den Enten im Peabody Hotel vergnügt haben, die traditionsgemäß im Brunnen der Lounge baden. Die Idee dazu kam dem Hotelbesitzer übrigens in den 30er Jahren als er besoffen von einer Jagd zurückkam…