Archiv für Mai 2011

Einkaufen beim Aldi um die Ecke

Montag, 23. Mai 2011

Zwar wusste ich schon vom Hörensagen, dass es Aldi in den USA gibt, und ich hab auch schon mal einen an der Ostküste im Vorbeifahren gesehn, doch war ich überrascht, als ich in der Aldi-Broschüre im Briefkasten sah, dass es einige Filialen in Atlanta gibt – Eine sogar quasi um die Ecke (5 min mit dem Auto). Da lebt man zwei Jahre in einer Stadt und der Aldi weiß sich so gut zu verstecken…

Interessant an Aldi in den USA: Er ist genau wie in Deutschland, nur dass die Produkte zu 90% amerikanisch sind. „Wie in Deutschland“ im Gegensatz zum typischen amerikanischen Supermarkt heißt: Für den Einkaufswagen einen Quarter Pfand einwerfen; Layout des Ladens genau wie in Deutschland (nicht so offen wie die amerikanischen); wöchentliche Specials; keine Kreditkarte zum Bezahlen; keine Plastiktüten. Was Aldi im Gegenzug verspricht, sind niedrige Preise bei guter Warenqualität. Wie gut das alles bei den Amis ankommt, kann ich schlecht sagen. Im Laden waren aber schon einige Leute unterwegs.

Bei mir kommt das jedenfalls super an: Zu den nicht-amerikanischen Produkten gehören Choceur Schokolade  für $1.50 (In einem amerikanischen Supermarkt gibt’s einfach keine gute Schokolade unter 2 Dollar), Haribo Gummibärchen und Colafläschchen für  87 Cents (Walmart: $1+) und deutsche Weine (Mosel Riesling $4.99). Andere Schnäppchen sind der Jogurt für 35 Cents (Der amerikanische Standardjogurt Yoplait ist inzwischen bei 50+ Cents), 2 Liter Aldi-Cola für 59 Cents (Walmart-Cola ist so 80-90 Cents), und auch die Obstabteilung scheint ganz gut zu sein. Fiona fand eine riesige Wassermelone für $3.99, die die geschmackvollste  seit langem gewesen sein soll.

Was etwas enttäuschend abschnitt sind die restlichen Milchprodukte: Die Milch ist relativ teuer verglichen mit Walmart; der Käse ist günstig, aber nur amerikanische Produkte. Hätte mir da einen guten Weichkäse o.ä. gewünscht. Auch bei der Wurst herrschen leider nicht im geringsten deutsche Verhältnisse, was die Auswahl angeht. Beim Brot ebenfalls nur amerikanisches Sortiment, das aber im Geschmacks- und Preisvergleich zu anderen Läden sehr gut abschneidet.

Also alles in allem bin ich sehr glücklich, diese Entdeckung gemacht zu haben und werde mit Sicherheit bald wieder vorbeischauen. Ob es dann — bei aller Ähnlichkeit zum heimischen Aldi — wie in Kleinsachsenheim wird, dass man die halbe Ortschaft trifft und ein Schwätzle hält, das wage ich noch zu bezweifeln.

Nichts ist unmöglich

Sonntag, 08. Mai 2011

Pünktlich zum Jahrestag meines PhD-Beginns bin ich nun mobil: Ein blauer Toyota Corolla Jahrgang 2001 hat die Chance mein guter Freund zu werden. Doch fangen wir von vorne an. In Anbetracht der Vorteile eines neuen Autos (neu, sorgenfrei, hübsch) war ich lange bereit etwas mehr Geld für Anschaffung und Versicherung auszugeben und hatte mir überlegt ein neues Auto zu leasen. In Frage kamen VW Jetta, Toyota Corolla und Honda Civic. Nachdem ich Anfang April die Angebote eingeholt und gegenübergestellt hatte, nahm ich mir aber noch etwas Zeit, da ich das Auto erst ab Mai brauchte.

