Archiv für die Kategorie ‘Fachliches’

Das Ende – Teil 1: Gestern ein Student

Montag, 01. September 2014

Eine gewisse Entfremdung zwischen mir und meinem Blog in den letzten 2 Jahren kann ich nicht verleugnen. Wobei ich dazusagen muss, dass ich die Schuld ganz auf mich nehme. Mit den Jahren wurde das Abenteuer USA, Georgia Tech, Ph.D., usw. immer mehr zum Alltag, der bewältigt werden wollte und nicht immer einfach war. Daher die wenigen Updates bzgl. meiner Forschung. Im Mai diesen Jahres war dann aber–im Rückblick über die ganzen vier Jahre, muss ich sagen: einem kleinen Wunder gleich–doch der Zeitpunkt gekommen, dass ich den Doktor und damit meine Zeit am Georgia Tech erfolgreich abgeschlossen hatte.

Diese Meldung kommt hier im Blog etwas aus dem Nichts, doch–auch wenn unsere Beziehung in letzter Zeit schwierig war–verdient martinatgt einen klaren Schlussstrich. Dies ist der erste von drei finalen Einträgen. Auch wenn ich das Blogschreiben die meiste Zeit genossen habe, war martinatgt hauptsächlich dafür gedacht (wie der Untertitel schon sagt), von meinem Studium am Georgia Tech zu berichten. Diese Kapitel ist nun abgeschlossen, und es muss definitiv ein neues Format für die Zukunft her, falls es mit dem Blogschreiben weitergehen sollte. Man wird sehen.

LCCV

Laboratory of Computational Computer Vision (LCCV) unter Prof. Yezzi’s Leitung, Juli 2014

Dissertations-Verteidigung

Bei meiner Dissertations-Verteidigung (30. April 2014)

Zum Abschluss also das „Summary“ meines Ph.D.-Studiums: In meinem ersten Jahr (2010-2011) arbeitete ich mit Prof. Tannenbaum an Feuerdetektion in Videos. Leider musste Prof. Tannenbaum 2011 das Georgia Tech verlassen, so dass ich mich thematisch unter meinem neuen Professor, Prof. Yezzi, ein wenig umorientieren musste. Bei diesem, meinem zweiten Thema, ging es um die geometrische Rekonstruktion von Objekten aus Körperschallmessungen. Prof. Fedele arbeitete dabei eng mit mir und Prof. Yezzi zusammen. Leider entwickelte sich das Thema nicht so, wie ich es mir erhofft hatte und einige Rückschläge, wie z.B. dieser , führten zu einer Krisenphase Ende 2012 und Anfang 2013. Prof. Yezzi bot mir in der Folge ein Praktikum bei seiner (ein-Mann)-Startup-Firma Vintinura Imaging Inc. an: Von Juni bis Dezember 2013 arbeitete ich für Vintinura an einem Projekt für Detektion und Tracking von Objekten in Infrarot-Videos. Der schöne Bonus war dabei, dass ich dafür von Juni bis August 2013 von Deutschland aus arbeiten konnte. Im September 2013 schloss ich meinen Proposal ab, wo ich einem Kommitee von Professoren meine drei Projekte (Feuer, Körperschall, Infrarot)  als Forschungsprojekte für meine Dissertation vorstellte. Das erste Viertel von 2014 war dann ganz der Dissertation und meinem zweiten Projekt (wo es noch ein paar Dinge abzuschliessen gab) gewidmet — vermutlich die stressigste, aber auch produktivste Zeit während meines Ph.D. Am 30. April 2014 stellte ich schließlich meine Dissertation mit dem Titel „Physics-driven Variational Methods for Computer Vision and Shape-based Imaging“ meinem Ph.D.-Kommittee  vor, die meine Arbeit ohne größere Kritik annahm. Letztendlich ist das Thema meiner Arbeit eine Familie von Methoden (Variationsmethoden, vor allem active contours), die auf verschiedene Projekte (Feuerdetektion, Bildrekonstruktion, Detektion und Tracking) angewandt wurden.

