Archiv für die Kategorie ‘Atlanta & Umgebung’

Bill Clinton for Martin

Donnerstag, 20. November 2008

Da denkt man die Wahlen sind rum, aber denkste – hier in Georgia wird immer noch gewählt und zwar für den U.S. Senate, nachdem es am großen Wahltag keinen absoulten Sieger gab. Der amtierende republikanische Senator Saxby Chambliss tritt gegen den demokratischen Kandidaten hierzulande, Jim Martin, an. Um dessen Wahlkampf zu unterstützen gab heute Abend bei einer „rally“ (Wahlkampfmotivationsveranstaltung für Wahlkämpfer) kein geringerer als President Bill Clinton eine Rede auf dem Campus der Clarke Atlanta University, der jeder beiwohnen konnte, der Lust hatte; so auch Frederik und ich.

Bill Clinton in Atlanta

Bill Clinton in Atlanta

Martin for U.S. Senate

Martin for U.S. Senate

Nach langer Parkplatzsuche standen wir schließlich vor einer ca. 200m langen, etwa 3 Personen breiten Schlange. Das Warten wurde durch Wahlhelfer „erleichtert“, die mit Formularen herumliefen, auf denen man sich offiziell als Wahlhelfer eintragen konnte. Unwissend, ob sie uns auch reinlassen würden, wenn wir uns da nicht eintragen, haben wir es einfach mal gemacht. Für einen bestimmten Einsatzort wollte ich mich aber noch nicht festlegen 🙂 . Und plötzlich, löste sich die Schlange auf und alle liefen zu einem Podium, quer über eine Wiese. Wahrscheinlich war die Schlange nur dafür da, um die Leute möglichst geordnet mit Formularen zu versorgen… Jedenfalls hatte Bills Maschine wohl Verspätung, doch nach 1,5 Stunden durften wir dann doch eine ca 10 minütige Rede des beliebten Präsidenten hören. Im Wesentlichen ging es ihm darum, dass man im Senat eine Brücke schaffen soll, indem 60% der Sitze demokratisch sind, damit Obama möglichst handlunsgfähig ist (Mit 40% kann man wohl bestimmte Gesetze blockieren). Die Warterei hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das Schild hab ich übrigens von einem Gewerkschafter der AFL-CIO erhalten. Hab es pflichtgemäß auch zwei, drei Mal hochgehalten, um nicht allzu sehr den Anschein eines Souvenirjägers zu erwecken…

„Tracing the limits of language with Jazz…“

Montag, 17. November 2008

Ja, es gibt tatsächlich mal wieder etwas nicht-Universitäres zu berichten. Gerade ist ein bisschen Luftholen vor den Final Exams im Dezember möglich. Zunächst spielten am Freitag die GT-Basketballer ihr erstes Saisonspiel gegen die Mannschaft aus Winston-Salem und haben recht deutlich 92:47 gewonnen. Die Halle auf dem Campus, das „Alexander Memorial Coliseum“, bietet über 9.000 Sitzplätze, ganz voll war es aber nicht. Die glorreichen Zeiten von 2004, als sie das Finale der natiolen Ausscheidung erreichten ist wohl vorbei. Neben den gewohnten Showeinlagen der kleinen Marching Band (diesmal ohne Marching) und den Cheerleaders konnte man als Europäer wenigstens auch ein bisschen was mit der Sportart anfangen.

Basketball: GT vs Winston-Salem

Basketball: GT vs Winston-Salem

Am Samstag Abend folgte ein recht spontaner Besuch eines Konzert des Trios um Brad Mehldau, der laut Wikipedia „als einer der wichtigen Jazzpianisten der letzten Jahrzehnte gelten“ kann. Umso überraschter war ich zunächst, dass das Konzert ca. 1 Stunde nördlich von Atlanta in einem kleinen Militär-College für umsonst stattfinden sollte. Aber der Insider-Tipp hatte sich als hervorragend herausgestellt! Vielleicht um die 100 Leute waren in dem kleinen Saal, in dem dann wirklich Jazz vom feinsten geboten wurde (Soweit ich das beurteilen kann). Treffend beschrieb Mehldau seine Musik in einer Ansage während des Konzerts (sinngemäß) : „Das Lied hat noch keinen Namen. Wir müssen dann halt einen vergeben, wenn wir das Lied aufnehmen. Das ist dann wie eine Erkundung der Grenzen der Sprache durch Jazz.“ Hört es euch am besten selbst an (Brad Mehldau Trio – O Que Sera).