In der Zeit kam dann die Hiobsbotschaft vom Georgia Tech: $350 zusätzliche Gebühren pro Semester. Das war so nicht eingeplant und ich machte mir erstmals Gedanken über ein gebrauchtes Auto. So besuchte ich verschiedene Autohäuser mit gebrauchten Autos, um zu sehen was da so geht. Was Vernünftiges war aber nicht zu finden. Der Honda-Dealer hatte einen ramponierten Honda Civic mit 180.000 Meilen für $3000, bei dem fast nur noch der Motor zu funktionieren schien. Der 2005er Kia Rio brach gar bei der Testfahrt zusammen und wir schafften es nur noch mit ordentlich Schwung-Holen zurück aufs Firmengelände.

Etwas desillusioniert fand ich dann aber beim Toyota-Dealer online ein recht gutes Angebot (als Basis zum Runterhandeln) für einen Corolla 2003. Derselbe Dealer hatte auch das preis-beste Leasing-Angebot, das ich mir noch in der Hinterhand offen hielt. Bei der Verhandlung über den Preise meinte der werte Verkäufer doch uns für dumm verkaufen zu wollen: Um seinen hohen Startpreis und seinen ach so tollen Rabatt glaubhaft zu machen, zeigte er uns den empfohlenen Preis auf Kelly Blue Book, einer unabhängigen Webseite zum Vergleichen von Autopreisen. Der empfohlene Preis von $12.000 (ein neuer Corolla kostet $17.000) machte mich stutzig, da ich am Vorabend auf der gleichen Webseite einen Preis von $9.000 nachgeschlagen hatte. Mit seinem Angebot, meinte der Verkäufer, können wir das Auto kaufen und gleich wieder verkaufen und noch Geld damit machen. Mhm klar… Als ich ihn bat, das Ganze nochmal vor meinen Augen einzutippen, kam ich dahinter: Bei der Eingabe des Kilometerstands setzte er doch tatsächlich einen Punkt zwischen die 76 und die drei Nullen (In den USA ist eigentlich das Komma üblich um Tausenderstellen zu trennen), also 76.000 statt 76000, was bei elektronischen Eingaben natürlich zu 76 Meilen statt 76000 Meilen führt. Da war’s dann gelaufen, ich hatte keine Lust mehr meinen letztes Angebot zu erhöhen und der Verkäufer sah wohl auch ein, dass er da jemanden vergrault hatte.

Aus Trotz bin ich dann zum VW, wo ich nochmal die Details mit der Verkäuferin durchsprach. Dabei stellte sich heraus, dass man einen Lease-Vertrag nicht offiziell auf eine andere Person übertragen kann. Diese Tatsache und meine generelle Enttäuschung über Autoverkäufer gab dann den Ausschlag mich auf dem privaten Markt (craigslist) umzuschauen. Dort fand ich ein Angebot eines Georgia-Tech Absolventen für einen Toyota Corolla 2001 mit 106.000 Meilen. Das Auto ist äußerlich und einer Inspektion nach zu urteilen in ganz gutem Zustand, innen noch etwas dreckig, aber das lässt sich beheben. Froh war ich dann als ich den Batzen Bargeld loshatte und den Schlüssel in den Händen. Dann das böse Erwachen: Der Motor sprang nicht an. Ein Freund des Verkäufers (nicht der Verkäufer selbst) wickelte das Geschäft ab und hatte keine Ahnung. Na Klasse. Dann probierten wir es nochmal. Und er sprang an. Ein ungutes Gefühl blieb zurück. Am nächsten Tag rief der Verkäufer an und erklärte, dass die Ursache das Diebstahlsicherheitssystem ist, das die Zündung ein paar Minuten nach Öffnen des Autos blockiert. Puh…

Mein neues Auto, Toyota Corolla LE 2001

Mein neues Auto, Toyota Corolla LE 2001

Am gleichen Tag ließ ich das Auto dann versichern und registrieren. BSP wie Bruttosozialprodukt sind die Buchstaben meines Nummernschilds, einfach zu merken… Jedenfalls bin ich nun mobil und hoffe das beste, dass mein Toyota mir einen Gefallen tut noch ein paar Tausend Meilen durchhält.