Das hatte jetzt etwas von einer „Tour de Force“, aber immerhin ist es  für die Geschichtsbücher festgehalten. Würde ich das mit dem Ph.D. nochmal machen? Schwere Frage. Aber vermutlich: ja. Auch wenn kaum etwas so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt hatte; die Lebenserfahrungen, Einblicke in die Welt der Akademia und die fachliche Entwicklung sind meiner Meinung nach unschätzbar. Man kann nur durch Herausforderungen wachsen, und von denen hatte der Ph.D. einige zu bieten, ich wollte es anfangs nur nicht glauben.

 

Ein Bild (Comic) sagt mehr als 1000 Worte

Mittwoch, 18. Juli 2012

Wozu meine gestern in Angriff genommene Literatur-Recherche geführt hat, lässt sich am Besten mit folgendem PhD-Comic (http://www.phdcomics.com) beschreiben.

Quelle: http://www.phdcomics.com

Quelle: http://www.phdcomics.com

Jetzt heißt es erst Mal einen Schritt zurücktreten, durchatmen, and sich bzgl. der Forschung klar machen: Wo bin ich hier, und wohin gehe ich!?

Blitzstart fürs neue Projekt in Ferrara

Donnerstag, 03. November 2011

Wie vor einer Weile schon mal beschrieben (zum Artikel) bin ich seit diesem Semester mit einem neuen Projekt beauftragt, bei dem es darum geht, mittels Schallwellen die Lage und Geometrie von Erdschichten zu bestimmen. Das Projekt ist aber nicht neu, d. h. ein Student names Samuel hat für seinen Ph.D. schon einiges für das Projekt geleistet. Meine Aufgabe ist es, auf seinen Ergebnissen aufzubauen und insbesondere die Problemstellung vom 2 ins 3-Dimensionale zu überführen. Selbiger Samuel kommt aus dem Städtchen Ferrara ca. 30 min von Bologna entfernt, wo er momentan als Post-Doc arbeitet. Um einen möglichst guten Start in das neue Projekt zu bekommen, schlug Prof. Yezzi vor, dass Samuel und ich uns doch für eine Woche treffen könnten, damit Samuel mir persönlich erklären und zeigen kann, was er schon gemacht hat. Natürlich könnte man das auch alles nachlesen, aber es geht doch deutlich einfacher und schneller durch persönliche Interaktion, vor allem beim Programmcode. Sehr wertvoll empfand ich die Tipps und Tricks, die Samuel aus der praktischen (Programmier-)Arbeit gewonnen hatte, und auch die „Historie“ seiner Abschlussarbeit. D. h. ich habe jetzt ein viel besseres Gespür, was mich in den nächsten 2 Jahren erwartet.

Bonus dieser Reise war natürlich der Aufenthalt in Bella Italia. Essen wie immer großartig, super Herbstwetter, und obwohl nicht sonderlich bekannt, hat Ferrara doch einen hübschen Stadtkern mit Kathedrale und Kastell. Leider war ich etwas ab vom Schuss in einem Hostel in einem Wohngebiet untergebracht, so dass meine Mobilität schon recht eingeschränkt war. Zudem ist mein italienisch äußerst begrenzt (Hab trotz 2-stündigem Studium im Flugzeug erstmal Bon Giorno mit Arrivederci verwechselt. Naja, war etwas aufgeregt! 🙂 ), so dass das soziale Leben außerhalb der Arbeitszeiten recht armselig war.

Ferrara - Marktplatz und Kathedrale (rechts)

Ferrara - Marktplatz und Kathedrale (rechts). Auf dem Stüfchen am weißen Turm der Kathedrale ließ sich wunderbar Mittagsschläfchen machen!

Ansonsten bin ich gerade gut mit Vorlesungen beschäftigt. Sowohl Advanced Digital Signal Processing (Fortgeschrittene Digitale Signalverarbeitung) als auch Partial Differential Equations I (Partielle Differentialgleichungen I) im Mathe-Department sind sehr interessant, wenn auch einiges an Arbeit. Der nächste Eintrag geht dann mal wieder ums Essen (Ich liebe Aldi! 🙂 ).

