Archiv für September 2009

Der Westen Teil III (15.9.-20.9.)

Montag, 21. September 2009

Eine der berühmtesten Ansichten des Westen befindet sich im Monument Valley ca. 2 Stunden südlich des Arches National Park. Jenes liegt in einem Reservat der Navajo-Indianer, so dass die dort lebenden Navajos auch ein bisschen an der Berühmtheit der Gesteinsformationen verdienen. Neben einigen anderen Felsen bilden „Left Mitten“, „Right Mitten“ und „Merrick Butte“ die bekannteste Formation des Parks. Auf einer ca. 17 Meilen langen unbefestigten Straße durchquerten wir das Tal, das einige weitere interessante Anblicke bietet.

Monument Valley - Left Mitten, Right Mitten und Merrick Butte

Monument Valley - Left Mitten, Right Mitten und Merrick Butte

Den östlichsten Teil unserer Reise erreichten wir mit den Staaten Colorado und New Mexico. In Colorado befindet sich der recht bekannte Nationalpark Mesa Verde, wo Entdecker des 19. Jahrhunderts verlassene Siedlungen antrafen, die in die Felsen der dortigen Täler gebaut worden waren. Mesa Verde bedeutet „grüner Tisch“, und kommt daher, dass auf den Plateaus über den Tälern mehr Vegetation existiert als in angrenzenden Gegenden, die sehr trocken sind. Daher ein kleines Paradies für die damaligen „Anasazi“ Indianer, wie sie oft bezeichnet werden. Die Felswohnungen an den Felswänden gaben Schutz vor Witterung, die Plateaus lieferten jede Menge Nutzpflanzen und in den Tälern fanden die Bewohner Wasser und Holz. Um 1250 wurden die Wohnungen aber verlassen. Forscher vermuten, dass eine lange Dürreperiode die Einwohner zum Exodus veranlasst hat. Über die Anasazi ist wenig bekannt, da sie keine Schrift besaßen. Doch es wird vermutet, dass sie die Vorfahren von einigen heutigen Stämmen waren, wie z.B. den Zuni oder Hopi.

Mesa Verde - Cliff Palace

Mesa Verde - Cliff Palace

Durango and Silverton Narrow Gauge Railroad

Durango and Silverton Narrow Gauge Railroad

Heraus aus der archaischen Geschichte in die Geschichte des „Wilden Westens“ führt der 236 Meilen lange Rundweg San Juan Skyway durch die Ausläufer der Rocky Mountains. Der Fund von Silber veränderte dieses Gebiet im 19. Jahrhundert. Minen und Dörfer wurden gegründet, um die Rohstoffe aus dem Gebirge zu holen. Telluride, Silverton oder Durango gehören zu den bekanntesten Städtchen und sind wirklich hübsch anzuschauen. Um das Erz zu befördern baute man die Durango and Silverton Narrow Gauge Railroad, die heute dazu verwendet wird, um Touristen durch die bildhübsche Landschaft zu chauffieren. Für Eisenbahnfans ein Muss.

Silberminen in San Juan

Silberminen in San Juan

Ansonsten bekommt man hier genau das Bild, das man sich vorstellt, wenn man an den „Goldrausch“ oder in dem Fall besser „Silberrausch“ des Wilden Westens denkt. Minen, Eisenbahn, Gebirge und kleine Städtchen, wo man sich mit ein bisschen Phantasie leicht den Saloon reindenken kann.

Telluride in den San Juan Mountains

Telluride in den San Juan Mountains

Zurück zur Geschichte der Anasazi. Im Chaco Culture National Historic Park in New Mexico befindet sich eine der wichtigsten Fundstätten der Anasazi-Kultur. In den Ruinen kleiner Städte aus Pueblos, die bis zu 3 Obergeschosse hatten, fanden und finden Archäologen Tausende von Objekten, die Aufschlüsse über die Kultur der prähistorischen Stämme liefern. Erst neulich wurden Überreste von Schokolade festgestellt, was darauf hinweist, dass die Bewohner Kontakt zu den Mayas in Mittelamerika hatten. Dies erfuhren wir von einer Rangerin, die eine Gruppe von Leuten auf äußerst interessante Weise durch die Ruinen von Pueblo Bonito führte, dem größten der Dörfer im Chaco Valley.

