Der neue Schlitten der Campus-Polizei

10. Juli 2012

Die allgemeine Geldknappheit im öffentlichen Sektor schein zumindest bei der Campuspolizei noch nicht angekommen zu sein: Stolz wurde uns heute die neuste Anschaffung zur Verbrechensbekämpfung präsentiert: Ein neues Einsatzfahrzeug der Marke Dodge Charger aka „Ich protze gerne mit meinem Auto“.

Neueste Anschaffung der GT Polizei

Neueste Anschaffung der GT Polizei

Anschaffungskosten: Nicht so teuer wie es scheint, aber immerhin $37.000. Wer sich wie ich fragt, wozu man solch ein Auto für die Patrouille auf dem Campusgelände (Autobahnpolizei, okay…) benötigt, dem sei folgende offizielle Erklärung gegeben:

This car’s distinctive look and high visibility will ensure that students, business owners and residents alike can rest assured that the Atlanta Police Department and Georgia Tech Police Department are true partners in preventing crime

Das markante Aussehen und die visuelle Präsenz dieses Autos werden sicherstellen, dass Studenten, Ladenbesitzer und Anwohner beruhigt sein können, dass die Polizei Atlantas und die Georgia Tech Campus-Polizei wahrhaftige Partner bei der Verbrechensverhütung sind.

Na, da bin ich aber beruhigt… 🙂

Tischtennis Nationals in Dallas/Plano, Texas

19. Mai 2012
Mein Doppelpartner Alvin und ich

Mein Doppelpartner Alvin und ich

Ja, es war mal wieder soweit für die Tischtennis College Nationals. Im Vergleich zu Rochester (Minnesota), wo meine beiden letzten Nationals stattfanden, konnte diesmal richtige Vorfreude auf die Örtlichkeit aufkommen: Dallas, Texas, genauergesagt Plano bei Dallas (Plano:Dallas = Ludwigsburg:Stuttgart). Leider hatte sich dieses Jahr (hauptsächlich wegen Regeländerungen im Qualifikationsmodus) weder das Georgia Tech Männer- noch das Frauenteam qualifiziert, so dass mein Kommilitone Alvin und ich, die Reise allein antraten, um im Einzel- und Doppelwettbewerb die Ehre des Georgia Tech aufrechtzuerhalten. Erster Eindruck von Dallas: Verrückte Autobahnen… Wenn man von Deutschland nach Atlanta kommt, sind die Highways schon beeindruckend groß, aber so ein Highwaygewirr und eine Ansammlung von gigantischen Spaghetti-Intersections wie in Dallas hab ich noch nicht gesehn. Ohne Navi, keine Chance… Dass die Highways in Dallas so wuchern hängt vor allem damit zusammen, dass Texas sehr weitläufig ist und sich der Großraum Dallas über ein Fläche von ungefähr 60km x 60km hinzieht. Und das alles muss natürlich gut vernetzt sein, damit auch jeder mit seinem Pick-up Truck schnell von A nach B kommt.

Beim Einchecken im Hotel gab’s etwas Stress (Eine englische Beschreibung des Problems findet ihr hier auf Tripadvisor), aber dafür verlief der erste Tischtennistag am Tag darauf umso geschmierter: Sowohl Alvin als auch ich waren auf Platz 4 von 4 in unserer Gruppe gesetzt und wir schafften es beide auf den 3. Platz. Das reichte zwar trotzdem nur für die Trostrunde, aber trotzdem schon über Soll. Die Sensation gab es aber im Doppel. Zunächst schlugen wir mit einer guten Leistung ein Doppel von der Brown University, das ein Rating von etwa 2000 hatte, unser Rating ist 1650 (Weltklasse ist etwa 3000, Anfänger mit Talent etwa 1000). Doch damit nicht genug. Im Achtelfinale schlugen wir das Doppel Nr.4 des Turniers aus Toronto (Rating 2400) mit 3:0 Sätzen. Einmalig… Im Viertelfinale spielten wir dann zwar gut mit und hatten auch gute Chancen einen Satz oder zwei zu gewinnen, doch reichte es am Ende durch einige leichte Fehler nicht ganz. Trotzdem: Top 8 College-Doppel in den USA, das ist doch was! Am nächsten Tag in der Trost-KO-Runde gewann ich ein Spiel gegen den 4.-Platzierten einer anderen Gruppe, musste mich dann aber im Spiel darauf geschlagen geben. Alvin schaffte es immerhin ins Halbfinale der Trostrunde, was mir ja im Jahr zuvor gelungen war.