ICIP 2011 in Brüssel

Freitag, 16. September 2011
Gildehaus am Grand Place

Gildehaus am Grand Place

Ich bin hier viel zu früh am Flughafen in Brüssel und hab daher Zeit ein bisschen was zu schreiben. Seit Samstag war ich in Brüssel für die ICIP (International Conference on Image Processing), wo ich mein Poster mit dem Titel „A video analytics framework for amorphous and unstructured anomaly detection“ vorgestellt habe, also die Herangehensweise, die wir zur Feuerdetektion nutzen. Das Poster hat zwar nicht übermaßig viel Bachtung erhalten (Hab es drei Mal erklärt in der 1h 15min langen Session), aber die Gespräche liefen erstaunlich gut, kein Widerspruch und die Leute taten zumindest so als würden sie den Nutzen erkennen. Das tat ich zwar auch bei einigen Postern, wo ich nur Bahnhof verstanden hab, aber ich bin jetzt einfach mal selbstbewusst und denke, dass ich ganz gut erklärt habe. Bei einigen bis vielen Postern kann ich das nicht wirklich sagen. Oft standen nicht die eigentlichen Autoren am Poster, die dann auf Nachfragen entweder das Poster vorgelesen haben oder der Frage (bewusst oder unbewusst) auswichen. Oft hatte ich ganz grundlegende Fragen, wie z. B. „Was ist ‚Total Variation‘ und wofür wird es verwendet?“. Das Poster war dann darüber wie man diese Methode verbessert usw., aber ich musste ja erst mal verstehen, was die Grundlage ist. Die Antworten waren oft unverständlich für mich, was eigentlich verwunderlich ist, da man ja doch erwarten kann, dass jemand, der auf einem Gebiet forscht, auch die Grundlagen so verinnerlicht hat, dass er einen gewissen Kontext herstellen kann und nicht nur die Schritte seines Poster erklären kann. Manchmal war wohl auch die Sprache eine Barriere. Aber es gab auch gute Gespräche.

Mein Poster bei der ICIP2011

Mein Poster bei der ICIP2011

Die drei Präsentationen (Lecture), die ich mir angehört habe, fand ich eher enttäuschend. Einer war sprachlich unverständlich, der andere war viel zu fortgeschritten für mich; immerhin bei einem hab ich einigermaßen verstanden worum’s geht, aber den Beitrag (Contribution) hab dann doch auch nicht ganz erfasst. Ich war natürlich auch nicht mit dem Thema so richtig vertraut, aber die Poster/Präsentationen, die mit der eigenen Forschung zu tun haben sind halt schon sehr wenige, hatte ich das Gefühl. Insgesamt trotzdem eine sehr gute Erfahrung, mal zu sehen wie in der Bildverarbeitung geforscht wird, auch wenn ich mir persönlich manchmal mehr ein „Tutorial“ als eine „Forschungspräsentation“ gewünscht hätte.

Blick vom Konferenzgebäude auf Brüssel

Blick vom Konferenzgebäude auf Brüssel

Natürlich war auch genug Zeit, was von der Stadt zu sehn. Die Familie war von Samstag bis Dienstag zu Besuch und so machten wir einige der touristischen Aktionen zusammen. Highlights in Brüssel: Das Comic-Museum ein Muss für mich im Heimatland von Comics wie Tim und Struppi (Tintin), Lucky Luke oder die Schlümpfe, die alle meine Kindheit geprägt haben. Französischkenntnisse sind aber von Vorteil; der deutsche/englische Guide übersetzt nicht die Dialoge in den ausgestellten Comics.