Chaco Culture National Historic Park - Pueblo Bonito

Chaco Culture National Historic Park - Pueblo Bonito

Versteinerter Baum

Versteinerter Baum

Nach all der Geschichte wieder ein wenig Natur. Petrified Forest National Park bildet eine dichte Ansammlung von versteinerten Bäumen, die um die 225 Millionen Jahre alt sind. Tote Bäume wurden von Sedimenten begraben, wo chemische Prozesse das Holz in Kristalle umwandelten. Durch Erosion der weichen Sedimente kamen die Bäume schließlich wieder an die Oberfläche – als versteinerte Baumstämme. Nicht nur ist dieser Vorgang naturwissenschaftlich sehr beeindruckend, sondern die versteinerten Stämme sehen auch noch sehr interessant aus, mit Farben von weißem, rotem, grauem bis violettem Kristall. Hauptproblem des Parks ist Diebstahl. Jeder will natürlich so ein Stückchen haben, was dazu führt, dass monatlich ca. 1 Tonne Gestein mitgenommen wird – Trotz 375 Dollar Strafe, wenn man erwischt wird.

Petrified Forest - Old Faithful

Petrified Forest - Old Faithful

Über Walnut Canyon National Monument, wo weitere Felswohnungen prähistorischer Ureinwohner gefunden wurden, erreichten wir gestern Flagstaff in Arizona, das die Basis für die meisten Grand-Canyon-Besucher bildet. So auch für uns am heutigen Tage. Doch dazu mehr im letzten Eintrag über den Westen.

Der Westen Teil II (10.9. – 15.9.)

Freitag, 18. September 2009

Auf halber Strecke von Yosemite nach Las Vegas, Nevada, durchquerten wir eine der unwirtlichsten Gegenden Nordamerikas: Death Valley. Es war interessant zuzuschauen, wie das Außenthermometer im Auto stetig nach oben ging je näher wir kamen. Bei 100 Grad Fahrenheit (definiert nach Herrn Fahrenheits Körpertemperatur, also ca. 37 Grad Celsius) war noch nicht Schluss; bis auf 116 Fahrenheit stieg das Thermometer, was über 45 Grad Celsius sind. Und die haben wir gespürt als wir für kurze Ausblicke aus dem Auto ausstiegen. Innerhalb kürzester Zeit ist der Körper mit Schweiß bedeckt. Death Valley ist von zwei Bergzügen begrenzt, die sich voneinander wegbewegen, so dass sich das Tal immer weiter absenkt. Der tiefste Punkt ist um die 30 Meter unter Null. Landschaftlich sieht man eine weite, kahle Ebene, die meist aus Fels, teils aus Sand und teils aus Salz besteht, wie z.B. Devil’s Golf Course (Des Teufels Golfplatz), der aus unzähligen kleinen Salzhügeln besteht, die man in der Hitze knistern hört, während sich die Salzkristalle vergrößern und zusammenziehen.

Death Valley - Devil's Golf Course

Death Valley - Devil's Golf Course

In Las Vegas war es nicht ganz so heiß, „nur“ so um die 100 Grad. Es ist gleichzeitig erstaunlich und lächerlich, wie inmitten einer Wüste ein solches Zentrum des Konsums entstehen konnte. Die Stadt ist einfach nur verrückt. Entlang des „Strip“ übertreffen sich die Hotels an Originalität und Prunk. Das „Paris“ baut mal kurz einen 1:2 Nachbau des Eiffelturms oder das „New York New York“ besagte Skyline samt Freiheitsstatue.

Las Vegas - New York, New York

Las Vegas - New York, New York

Das „Luxor“ dreht sich rund um Ägypten mit Sphinx, Pyramide und Obelisken, das „Caesar“ ganz im Stil des alten Rom und das „Venetian“ zeigt Venedigs Kanäle garantiert witterungssicher im Hotel.

