New Orleans – The Big Easy

Wie versprochen folgt der ausstehende Bericht über die Reise nach New Orleans im Staate Louisiana. Nachdem Alex am Freitag morgen seine Prüfung hinter sich gebracht hatte, brachen Alex, Frederik, Magnus (Uni Karlsruhe) und ich zur etwa 7-stündigen Fahrt in den tiefen Süden auf. Wir durchquerten Alabama’s Hauptstadt Montgomery, steuerten stark südlich und erreichten nach der Durchquerung des  Staats Mississippi nahe der Golf Küste schließlich am fortgeschrittenen Abend unser Ziel. Die Hauptattraktion New Orleans‘ ist das historische Viertel French Quarter .  Bevor New Orleans 1803 mit dem Louisiana Purchase an die USA ging, hatte die Stadt eine abwechslungreiche Kolonialgeschichte zwischen Spanien und Frankreich, aus dessen Zeit die Architektur des French Quarters stammt. Die touristische Beliebtheit des Viertels vernahmen wir auch gleich, als wir versuchten, unser Hotel mit dem Auto anzusteuern: Um die Bourbon Street, das touristische Herz des French Quarters zu überqueren (wohlgemerkt Freitag abends), brauchte es angesichts der Menschenmassen schon einiges an Zeit.

French Quarter - ganz typisch

French Quarter - ganz typisch

Kurz danach befanden wir selbst uns darunter und waren erst einmal verblüfft von dem ganzen Rummel. Leute tranken auf der Straße Bier (ungewöhnlich für USA), mehr oder weniger abwechselnd luden Musik-Bars, Strip-Clubs und Vodoo-Shops zum Einkehren ein, Leute warfen ‚Beads‘ (Perlenketten) von den Balkonen, die man normalerweise einer Frau umhängt, wenn sie einen dafür ‚flasht‘ (wer nicht weiß, was das ist, kann sich vielleicht denken, was es ist…) – Ganz anders als ich mir New Orleans vorgestellt habe, nämlich gemütliche Kneipen mit Jazz-Musik. Aber wir haben uns mit den Gegebenheiten ganz gut arrangiert und unseren Spaß gehabt… Von dem eben Beschriebenen kommt übrigens der Spitzname ‚Big Easy‘, als sich New Orleans Anfang des 20. Jahrhunderts zum zügellosen Vergnügungsort entwickelte.

French Quarter von Algier aus

French Quarter von Algier aus

Louis Armstrong - Der Vater des Jazz

Louis Armstrong - Der Vater des Jazz

Am Samstag gingen Alex und Magnus zum Jazz Festival, das an diesem Wochenende stattfand. Prinzipiell fand ich das auch eine gute Sache (Jazz Festival in der Stadt des Jazz), doch stieß mir persönlich auf, dass der Preis für eine Karte 50$ pro Tag betrug und das auch nur weil Leute wie Jon Bon Jovi u.ä. auftraten, die mal gar nichts mit Jazz zu tun haben. Frederik und ich schauten uns daher die etwas entlegeneren Punkte der Stadt an. Wir fuhren mit der St.  Charles Streetcar, einem altertümlichen, einwägigen Straßenbähnchen durch die Viertel Uptown und Garden District, wo man direkt Lust bekommt, in einer der luxuriösen Villen zu leben und die Füße auf der Veranda mit Schaukelstuhl baumeln zu lassen. Wieder zurück am touristischen French Quarter, nahmen wir die kostenlose Fähre nach Algier über den Mississippi für einen schönen Blick auf die Stadt von der anderen Uferseite. Am Nachmittag hatten wir uns auch das Louisiana State Museum angeschaut, für gerade mal 5$ jede Menge Geschichte, von den Ureinwohnern bis zum Bürgerkrieg, u.a. auch der Raum, in dem der Louisiana Purchase unterzeichnet wurde, der die Westausbreitung der USA stark voranbrachte.