Atomium

Atomium

Manneken Pis

Manneken Pis

Weitere Sehenswürdigkeiten im Schnelldurchlauf: Das Atomium, 1958 zur Expo erbaut, symbolisiert den Eintritt in das nukleare Zeitalter. Warum der Bube „Manneken Pis“ pinkelt ist umstritten. Eine Theorie besagt, er stelle einen Königssohn dar, der Mitten im Schlachtfeld an einen Baum pinkelte und so seinen Mut bewies. Der „Grand Place“ prunkt mit den verzierten Gildehäusern und dem Rathaus, sehr beeindruckend. „Place Royal“ steht im Zeichen der Könige mit dem Königspalast und der Statue eines Königs während der Kreuzzüge. Viele schöne Kirchen schmücken die Stadt. Die kulinarischen Spezialitäten sind klasse: Pommes, Schokolade, Bier, Muscheln,…  Brüssel hat mir sehr gut gefallen, Atmosphäre ähnlich wie Paris, aber etwas heimelicher. Nur mit dem Französisch muss es noch besser werden in der Zukunft, damit ich mich wirklich wohlfühlen kann.

Neues Semester, neuer Prof, neues Projekt

Dienstag, 09. August 2011

Nicht nur die historische Kreditabstufung der USA am vergangenen Wochenende schafft hier neue Verhältnisse. Auch in meiner PhD-Laufbahn gibt’s nicht geringe Neuigkeiten: Zum neuen Semester (es ist mal wieder Fall) bekomme ich nicht nur ein neues Projekt (was ich schon seit einer Weile wusste), sondern auch gleich einen neuen Professor! Mein bisheriger Advisor, Prof. Tannenbaum, wird diesen Monat an das Boston College wechseln. Zum Glück wurden wir Studenten dabei nicht vergessen und es wurde mir — Die meisten Lab-Kollegen, die schon länger dabei sind, wurden angehalten schnell abzuschließen — ein neuer Professor zugeteilt. Zusammen mit Prof. Yezzi, der an ganz ähnlichen Themengebieten forscht wie Prof. Tannenbaum, werde ich die nächsten (und wahrscheinlich(!) letzten) 2-3 Jahre meines PhD-Studiums verbringen.

Vor einer starken Woche habe ich mich mal mit Prof. Yezzi, bei dem ich übrigens den Kurs „PDEs in Computer Vision and Image Processing“ im letzten Frühling gehört habe, getroffen und über das künftige Forschungsprojekt gesprochen. Im Großen und Ganzen bin ich sehr glücklich über das Projekt, da es in nahezu unglaublicher Weise das alles vereint, was ich bisher im PhD über Computer Vision als auch im Master/Diplom über Mechanik gelernt habe. Das Ziel ist es, die Lage und Geometrie von Erdschichten durch seismische Schallmessungen an der Erdoberfläche zu bestimmen. Während der traditionelle Ansatz FEM-Simulationen verwendet, gehen wir das Problem mit einer Mischung aus BEM und Active Surfaces an. Letzteres ist dabei die eigentliche Neuigkeit. Active Surfaces sind im Prinzip „dynamische Flächen“, die in unserem Fall die Schnittstelle zwischen zwei Erdschichten definieren. Am Anfang wissen wir natürlich nicht, wie die Schnittstellen aussehen, d.h. man rät einfach mal, wo sie sein könnten. Das Ziel ist dann, die Active Surface so zu verändern, dass ein Fehlermaß aus gemessenem und simuliertem (BEM mit der aktuellen Active Surface)  Oberflächenschall garantiert kleiner wird, also ein Gradientenfluss für das Fehlermaß generiert wird. Nach einer gewissen Anzahl von Iterationen sollte das Fehlermaß sich auf einen Wert einpendeln und die dann aktuelle Active Surface eine gute Näherung für die tatsächlichen Schnittstellen der Erdschichten repräsentieren. Der Vorteil gegenüber FEM-Methoden ist die Tatsache, dass Active Surfaces sehr effizient mit Level-Set-Methoden implementiert werden können, so dass nicht jeder Knotenpunkt einzeln verschoben werden muss wie bei FEM.