Und gestern war das zweite Regional Tournament im Tischtennis. Da viele wegen Lernstress fehlten, konnte ich diesmal alle Spiele mitmachen. Und falls ich mich hier selbst loben darf (ich war ja beim letzten Bericht übers TT auch selbstkritisch 😉 ) war das seit langem wieder mal eine tolle Leistung. Habe im Einzel nicht einen Satz abgegeben, wobei es zugegebenermaßen auch nur zwei gleichwertige Gegner gab. Durch unsere niederlagenfreie Bilanz im Team haben wir uns damit für die nationalen Meisterschaften nächstes Jahr in Minnesota qualifizert! Ein Erfolg, von dem unsere Footballer und Basketballer momentan nur träumen können 🙂 . Tischtennis ist natürlich auch nicht so die Sportart Nr.1 hier. Jetzt müssen wir nur noch einen Sponsor finden, der uns die Kosten ein wenig erleichtert. Hätte nicht ein geneigter Leser den Willen dazu?

Regional Tournament und Rundflug

Donnerstag, 09. Oktober 2008

Eigentlich hab ich morgen meine letzte Midterm für diese Woche, aber da der Prof uns zugesichert hat, dass er noch nie eine so großzügige („generous“) Klausur entworfen hat, ist meine Motivation zu lernen gerade eher gering, und schreibe lieber hier was.

(Teil-)Gruppenbild des GT Teams

(Teil-)Gruppenbild des GT Teams

Am Samstag war das regionale Tischtennisturnier im Stadtteil Decatur. Wie waren mit 4 Mannschaften (Varsity, 2 Junior Varsity, Damenteam) vertreten und damit zahlenmäßig den Unis Georgia State, Univ. of Georgia, Emory und Auburn klar überlegen. Auch spielerisch konnten wir dominieren und haben alle Spiele gewonnen. Ich konnte zwar nur in einem Spiel einen Einzeleinsatz feiern, das ich klar mit schwacher Leistung gegen einen schwachen Gegner gewinnen konnte. Das Doppel mit einem unserer Chinesen ging leider verloren, aber da war das Spiel eh schon entschieden. Die Organisation unseres Coaches, der gleichzeitig Turnierleiter war,  war ziemlich konfus („wer spielt wann wo gegen wen???“), aber irgendwie haben sich dann doch alle gefunden. Nach dem Turnier waren wir noch indisch essen, was bei Betrachtung des Gruppenbilds nicht allzu viel Verwunderung hervorrufen sollte. Kundenorientierung ist in den USA auf jeden Fall spitze – so saßen wir mit unseren Trickots und ungeduscht in diesem Restaurant, wo wir von Kellnern mit Schlips umsorgt wurden. Ein bisschen unwohl fühlte ich mich dabei schon…

Vor dem Abflug (Dominik und ich)

Vor dem Abflug (Dominic und ich)

Der Höhepunkt des Wochenendes folgte am Sonntag. Zum Mittagessen trafen Magnus und ich uns beim Grillen des WSF, um danach ein wenig für die Midterm im Managment Kurs am Montag zu lernen. Was anfangs auch wie geplant verlief, bis Dominic anrief und fragte, ob wir nicht Lust auf einen Rundflug über Atlanta hätten. Sein Mitbewohner Gatien ist Hobbyflieger und sucht noch zwei Leute. Nach anfänglichem Zögern, angesichts der anstehenden Prüfung und der Kürze der Zeit, entschlossen wir uns dann doch für das Unvernünftige. Und die Entscheidung war definitiv richtig!

Blick Richtung Westen

Blick Richtung Westen

Doch noch ein Bild von "Six Flags over GA"

Doch noch ein Bild von "Six Flags over GA"

Nach halbstündiger Fahrt waren wir bei einem kleinen Flughafen westlich von Atlanta, wo das Georgia Tech 2 oder 3 kleine Maschinen stehen hat, die man mit Flugschein für um die 100$ pro Stunde mieten kann. In etwa 1000m Höhe flogen wir dann östlich über Atlanta Downtown, zum Stone Mountain, von dem ich ja schon berichtet habe. Nachdem wir dort gewendet hatten, fragte Gatien, ob wir Lust auf einen zero-gravity Flug hätten. Nach kurzem Anfragen ob des Piloten Fähigkeiten, stimmten alle mehr oder weniger laut zu: Kurzes Schwungholen durch Sinkflug, Steil nach oben und fallen lassen… Unwissend wie uns geschieht, schwebten für zwei Sekunden alle Gegenstände im Flugzeug durch die Luft, und wir waren derart überrascht, sammelten so viel wie möglich ein und da wars auch schon wieder vorbei – Grandios!

Atlanta Downtown

Atlanta Downtown

Rückflug dann von Nord nach Süd über Downtown, eine kleine Runde übers Georgia Tech und Homepark, schließlich zurück zur Landebahn. Alles in allem 40 Minuten. Was aus einem Lernnachmittag alles werden kann!