Der Mississippi-Dampfer 'Natchez'

Der Mississippi-Dampfer 'Natchez'

Kathedrale und Jackson Square

Kathedrale und Jackson Square

Am Sonntag streiften wir dann zu viert ausführlichst durch das French Quarter, um die alten Häuser, Kirchen, Regierungsgebäude, usw. anzuschauen. Zum Fotografieren gab’s da mehr als genug. Die ursprünglichen Pläne, einmal mit dem Schaufelraddampfer Natchez zu fahren, oder die „Katrina“-Tour zu machen, ließen wir dann aus Ermüdung und Kostengründen doch sein. Eine Tour durch die verwüsteten Gegenden hätte 35$ oder mehr gekostet, ziemlich viel für etwas, wofür keiner etwas geleistet hat. A propos Katrina, in den Touri-Zonen kriegt man nichts mehr davon mit, dass da mal (2005)  etwas war – außer in Shops, wo man Bücher über Katrina kaufen kann-, wobei dieses Gegenden damals auch nicht so sehr betroffen waren wie die Regionen im Osten zum Golf hin.

USS Alabama in Mobile

USS Alabama in Mobile

Früh morgens am Montag (wir hatten ja eine Stunde Zeitverschiebung aufzuholen), ging’s dann zurück nach Atlanta, wobei wir noch einen Zwischenstopp in Mobile, Alabama, einlegten, wo das ausgemusterte Kriegsschiff USS Alabama und ein U-Boot, beide aus dem 2.Weltkrieg, vor Anker liegen. Bis wir die ganzen Räume Unterdeck und im Kontrollturm (oder wie das heißt) abgelaufen hatten, vergingen doch 1-2 Stunden, aber die Größe, Komplexität und Organisation einer solchen Konstruktion boten genug Anlass zum Staunen. Im U-Boot konnte man sogar durch das Periskop die Alabama beobachten, sehr cool. Leider war das Periskop fixiert, so dass nicht ganz das Gefühl aufkam, Kapitän eines U-Boots zu sein,  aber beinahe 🙂 . Kurz vor der Abfahrt aus Mobile starteten eine Horde ekelerregend aussehender Insekten regelrechte Massenangriffe auf unsere Reisegruppe, vor der wir uns gerade noch ins Auto retten konnten, wo wir die letzten 5 Stunden verbrachten, bevor in Atlanta die Unbekümmertheit von ‚The Big Easy‘ wieder abgelegt werden musste.

7 Antworten zu “New Orleans – The Big Easy”

  1. Ulf Sagt:

    Gemeinheit! Ich aergere mich wirklich darueber, dass ich ohne Louisiana-Erfahrung aus den USA zurueckkommen werde. Und nachdem ich nun eure Bilder gesehen habe, da aergere ich mich noch mehr. 🙁

  2. martin Sagt:

    Ist doch noch nicht zu spaet, oder? 🙂

  3. Ulf Sagt:

    Ich erkunde in zwei Wochen erstmal den Yellowstone (bin gerade am buchen), danach kommt noch irgendwann die ACC-Konferenz, und dann ist auch schon Mitte Juni. Mein Rückflug ist am 23.06. …

  4. martin Sagt:

    Hm, einfach zu kurz in den USA 😉

  5. Walde Sagt:

    diese aktion mit den Perlenketten… – ist es nur in New Orleans?

  6. martin Sagt:

    hm, habs bisher zumindest nur in New Orleans erlebt. Hab schon von andern gehoert, dass es auch oefter in Florida z.B. bei Spring Break ueblich ist, aber hab diese Ketten jetzt zum ersten Mal gesehn.

  7. Andreas Sagt:

    wir waren gerade in New Orleans, haben das Kettenwerfen von den Balkonen hautnah miterlebt, war echt super, nachts durch das French Quarter zu bummeln, habe mir 8 Ketten umgehängt, was mir meine Frau allerdings dann verbot. Was ich dafür machen musste, nichts entblößen, nur bücken und vom Boden aufheben, denn die Perlenketten lagen zu dutzenden auf den Straßen, besonders auf der Bourbon Street.
    Allerdings sahen wir die Ketten auch in den Oberleitungen der Tram und zu hunderten auf den Bäumen im Garden District. Warum gerade in dem Stadtbezirk konnte uns niemand sagen, weiss das evtl. jemand, ist dort eine Uni oder wohnen besonders viele Studenten dort?