Las Vegas - Im Venetian

Las Vegas - Im Venetian

So geht es gerade weiter: Bellagio mit der berühmten abendlichen Springbrunnen-Show, Pallazo, Mandalay Bay,… Wir waren im „Stratosphere“ untergebracht, das aus dem Hotel und dem höchsten Turm westlich des Mississippi besteht. Als Hotelgäste durften wir so oft nach oben wie wir wollten. Die Fahrattraktionen auf dem Turm kosteten aber extra. Z.B. konnte man sich in ein Fahrgerät setzen, das auf den Abgrund zufährt, um dann kurz vorher abzubremsen. Nichts für Leute mit Höhenangst… In jedem Hotel befindet sich ein Kasino, mit dem die Hotels wohl das meiste Geld machen. Denn die Stadt selbst war nicht übermäßig teuer (frei parken, keine Zuschläge bei McDonalds,…). Logischerweise wird man vom Parkhaus zur Rezeption quer durchs Kasino geführt, und zum Zimmer dann noch mal zurück. Abends versuchten wir dann unser Glück beim „Megabucks“. Mit 3 Dollar Einsatz bestand die Chance auf über 10 Millionen Gewinn. Frederik und ich teilten uns den Einsatz und bevor wir wussten, was los war, war das Geld auch schon weg. Keine 10 Millionen. Naja, wenn wir schon nicht die Wedding Chapels ausprobieren konnten, haben wir wenigstens ein bisschen Geld im Kasino gelassen. Insgesamt kann man auf jeden Fall seinen Spaß haben in Las Vegas, das muss man der Stadt lassen, auch wenn es dekadenter kaum geht.

Las Vegas - Blick auf den Strip

Las Vegas - Blick auf den Strip

Hoover Damm

Hoover Damm

Den heißen Tag in Las Vegas überbrückten wir übrigens mit einem Besuch des Hoover Damm, der sich nur einige Meilen außerhalb der Stadt an der Grenze zu Arizona befindet. Mir hauptsächlich als Weltwunder im Computerspiel „Civilization 2“ bekannt, war es sehr beeindruckend dieses Riesenbauwerk in Realgröße zu sehen – Keine Chance mit meiner Kamera, die Dimensionen auf ein Bild zu bekommen… Der Damm und der dadurch angestaute See versorgen u.a. Las Vegas mit Elektrizität und Wasser. Nach diesen Auswüchsen menschlichen Schaffens wandten wir uns wieder den Wundern der Natur zu.

Im Süden Utahs befinden sich fünf Nationalparks, die alle Facetten der Canyons in dieser Gegend präsentieren. Durch die Verschiebung der Kontinentalplatten erhob sich diese Gegend, wodurch zu Stein gewordene Sedimente nach oben gehievt wurden. Dadurch entstanden Terrassen von verschiedenem Gestein, die durch Erosion des weichen Sandsteins zu unglaublich kreativen Gebilden geformt wurden.

Zion National Park erscheint ähnlich wie Yosemite oder King’s Canyon, allerdings in rötlichem Sandstein: Ein Tal flankiert von nahezu senkrechten Felswänden. Dieses Tal entstand aber nicht durch Gletscher wie Yosemite, sondern durch den Fluss im Tal, der sich durch den weichen Sandstein frisst.

Zion National Park

Zion National Park

Bryce National Park ist äußerst beeindruckend. Erosion führte hier zu Wäldern von Sandsteinpfeilern, genannt „Hoodoos“.

Bryce Canyon National Park

Bryce Canyon National Park

Der Name Capitol Reef National Park rührt von der Ähnlichkeit der Landschaft mit einem Riff im Ozean.

Capitol Reef National Park

Capitol Reef National Park

Im Canyonlands National Park sieht man die typischen Canyons: Riesige Terrassen von Sedimenten.

Canyonlands National Park

Canyonlands National Park

Abschließend sahen wir den Arches National Park, dessen Spezialität natürliche Brücken aus Gestein sind.

Arches National Park

Arches National Park

Momentan befinden wir uns in Farmington, New Mexico, von wo wir Mesa Verde und den San Juan Skyway unternahmen. Morgen geht’s wieder Richtung Westen: Über den Grand Canyon und Phoenix nach San Diego, wo der Flieger nach Atlanta wartet.

Der Westen Teil I (4.9.-10.9.)