Der grüne Fleck ist Homepark

Der grüne Fleck rechts oben ist Homepark

So, dann schau ich mal noch ein bisschen was in „Linear Elasticity“ an, bevor uns Larry nachher zum Abendessen einlädt anlässlich von Michaels Abschied, der morgen nach Deutschland zurückkehrt. Von den Midterms werd ich dann nochmal gesondert berichten.

Benzin-Krise in Atlanta

Dienstag, 23. September 2008

CNN berichtete jüngstens über Atlanta („Atlanta gas crunch“), allerdings nicht gerade Erfreuliches: Seit gestern sind fast alle Tankstellen benzinfrei, und die, die noch welches haben, verlangen z.T. 5$ pro Gallone (normal um die $3,90) und man muss mindestens ein Stündchen anstehen. Laut dem Artikel ist die Knappheit auf „Ike“ zurückzuführen, der bei einigen Raffinierien in Texas zu geringerer Auslastung geführt hat. Momentan trifft uns die Krise nicht sehr, aber wenn’s mal wieder ans Einkaufen geht, wär ein wenig Benzin nicht schlecht. Unser Tank ist nämlich fast leer. Hätte man das am Freitag schon gewusst….

World of Coca Cola

Montag, 22. September 2008

Dieses Wochenende war mal wieder ein wenig Tourismus auf dem Plan. Am Freitag Abend war von 6 bis 12 nachts der Freizeitpark „Six Flags Over Georgia“ in Atlanta nur für Georgia Tech Angehörige geöffnet – für 13$ ein Erlebnis, das ich mir nicht entgehen lassen wollte. Im Unterschied zu Europa ist hier alles auf Achterbahnen ausgelegt – bestimmt über zehn „Thriller“-Rollercoaster. Anfangs war sehr wenig los und wir konnten gleich vier, fünf mal ohne Warten fahren, z.B. den Superman: Man sitzt erst normal im Sitz, der dann um 90 Grad nach vorne gekippt wird, so dass man wie Superman durch die Luft fliegt. Sehr cool war auch „Ninja“ und „Batman“, für den man dann aber schon 1 Stunde warten musste. Extrem auch die zwei Holzachterbahnen, die gigantische Erschütterungen am ganzen Körper auslösen, und einem Angst und Bange machen, ob das Ding auch wirklich sicher ist… Zum Abschluss dann noch anstehen für „Goliath“ die höchste Bahn im Park mit 61m Höhe. Bilder hab ich zugunsten des Fahrspaß leider keine gemacht.

World Of Coca Cola (vorne), Westin Hotel (hinten)

World Of Coca Cola (vorne), Westin Hotel (hinten)

Gestern waren Frederik, Michelle, Bruce (eine Chinesin aus unserm Lab und ihr Freund) und ich im touristischen Herzen Atlantas. Zunächst das „World of Coca Cola„, das nahe des Ortes, wo John Pemberton 1886 die Cola erfand, errichtet wurde und die Marke in ein seehr gutes Licht rückt: Historische Plakate, Coco-Cola-Kunst, die besten Werbespots, ein 4D-Kino und natürlich die Probiermeile, wo man um die 60 verschiedene Coke-Produkte testen kann. Ich fand die asiatischen am besten! Am ekligsten war Italien, bitter und sonst undefinierbar… Leider hatten wir nur 10 Minuten Zeit zum Probieren, da das Museum früher schloss als sonst und wir zuvor viel getrödelt hatten, so dass die Soda-Probe recht schnell und anstrengend verlief. Aber wir dürften an einem anderen Tag umsonst mal wieder kommen, sagten sie uns – Vielleicht wenn ich mal richtig Durst und Lust auf eine deutsche Mezzo Mix habe, die es anscheinend wirklich nur in Deutschland gibt.

Der echte Coca Cola Polarbär

Der echte Coca Cola Polarbär!

Bank Of America (vom Westin Hotel aus)

Bank Of America Plaza (vom Westin Hotel aus)

Auf dem Weg zum Westin Hotel, der durch den olympischen Centennial Park führt, machten wir kurz einen Abstecher ins CNN Center. Die Führungen waren hier leider schon geschlossen. Daher nach kurzem Stop in der Eingangshalle weiter zum Westin Hotel, das ein Restaurant und eine Bar in einem der obersten Geschosse hat, so dass man für 8$ Mindestverzehr einen schönen Blick auf Atlanta Downtown bekommt. Wenn man ganz dreist ist, kann man einfach nichts bestellen, was wir uns aber nicht getraut haben.

Das Bank Of America Plaza ist mit 311,8m das höchste Gebäude in Atlanta – und wenn man unbedingt nach Rekorden suchen will – das größte in den USA außerhalb von Chicago und New York 😉 . Bei Nacht ist die Pyramidenkuppel wie ein Weihnachtsbaum beleuchtet, und manchmal ist die Spitze auch gar nicht zu sehen (siehe Bild). Jedenfalls kann man das Gebäude von fast überall in Atlanta sehen und dient daher gut als Orientierung, wenn man mal in der Innenstadt unterwegs ist.