Billy Bob's - The world's largest honky tonk

Billy Bob's - The world's largest honky tonk

Soviel zum Tischtennissport, kommen wir nun zum Tourismussport. In den „Stockyards“, einem historischen Wild-West-Viertel, das für Vergnügungszwecke ausgebaut wurde, kann man denn so einige Texas-typische Dinge erleben. Neben Steak-Restaurants, Läden mit allerlei Kram und hübschen Gebäuden befindet sich hier auch das Billy Bob’s, eine ziemlich überdimensionierte Tanzbar mit live-Country. Nicht nur sahen viele Leute dort mit Cowboystiefeln und Kleidung aus wie Cowboys/-girls, sondern es gab auch echte Cowboys zu sehen. In einem Käfig der Größe eines Handballfeldes wurde ein kleiner Rodeowettbewerb ausgetragen: viel Lärm, ziemlich wilde Kühe, und meistens weniger als 2 Sekunden bullriding pro Wettstreiter. Einer hat es dann doch ein paar mehr Sekunden geschafft, dazu ein Video zum Runterladen (8Mb) Bullriding at Billy Bob’s.

Fort Worth Stockyards

Fort Worth Stockyards

Dealey Plaza in Downtown Dallas ist berühmt als Schauplatz des Attentats an J.F. Kennedy. Im Sixth Floor Museum, das früher ein Buchdepot war und dem Attentäter Oswald als Schützennest diente, ist das Leben des 35. Präsidenten der USA interessant aufbreitet. Von seiner Herkunft und Präsidentschaft gelangt man durch eine Schleuse aus schwarzen Wänden mit Bildern der Limousine in den Sekunden des Attentats zur Rekonstruktion des Schützennests mit Blick auf die Elm Street, wo JFK von zwei Kugeln getroffen wurde. Ein schauerliches Gefühl an so einem historisch-tragischen Ort zu stehen. Im Rest des Museums wird die Aufarbeitung und Aufklärung des Attentats präsentiert, die auch nicht ganz unspektakulär ablief: Oswald wurde kurz nach seiner Verhaftung von einem Herrn namens Ruby erschossen, der jedoch nie eine klare Aussage dazu machte und einige Zeit später an Krebs starb. Die Motive bleiben also bis an den heutigen Tag im Dunkeln.

Blick vom Sixth Floor Museum in Richtung Elm Street (Straße in der rechten unteren Ecke)

Blick vom Sixth Floor Museum in Richtung Elm Street (Straße in der rechten unteren Ecke)

Und noch etwas ist mir in Texas aufgefallen: Die Leute dort haben einen krassen Akzent! Also wer echtes Amerikanisch hören will, muss unbedingt mal mit einem Hillbilly aus Texas reden! So viel zu meiner ersten Erfahrung mit dem Staate Texas. Viele Grüße nach Deutschland!

Albert Einstein

15. März 2012

In den letzten Wochen habe ich die Einstein-Biografie von Walter Isaacson gelesen (Dank an Fiona dafür), was gleichzeitig meine erste Biografie überhaupt war. Man denkt sich ja „Einstein, kennt man doch“, aber ich bin stark beeindruckt wie viel Neues eine Biografie mitteilen kann und wie sich mein Bild der Person Einstein geändert hat. Gerade bei Einstein, den man oft nur mit „Genie“ identifiziert, fand ich es äußerst interessant die menschliche Seite zu entdecken. Und auch bezüglich der wissenschaftlichen Errungenschaften ist eine Betrachtung im Kontext der Zeit sehr aufschlussreich: Einstein war definitiv mathematisch sehr begabt und hatte im richtigen Moment die richtige Idee (thinking out of the box), doch war die Relativitätstheorie in Betracht des damaligen Wissen ein logischer (wenn auch gewagter) Schritt und kein „Blitz aus heiterem Himmel“. Meine Schlussfolgerung, was man braucht um in der Wissenschaft groß rauszukommen: exzellentes Handwerkszeug (Fachwissen, Mathematik), einen guten Schuss Kreativität und dann gaaaanz viel Glück.

Neben den informativen und nachdenklichen Passagen über Wissenschaft, Philosophie/Religion und die geschichtlichen Ereignisse, brachten mich Einsteins private Geschichten und geistreichen Kommentare immer wieder zum Schmunzeln. Eine beispielhafte Anekdote aus dem Jahr 1909, die Einsteins unkonventionellen Humor zeigt, übersetze ich hier aus dem Buch:

Einstein bei der Jahresfeier der Gründung der Universität von Genua, zu der sich allerlei Potente und Prominente einfanden: Vergnügt wendet sich Einstein an den Adligen neben ihm und spekuliert über den enthaltsamen Reformationsanführer, der die Universität gegründet hatte. „Wissen Sie, was Calvin gemacht hätte, wenn er noch da wäre?“ Der edle Herr verneint verwirrt. Einstein antwortet, „Er würde einen großen Scheiterhaufen errichtet und uns alle wegen sündhafter Schlemmerei verbrannt haben.“ Der Adlige sprach kein Wort mehr mit Einstein.