Dienstag, 15. September 2009

Die Nacht zwischen Hawaii und Kalifornien war ziemlich kurz gewesen, als Frederik und ich in Los Angeles aus dem Flugzeug stiegen, da es sich um einen Nachtflug handelte. Glücklicherweise konnten wir im Hotel in Hollywood gleich einchecken und noch bis 12 Mittags schlafen. Danach ging es auf den bekannten Hollywood Walk of Fame, wo Legenden des Entertainment sternförmig im Boden verewigt wurden. Neben einleuchtenden Personen wie Walt Disney, Charly Chaplin oder Marylin Monroe, war die Sichtung von Strawinsky oder den Simpsons doch eher überraschend. Der Walk of Fame zieht sich aber dermaßen, dass wir es irgendwann aufgegeben haben, alles abzulaufen. Den berühmten Blick auf das Hollywood-Schild verpassten wir aber nicht.

Hollywood, L.A.

Hollywood, L.A.

Hollywood Walk of Fame

Hollywood Walk of Fame

Das Abendprogramm ergab sich spontan aufgrund der Nähe zu unserem Hotel in der Hollywood Bowl, wo Filmmusikkomponist John Williams zusammen mit den L.A. Philharmonikern als Dirigent tätig wurde und seine bekanntesten Schlager und Bearbeitungen bekannter Filmmelodien zum Besten gab. In der Zugabe durfte natürlich sein bekanntestes Werk, die Star Wars Musik, nicht fehlen: Yoda’s Thema, die Eingangsmelodie und der Marsch der dunklen Seite wurden unter schwingenden Lichtschwertern vieler Fans vorgetragen. Indiana Jones wurde dem Publikum aber am Ende verwehrt. Zum Abschluss unseres kurzen Aufenthalts in L.A. fuhren wir am nächsten Tag den Sunset Boulevard nach Santa Monica und weiter nach Downtown, wo wir uns u.a. die Disney Concert Hall, die Cathedral of our Lady of the Angels und das Contemporary Art Museum anschauten.

John Williams in der Hollywood Bowl

John Williams in der Hollywood Bowl

General Sherman Tree - "größter" Baum der Welt

General Sherman Tree - "größter" Baum der Welt

Ca. 3 Stunden nördlich liegen die National Parks Sequoia und King’s Canyon. Im Sequoia Park wachsen die volumenmäßig größten Bäume der Welt (Die höchsten sind die Redwoods im Norden Kaliforniens). General Sherman Tree trägt den Titel „größter Baum der Welt“ mit 52.500 Kubikfüßen – Wer Lust hat, darf das mal in metrische Einheiten umrechnen… Doch nicht nur die überdimensional großen Bäume machen Sequoia interessant; auch landschaftlich gibt der Park einiges her. Kleinere und größere  Wanderwege machen die Wälder gut zugänglich.

Im Sequoia Nationalpark

Im Sequoia Nationalpark

Etwas weiter nördlich geht es quasi fließend in den King’s Canyon Park über. Dieses Tal wurde von Gletschern gefräst und besticht daher durch seine beeindruckenden Felsformationen. Wälder im Tal und idyllische Wiesen mit Bächen zeichnen ein malerisches Bild.

Kings Canyon - Zumwalt Meadow

Kings Canyon - Zumwalt Meadow

San Francisco - City Hall

San Francisco - City Hall

Nach so viel Natur war wieder ein wenig Stadthektik angesagt, was mit San Francisco voll und ganz gegeben war. Mit dem Hotel direkt am Union Square hatten wir schon so unsere Probleme mit unserem Auto an den Massen an Touristen vorbeizukommen, die die Straßen wie Ameisen zu überqueren schienen. Bevor wir uns darunter mischten, besuchten wir Andreas, einen Kommilitonen aus  Stuttgart, der inzwischen in Stanford ca. 50 km südlich von San Francisco studiert. Nach einer Tour durch den traditionsreichen Campus, verbrachten wir einen gemütlichen Grillabend in Andreas’ ehemaliger WG. Sightseeing folgte am folgenden Morgen. Mit dem Cable Car erreichten wir Fisherman’s Wharf in der Hafenbucht, wo es neben einigen maritimen Dingen (Schiffe, Seelöwen, …) auch einen Blick auf Alcatraz, die Gefängnisinsel in der Bucht, gibt. Mit Bus, Cable Car und zu Fuß bahnten wir unseren Weg über die vielen Hügel, wo sich immer wieder schöne Blicke über die Stadt und auf interessante Gebäude boten. Am letzten Tag in San Francisco machten wir eine Tour durch die City Hall, die von einer ehemaligen Mitarbeiterin geführt wurde, die die Geschichte der Stadt selbst miterlebt hat (Mord an Harvey Milk, Erdbeben 1989,…). Direkt daneben liegt das Asian Art Museum, das trotz der Kürze der Zeit großartig war, um einen Einblick in diese eher fremde Art der Kunst zu gewinnen. Auf jeden Fall lohnenswert!