Bank Of America Plaza bei Nebel (vom Campus aus)

Bank Of America Plaza bei Nebel (vom Campus aus)

Weekend Report

Sonntag, 07. September 2008

Ich war letzte Woche fleißig und am Donnerstag deshalb für einen Tag Hausaufgaben-frei, so dass das Wochenende für Gestaltung offen war.  Am Freitag gab es „Grad-Picnic“, wo alle Graduate Studenten zu freiem Burger und Hotdog Essen eingeladen waren. Habe sogar eines von 500 T-Shirts gewonnen – schon der 2. Gewinn nach dem Becher bei der OIE-Welcome Party, eine echte Glücksträhne gerade!

Atlanta Braves vs Washington Nationals

Atlanta Braves vs Washington Nationals

Allerdings war die Zeit beim Grad-Picnic knapp bemessen, da einige von uns Freikarten vom OIE (Office of International Education) für das Baseball-Spiel der Atlanta Braves gegen die Washington Nationals bekommen hatten. Während die Jackets letztens in der College Liga spielen, von der Spielstärke vergleichbar mit Regionalliga, spielen die Braves in der Major League Baseball (MLB), also der 1. Profiliga. Sehr beindruckend fand ich das Aufwärmen, wo sich die Spieler die Bälle mit einer noch nie zuvor gesehenen Präzision zuwarfen. Das Spiel selbst war, ähnlich wie beim Football, etwas länglich zuzuschauen. Im Prinzip läuft das Spiel wie Brennball, nur dass der Schläger (also der, der dann losläuft, wenn er den Ball getroffen hat) recht selten tatsächlich selbigen trifft. Aber so alle 5 Minuten geht es dann doch ab und die Spieler wuseln über das Feld. Ein Highlight auch der Braves Ritus, nach einer gelungenen Aktion den „Tomahawk“ zu schwingen: Zu einer bedrohlichen und eindringlichen Indianermelodie schwingen alle Zuschauer gemächlich aber kraftvoll den rechten Arm auf und ab, um die gegnerische Mannschaft „einzuschüchtern“.

Vor der 80er Party

Vor der 80er Party

Nach drei von neun Innings (nach etwa einer Stunde) ging es aber schon wieder Richtung Homepark, wo eine 80er Party steigen sollte. Was anfangs Probleme aufwarf (Woher 80er Kleidung bekommen? 80er, schrecklich…), wurde dann aber doch zu einem tollen Abend. Für 20 Dollar habe ich mir eine Trainigsjacke, eine Sonnenbrille und eine Mütze im 80er Stil gekauft (waren dazu extra in einem alternativen Shoppingviertel) und einmal in diesem Stil gekleidet findet man sich dann doch sogar in dieses Jahrzehnt ganz gut hinein. „Final Countdown“ war ja schon immer eins meiner Lieblingslieder (eins der wenigen aus den 80ern), aber an dem Abend hat es richtig gefetzt 😉 .

Frederik beim Aufstieg

Frederik beim Aufstieg auf Stone Mountain

Am Samstag waren Frederik und ich im „Stone Mountain Park“. Man zahlt 10$ pro Auto und darf dann dort alles Mögliche machen (Wandern, Fahrrad fahren, Picnic, und gegen Aufpreis Tretboot, Minigolf, Bimmelbahn,…). Das Zentrum ist der Stone Mountain, ein ca. 8 km im Umfang messender Felsklotz, an dessen Nordwand ein Relief ähnlich dem in Mount Rushmore eingemeiselt wurde, das die Südstaatenhelden Jefferson Davis (erster und einziger Konföderiertenpräsident) und seine Generäle Lee und Jackson zeigt. Zunächst bestiegen wir in etwa einer Stunde den Stone Mountain, von dessen Gipfel man die Skyline Silhouette von Atlanta sehen konnte. Unten angekommen erlebten wir die laut Interseite „longest running“ und „largest“ Lasershow der Welt, das „25th Anniversary Lasershow Spectacular“. Mit Musik, Laser und Feuerwerk wurden verschiedene Themen angerissen, z.B. Karikaturen von berühmten Filmen oder Lobeshymnen auf die Heimat und die USA und deren Geschichte. Insgesamt sehr beeindruckend und vor Augen führend wie sehr sich Patriotismus in Europa und den USA unterscheidet!

Vor der Lasershow am Relief

Vor der Lasershow am Relief

Nach dem erlebnisreichen Wochenende ist erst mal wieder schwäbischer Fleiß gefragt. In Digital Signal Processing stehen Hausaufgaben zur diskreten Fourier-Transformation und weißem Rauschen an…

Grüßles nach Deutschland!