Während ich sehr glücklich über die Thematik bin, macht mich die voraussichtlich hohe Programmierintensität noch etwas vorsichtig in meinem Überschwang. Bin gerade dabei mir C++ anzueignen, was aus Gründen der Geschwindigkeit über Matlab bevorzugt werden wird. Also mal schauen, ob mich das Projekt doch noch zu einem passablen Programmierer macht…

Das Feuerprojekt — im Blog lange vergessen, wie mir scheint — ist übrigens abgeschlossen. Wir konnten am Ende ganz passabel Feuer detektieren und nun steht noch aus, ein Journal Paper daraus zu  machen.

Voraussichtliche Vorlesungen für das Fall Semester: „Advanced Digital Signal Processing“ und „Pattern Recognition with Application to Speech“, beide wohl eher weniger hilfreich für das neue Projekt, aber muss noch ein paar Credits holen…

 

Schnee zum neuen Semester

Montag, 10. Januar 2011

Gestern Abend bin ich wieder wie geplant nach Atlanta zurückgeflogen. Raus aus dem Flughafen, und: Schnee…. Heute Nacht hat es dann durchgeschneit und draußen ist nun alles schön weiß. Campus geschlossen. Über Schnee kann man sich diesen Winter nicht beklagen.

Heute hätte ich meine erste Vorlesung in „PDE (Partielle Differentialgleichungen) in Computer Vision“ gehabt, doch die fällt nun aus. Desweiteren werde ich noch „Optimal Control“ sowie ein Communication Pflichtseminar hören. Bis Mai wird auf jeden Fall auch das Feuerdetektionsprojekt noch weiterlaufen,  so dass es bestimmt nicht langweilig wird. Hoffen wir, dass das Semester weniger holprig wird als der Start.

NACHTRAG: Der Campus war übrigens die ersten vier Tage geschlossen aus diesem Grund:

Mein Tischtennisschläger

Freitag, 24. September 2010
Mein Tischtennisschläger

Mein Tischtennisschläger

Mein Tischtennisschläger muss eine Seele haben. Gestern Nachmittag begab ich mich auf die Suche nach einem neuen Schläger, da ich mit meiner Tischtennisperformance nicht ganz so zufrieden war und mal wieder was neues ausprobieren wollte. Und dann, gestern Abend bei den Tryouts für das College Team scheint alles wie von alleine zu laufen. Es ist lange her, dass ich so gut gespielt habe und habe das Turnier, das aus ca. 50 Teilnehmern bestand, gewonnen. Mein Tischtennisschläger muss was geahnt haben, dass es an der Zeit war sein wahres Können zu beweisen… Ich kann mich nun wohl kaum nach diesem Abend von ihm trennen.

Umso erstaunlicher war dieses Ergebnis angesichts des universitären Stressfaktors in den letzten Wochen. Wie schon mal angekündigt bereite ich mich auf die Vordoktorprüfung am 18. Oktober vor, die ich möglichst bestehen sollte, um Zeit-, Geld- und Freizeitverlust zu vermeiden. Zudem arbeite ich weiter am „Feuer- und Rauchprojekt“, das aber gerade weniger Raum einnimmt. Etwas nervig ist die Tatsache, dass ich aus bürokratischen Gründen zwei Kurse (eigentlich drei, aber eine konnte ich herumtricksen) belegen muss, so dass ich nun in „Digital Image Processing“ und „Differential Geometry I“ sitze. Letzteres ist einfach nur – krass. Die andere Vorlesung ist bis jetzt noch nicht allzu spannend, soll aber auch lediglich zum Erreichen der Mindestanzahl an nötigen Vorlesungen beitragen.

Ende Semester 1 – Stand des Projekts

Sonntag, 01. August 2010

Puh… Das erste Semester ist vorbei. Gerne würde ich Urlaubsfotos oder ähnliches zeigen, doch war es in letzter Zeit nicht möglich das Material dafür zu beschaffen. Neben den Hilbert-Räumen, die nun abgeschlossen sind (Mathematikkenner: bitte die Zweideutigkeit beachten), war ich sehr mit dem Forschungsprojekt beschäftigt.