San Francisco

San Francisco

Wo bleibt denn das Markenzeichen von San Francisco, mag sich der Leser fragen. Und hier ist es. Über die Golden Gate Bridge, die wie so oft im Nebel lag während sonst überall die Sonne schien, verließen wir San Francisco nach Norden und dann Osten in Richtung Yosemite National Park.

San Francisco - Golden Gate Bridge

San Francisco - Golden Gate Bridge

Grüße vom "Berghörnchen" aus Yosemite

Grüße vom "Berghörnchen" aus Yosemite

Yosemite ist wohl der bekannteste Nationalpark in den USA. Über 3,5 Millionen Besucher strömen jährlich in den Park. Glücklicherweise war die Hauptreisezeit schon vorbei, so dass wir staufrei durch den Park kamen. Hauptmerkmal sind die senkrechten, von Gletschern geformten Felsen, die das Yosemite-Tal bilden. Zunächst gebot uns die Faulheit, den Aufstieg gar nicht erst zu versuchen, als wir die ca. 1 km hohen Klippen hochschauten. Doch nach einigen hundert Metern zu Fuß im Tal, wollten wir doch ein wenig mehr sehen und hatten vor, ungefähr bis zur Hälfte hochzulaufen, um einen schönen Blick zu haben. Auf halber Strecke trafen wir dann ein Ehepaar, das einen Tourbus zum Gipfel genommen hatte, nun aber zu Fuß den Abstieg nahm. Freundlicherweise gaben sie uns das Retourticket, so dass wir vom Gipfel mit dem Bus zurück ins Tal fahren konnten. Also machten wir am Ende doch die ganze Tour bis an den Glacier Point Gipfel, ca. 975 Höhenmeter. Der Rückweg zu Fuß wäre nach dieser Anstrengung doch recht beschwerlich gewesen. Die Lehre davon ist aber eindeutig: Zu Fuß erlebt man die Nationalparks auf ganz andere Weise. Wenn man also Zeit hat, raus aus dem Auto und schwitzen…

Yosemite Valley mit El Capitan (rechter Fels)

Yosemite Valley mit El Capitan (rechter Fels)

Der Erzählstoff für den nächsten Eintrag ist fast schon bereit. Allerdings noch nicht der Text. Kleine Vorschau: Death Valley, Las Vegas und die Canyons in Süd-Utah.

Hawaii Teil II (29.8.-2.9.)

Donnerstag, 03. September 2009

Die folgenden zwei Tage widmeten wir den Vulkanen auf Big Island. Ein Nationalpark macht den Besuchern den jüngsten und aktivsten Vulkan, Kilauea Caldera, zugänglich. Dort sieht man nicht nur den rauchenden Krater, sondern auch Dinge wie Schwefelbänke, rauchende Felsspalten und viele erloschene Krater. Die Landschaft mit dem zum Teil sehr jungen schwarzen Lavagestein ist beeindruckend und erinnert manchmal an eine Mondlandschaft. Ein ander Mal sieht man eine wie noch flüssige Oberfläche erstarrter Lava.

Kilauea Caldera im Volcano National Park

Kilauea Caldera im Volcano National Park

Alle Inseln Hawaiis entstanden durch Vulkanismus. Ein „Hotspot“, d.h. eine unterirdische Magmablase drückt regelmäßig Magma an die Erdoberfläche, während sich die Erdplatte verschiebt. So entstehen Unterwasserberge wie Spritzgebäck auf dem Backblech, die dann zu Inseln werden, wenn sie groß genug werden. Die Inseln im Westen sind älter und erodiert. Big Island liegt ganz im Osten, so dass hier durch Vulkanismus immer neue Inselmasse entsteht. Das merkt man auch im Nationalpark, wo Lavaströme immer wieder die Landschaft ändern, so dass Wanderwege und Straßen eines Tages nicht mehr da sind, wo sie einmal waren.

