Zwei Füße und 20 Kilometer später

Es war Spring Break letzte Woche, die ich extrem entspannt (man könnte auch sagen faul) in Atlanta verbracht habe. Mit einer Ausnahme. Am Dienstag unternahm ich eine Wanderung zu Fiona’s Wohnung, die sich nordwestlich von Midtown Atlanta im Cobb County befindet.

Mittels Google Map und Street View stellte ich mir die Wanderroute zusammen, die möglichst mit Gehwegen versehen sein sollte. Im Streetview konnte ich mich an kritischen Passagen wie z. B. Autobahnüber- und unterführungen oder Flussüberquerungen vergewissern, dass ein Vorankommen möglich war. Dieser Link gibt einen Überblick: Wanderroute

Blick von Howell Mill Road auf Midtown

Blick von Howell Mill Road auf Midtown

Glücklicherweise strahlte die Sonne bei etwa 25 Grad, als ich mich vom Campus in Richtung Howell Mill Road aufmachte, auf der ich die ersten ca. 5 Meilen zurücklegen würde. Durch bekanntes Terrain — an der Howell Mill Road liegt der nächste Walmart, wo ich ab und zu mal einkaufen gehe — erreichte ich zum ersten Mal die Autobahn I75, jenseits derer für mich unbekanntes Gebiet lag. Zu meinem Erstaunen entwickelt sich die Howell Mill Road zu einem schönen Wohngebiet, was man angesichts des Industriegebiets vor der I75 gar nicht vermuten würde. Interessanterweise gab es von nun an kaum noch Ampeln. Die Straße führt durch einen Wald, an den Gehwegen liegen vereinzelt Häuser und Wohnkomplexe, alles sehr grün. Und das nur einige Autominuten von Midtown Atlanta entfernt.

Villa an der Pace's Ferry Road

Villa an der Pace's Ferry Road

Es fühlte sich fast wie ein Rückeintritt in die Zivilisation an, als ich nach ca. 1,5 Stunden den geschäftigen und vielbefahrenen Northside Parkway erreichte, den ich nur kurz nutzte, um auf eine andere „grüne“ Straße zu gelangen, die Pace’s Ferry Road. Auf Google hatte ich schon gesehn, dass hier keine Gehwege vorhanden waren, sondern nur ein Seitenstreifen. Das Problem in dieser Gegend ist die Tatsache, dass man sich hier im Grenzgebiet zwischen Fulton und Cobb County befindet, wo das Land vergleichsweise dünn besiedelt ist. Zudem befinden sich hier die Villen der Reichen, von denen wohl nicht erwartet wird, dass sie einen Schritt zu Fuß auf die Straße machen. Durch wuchernde Natur war der Seitenstreifen stellenweise ziemlich eingeengt, so dass ich mich immer auf den Sprung ins Gebüsch gefasst machte, wenn ein den Seitenstreifen berührendes Auto mit telefonierendem Fahrer entgegen kam. Glücklicherweise verlief aber alles gut und ich überquerte den Chattahoochee River unbeschadet.

Überquerung der I75 - Die Hochhäuser im Hintergrund (ganz klein und weit weg) sind Midtown!

Überquerung der I75 - Die Hochhäuser im Hintergrund (ganz klein und weit weg) sind Midtown!

Von da an galt es nur noch die Pace’s Mill Road zu finden, deren Straßenschild komplett fehlte. Danach kannte ich mich dann wieder aus. Vorbei an Kroeger’s, ein paar Shopping Malls, nochmal über die Interstate und noch ein paar Kurven in Fiona’s Nachbarschaft. Nach 4 Stunden, 20 Kilometern und ca. 25 Ampeln (erstaunlich wenige dank der grünen Route) erreichte ich schließlich das Ziel, wo ich es mir erst mal noch eine Stunde recht erschöpft am Pool gemütlich machte, da ich wegen einer Stunde ungenutztem Puffer ein bisschen zu früh dran war.

Am Ziel...

Am Ziel...

Beim Laufen sieht man — vor allem die eigentlich schon bekannten Gegenden — mit ganz anderen Augen und auch war es interessant zu sehen, wie es zwischen Cobb County und Midtown so aussieht; vorher kannte ich nur die verbindende Autobahn. Wegen des fehlenden Gehwegs in der Pace’s Ferry Road würde ich die Strecke nicht unbedingt nochmal laufen wollen, aber vielleicht finde ich ja mal eine bessere Route.

 

4 Antworten zu “Zwei Füße und 20 Kilometer später”

  1. Sister Sagt:

    Das ist Fionas Zuhause? Ziemlich krass luxuriös, oder? Mit Pool und so… Da krieg ich ja richtig Bock auf Urlaub!

  2. martin Sagt:

    1. Das Gebäude auf dem Foto ist der Fitnessraum
    2. Sie hat ein Apartment in dem Wohnkomplex, nicht ein ganzes Haus
    3. Das Apartment sieht man auf dem Bild nicht, hat aber Blick auf den Pool
    4. Ist schon nett mit Pool, Fitnessraum und Tennisplatz alles direkt daneben…

  3. scytale Sagt:

    Nicht schlecht Herr Specht! Warum zur Hölle baut man da übrigens so ein unterirdisch (im Sinne von schlecht!!) verzweigtes Straßensystem? Musstest du da am Ende wirklich so einen mega Umweg laufen? Laut Karte sind diese Sackgassen ja tatsächlich alle strikt voneinander getrennt. Wird hier bewusst zwischen gewissen Volksgruppen oder ähnlichem getrennt?

  4. martin Sagt:

    Das ist ne ganz andere Philosophie hier. Der ganze Block ist eine „gated community“, d. h. quasi ein Wohngebiet eines Investors, das durch Zäune von der Umgebung abgegrenzt ist. Der einzige Eingang ist normalerweise das Gate (Tor), wo man sich mit einer Karte als Anwohner ausweist.

    Denke der Hauptgrund, das so zu machen ist Sicherheit gegen Kriminalität, vor allem da hier alles ein bisschen weiter auseinander liegt. Das hat nichts mit Rassismus oder so zu tun, jeder kann sich da eine Wohnung mieten. Die Wohngemeinschaft ist aber halt nach außen abgeschirmt. Kann man als Europäer merkwürdig oder schrecklich finden. Aber scheint den Leuten zu gefallen hier.