Weiterhin ist es unsere Aufgabe, Feuer und Rauch in Videosequenzen zu erkennen.  Vor drei Wochen hatten wir ein eintägiges Treffen mit den Sponsoren des Projekts, die aus Connecticut einflogen. Dabei bekam ich endlich auch den gesamten Hintergrund des Projekts mit: Wir sind Teil eines Projekts, das ein Rauch-/Feuerdetektionssystem auf den Markt bringen will. Während sich andere Gruppen um die Konstruktion der Kamera kümmern, sind wir für die Videoanalyse zuständig. D. h. wir gehen davon aus, dass wir eine Videosequenz mit bestimmten Eigenschaften (Bildrate, Qualität,…)  haben und entwerfen dafür Algorithmen, die Feuer/Rauch entdecken sollten.

Prinzipiell ist die Herangehensweise momentan folgende: Wir extrahieren Merkmale aus den Bildern, wie z. B. Farbwerte und Bewegungsinformation zwischen zwei Bildern, und füttern damit ein neuronales Netz, das im Idealfall intelligent genug ist, anhand der Eingangsmerkmale zu erkennen ob es sich um Feuer/Rauch handelt oder nicht.

Ein neuronales Netz muss allerdings erst einmal trainiert werden, d. h. man muss ihm sagen, was Feuer/Rauch ist, und was nicht – Im Prinzip wie ein Baby, das erst einmal lernen muss, was für Erwachsene selbstverständlich ist. Dazu haben wir einen undergrad-Studenten engagiert, der auf Bildern händisch Feuer/Rauch markiert. Geht leider nicht anders. Denn wenn es schon ein zuverlässiges Gerät gäbe, das das kann, dann müssten wir ja nicht mehr forschen. Diese markierten Bilder nutzen wir, um dem neuronalen Netz zu sagen, was Feuer ist und was nicht, so dass wir ein trainiertes, fertiges Netz erhalten. D. h. wenn wir ihm jetzt neue Bilder zeigen, ist es anhand des Erlernten einigermaßen gut in der Lage zu sagen, wo Feuer/Rauch ist.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Wahl der Merkmale, die wir aus den Bildern extrahieren. Wir glauben, dass man anhand der dynamischen Bewegung am ehesten Aussagen treffen kann und konzentrieren uns daher auf Berechnungen des „optischen Flusses“. Das wird dann mal noch ein eigener Blogeintrag. Die Zeit drängt ja nicht…

Ausblick vom Lab

Ausblick vom Lab

Wenn es schon keine Urlaubsbilder gibt, dann wenigstens den täglichen Ausblick von meinem Arbeitsplatz. Viele Grüße und schöne Sommerferien!


Intro to Hilbert Spaces – Midterm Exam

Montag, 21. Juni 2010

Der letzte Eintrag liegt einige Zeit zurück, und das hat verschiedene Gründe. Zum einen ist in letzter Zeit nicht viel Spannendes passiert, und zum anderen bin ich ganz gut eingespannt mit dem Forschungsprojekt und dem Mathekurs. Und dann kommt natürlich noch diese  WM dazu, die am Tag zwischen 2 und 3 Fußballspiele Zeit raubt…

Das Summer Term ist ein wenig kürzer als Fall und Spring, und daher war dieses Wochenende schon die Midterm Exam in Introduction to Hilbert Spaces auf dem Plan.  Freundlicherweise wurde diese als Take-Home-Exam ausgegeben, d.h. man darf die Aufgaben übers Wochenende zu Hause lösen, was bei einem Mathekurs, wo nahezu jede Aufgabe mit „Prove that…“ oder „Show that…“ beginnt, erheblich den Zeitdruck mindert. Glücklicherweise waren die Aufgaben nicht so umfangreich und anspruchsvoll wie die Hausaufgaben, die mich wöchentlich schätzungsweise 16 Stunden kosten.

Anlässlich des Midterms möchte ich kurz zusammenfassen, was wir bisher gelernt haben. Letzte Woche sind wir bei der Definition des Hilbert-Raums angelangt:

A complete inner product space is called a Hilbert space.