Ende der Straße

Ende der Straße

Aktuell kann man Lava östlich außerhalb des Parks beobachten, wie sie unter einen großen Rauchwolke ins Meer fließt. Aus Sicherheitsgründen ist man schon noch gut einen Kilometer weg, doch das Geschehen ist trotzdem sehr beeindruckend. Bei Nacht kann man die leuchtende Lava und die Reflektionen im Licht am besten sehen. Leider sind aber auch viele Leute um einen rum, die teilweise wohl nicht wissen, wie man einen Blitz ausschaltet, bzw. wozu er gut ist und wozu nicht…

Lava fließt ins Meer

Lava fließt ins Meer

Mit dem Städtchen Hilo erreichten wir den nordöstlichen Teil der Insel. Einen Tagesausflug widmeten wir Mauna Kea, mit 4205 m über Null der höchste Berg hier, und wenn man die Gesamtgröße vom Meeresboden misst – der größte der Welt! Ursprünglich hatten wir vor, vom Visitor Center, das auf etwa 3000 m liegt, mit unserem Jeep nach oben zu fahren. Doch wegen planungstechnischen Defiziten waren wir schon morgens um 10 Uhr dort und wollten  eigentlich den Sonnenuntergang von oben anschauen… Was also tun den ganzen Tag, wo nichts ist außer der Berg? – Hochlaufen! Der Ranger vor Ort schlug uns vor, die ca. 4-6 Stunden zu nutzen, um die 1200 Höhenmeter zu überwinden. Und wir haben es alle ans Ziel geschafft, Frederik und Alex die letzten Meter per Anhalter, doch alle zum Sonnenuntergang oben. Der Aufstieg war sehr hart: Dünne Luft, äußerst trockene Luft, pralle Sonne (Schon beim Visitor Center befanden wir uns ein wenig über den Wolken.)

Mauna Kea - 4205 m

Mauna Kea - 4205 m

Belohnt wurden wir von einem fantastischen Sonnenuntergang. Mauna Kea ist ein älterer Vulkan, der quasi als erloschen gilt. Die klare Luft veranlasste viele Forschunggruppen hier Observatorien zu errichten, die den glasklaren Sternenhimmel erforschen.

Sonnenuntergang auf Mauna Kea

Sonnenuntergang auf Mauna Kea

Akaka Falls

Akaka Falls

Etwas ruhiger ging es am nächsten Tag weiter mit einigen kleinen Sehenswürdigkeiten, wie z.B. die Akaka Falls (Wasserfälle), die in einem Regenwald senkrecht in die Tiefe stürzen. Das typisch amerikanische Verhalten, alles mit dem Auto besuchen zu können, kam uns nach Mauna Kea sehr zu gute. Weiter ging es zum Waipio Valley, einem der schönsten Täler der Insel. Trotz saurer  Beine liefen wir den bis zu 25% steilen und 400 Höhenmeter tiefen Weg ins Tal hinunter (und wieder hoch), wo der höchste Wasserfall Hawaiis wartete – nicht ganz so photogen wie die Akaka Falls, aber eben der höchste…

Waipio Valley

Waipio Valley

Um einmal einen Eindruck zu zeigen, wie abwechslungsreich Big Island ist, befindet sich unten ein Bild, das in den Höhen um Waimea entstanden ist. Hier fühlt man sich wie zu Hause: Weideland, Kühe, Hügel, Laubbäume – Alles gerade einmal einige Kilometer weg von Regenwald, Sandstrand oder Gebirge.

Weideland auf Hawaii

Weideland auf Hawaii

Morgen ist die Reise durch Hawaii schon zu Ende. Wir genießen gerade noch die Annehmlichkeiten eines kleinen Appartments in Waikoloa (2 Schlafzimmer, Sofa, Küche, 2 Bäder, Waschmaschine…), bevor es dann morgen zurück geht. Alex kehrt direkt, d.h. indirekt über Atlanta, nach Deutschland zurück, während Frederik und ich noch 3 Wochen durch den Westen der USA touren. Einen schöneren Ort als Hawaii zu finden, ist nicht ganz einfach, aber nach einer Woche hier ist eine Traumaussicht oder ein Traumstrand nach dem anderen fast schon normal. Zum Leben wäre es hier aber nicht mein Traum, dazu ist doch ein bisschen zu wenig Zivilisation hier. Für eine oder einige Wochen Urlaub – traumhaft.