Zu deutsch:

Ein vollständiger Skalarprodukt-Raum heißt Hilbert-Raum.

Sagt eigentlich alles… 🙂 . Ganz kurz gesagt: Ein vollständiger Raum ist ein normierter Raum (d.h. ein Vektorraum, auf dem eine Norm definiert ist),  in dem jede Cauchy-Folge konvergiert. Ein Skalarprodukt-Raum ist ein Vektorraum, auf dem ein Skalarprodukt definiert ist. Jeder Skalarprodukt-Raum ist ein normierter Raum.

Dies gibt einen kleinen Einblick in den Ablauf des Kurses: Manchmal frustrierend, wenn man voll lauter Abstraktion die Zahlen nicht mehr sieht, aber trotzdem spannend, wenn man kapiert, worum es geht. Vor allem ist es einmal schön zu sehen, wie diese Theorien aufeinander aufbauen und wo man diese ganzen „schon mal gehört“-Begriffe wie kompakt, vollständig oder Banach-Raum einzuordnen hat.

Aber genug davon… Ich mach jetzt Abendessen, Geschnetzeltes vom Huhn auf Reis mit Sahnesauce. Da kann sich wenigstens jeder was darunter vorstellen…

Die erste Woche als Ph.D.-Student

Mittwoch, 19. Mai 2010

Seit vergangenen Freitag darf man mich wieder als arbeitenden Menschen bezeichnen; da hab ich mich nämlich mit Professor Tannenbaum getroffen, um uns auf ein zukünftiges Projekt zu verständigen. Mit schwarzem Humor stellte er mir die Frage, ob ich lieber Menschen töten (Visual Tracking, Militärprojekte) oder heilen (Medical Imaging) will – die Methoden und die Mathematik dahinter seien bei beiden ähnlich.  Schon eine recht grundlegende Frage… Als ich dann ein bisschen über meinen Hintergrund geredet habe (Ultraschall, Kontinuumsmechanik,…) stellte Prof. Tannenbaum dann aber noch eine dritte Variante vor: Tracking von Feuer und Rauch für Sicherheitssysteme z. B. in Gebäuden, ein Projekt, das von der amerikanischen Homeland Security unterstützt wird. Das Schöne dabei ist, dass es direkte Bezüge zu kontinuumsmechanischen Konzepten gibt. D. h. zum Erfassen des Feuers/Rauchs werden nicht nur typische Bildeigenschaften wie Farbe oder Helligkeit verwendet (Sonst könnte man ja ein orangenes T-Shirt für Feuer halten), sondern auch partielle Differentialgleichungen, die die Flammen-/Rauchausbreitung beschreiben. Momentan bin ich natürlich noch mitten im Lesen von Grundlagen und Papern. Wenn das Ganze mal ein bisschen fortgeschritten ist, kann ich versuchen, das genauer zu beschreiben.

Neben diesem Projekt besuche ich einen Kurs, Introduction to Hilbert Spaces, der, man höre und staune, eine Einführung in Hilbert-Räume gibt. Bis jetzt sind wir noch nicht so weit, aber wenn ich es noch recht (aus HM4?) weiß, ging es da viel um Funktionalanalysis. Meine offensichtliche und evtl. verwunderliche Uninformiertheit erklärt sich darin, dass im Sommer kaum Kurse angeboten werden und dieser somit quasi die einzige sinnvolle Wahl war. D. h. ich lasse mich einfach mal überraschen, was alles auf mich zukommt. Die erste Vorlesung war gut zu verstehen.

Für Vorbereitungen für die Preliminary Exam, also die Vorprüfung zum Doktorabschluss (eigentlich bin ich noch gar kein Ph.D.-Student, solange ich diese Prüfung nicht geschafft habe…), die ich gerne im Oktober einmal probieren würde, habe ich noch keine Zeit gefunden, aber das ist nun hier für jeden (vor allem für mich) sichtbar vermerkt, dass dies bald  zu tun ist.

PS: brandaktuell – http://www.bme.gatech.edu/groups/bil/people/Martin.Mueller/Martin.Mueller.html