Wie erkennt man einen Deutschen beim Einkaufen?

11. Januar 2012

Letztens an der Walmart-Kasse wurde ich gefragt „Are you German?“, als ich mit zwei Päckchen Rahmspinat auschecken wollte. Es stellte sich heraus, dass die Kassiererin vor ca. 30 Jahren in die USA ausgewandert war und woher? Aus Waiblingen… Sie hat dann auch gleich noch das Gericht erraten, wofür ich den Spinat brauchte: Salzkartoffeln mit Spinat und Spiegelei, das sie in ihrer Kindheit immer gegessen hat. Ja, so fühlt man sich manchmal im Walmart in Atlanta wie beim Tante Emma Lädle im Schwobaländle, wo man mit der Verkäuferin noch ein Schwätzle über alte Zeiten hält.

Blitzstart fürs neue Projekt in Ferrara

03. November 2011

Wie vor einer Weile schon mal beschrieben (zum Artikel) bin ich seit diesem Semester mit einem neuen Projekt beauftragt, bei dem es darum geht, mittels Schallwellen die Lage und Geometrie von Erdschichten zu bestimmen. Das Projekt ist aber nicht neu, d. h. ein Student names Samuel hat für seinen Ph.D. schon einiges für das Projekt geleistet. Meine Aufgabe ist es, auf seinen Ergebnissen aufzubauen und insbesondere die Problemstellung vom 2 ins 3-Dimensionale zu überführen. Selbiger Samuel kommt aus dem Städtchen Ferrara ca. 30 min von Bologna entfernt, wo er momentan als Post-Doc arbeitet. Um einen möglichst guten Start in das neue Projekt zu bekommen, schlug Prof. Yezzi vor, dass Samuel und ich uns doch für eine Woche treffen könnten, damit Samuel mir persönlich erklären und zeigen kann, was er schon gemacht hat. Natürlich könnte man das auch alles nachlesen, aber es geht doch deutlich einfacher und schneller durch persönliche Interaktion, vor allem beim Programmcode. Sehr wertvoll empfand ich die Tipps und Tricks, die Samuel aus der praktischen (Programmier-)Arbeit gewonnen hatte, und auch die „Historie“ seiner Abschlussarbeit. D. h. ich habe jetzt ein viel besseres Gespür, was mich in den nächsten 2 Jahren erwartet.

Bonus dieser Reise war natürlich der Aufenthalt in Bella Italia. Essen wie immer großartig, super Herbstwetter, und obwohl nicht sonderlich bekannt, hat Ferrara doch einen hübschen Stadtkern mit Kathedrale und Kastell. Leider war ich etwas ab vom Schuss in einem Hostel in einem Wohngebiet untergebracht, so dass meine Mobilität schon recht eingeschränkt war. Zudem ist mein italienisch äußerst begrenzt (Hab trotz 2-stündigem Studium im Flugzeug erstmal Bon Giorno mit Arrivederci verwechselt. Naja, war etwas aufgeregt! 🙂 ), so dass das soziale Leben außerhalb der Arbeitszeiten recht armselig war.

Ferrara - Marktplatz und Kathedrale (rechts)

Ferrara - Marktplatz und Kathedrale (rechts). Auf dem Stüfchen am weißen Turm der Kathedrale ließ sich wunderbar Mittagsschläfchen machen!

Ansonsten bin ich gerade gut mit Vorlesungen beschäftigt. Sowohl Advanced Digital Signal Processing (Fortgeschrittene Digitale Signalverarbeitung) als auch Partial Differential Equations I (Partielle Differentialgleichungen I) im Mathe-Department sind sehr interessant, wenn auch einiges an Arbeit. Der nächste Eintrag geht dann mal wieder ums Essen (Ich liebe Aldi! 🙂 ).

Oktoberfest in Helen, GA

02. Oktober 2011

Letztes Wochenende begaben drei Kollegen und ich uns nach Helen in den Bergen Nord-Georgias zum diesjährigen Oktoberfest. Helen ist ein kleines Städtchen, das sich, um touristisch überleben zu könnnen, einen deutschen Anstrich verpasst hat. Entlang der Hauptstraße reihen sich Shops und Restaurants, die vom Baustil her an eine Mixtur aus Schwarzwaldhaus, Königsschlösschen und Disneyworld erinnern. Bei strahlendem Herbstsonnenschein war es durchaus kurzweilig durch die Gasse zu schlendern und Unmengen von typisch deutschen Souvenirs (Bierkrüge, Haribo, Mensch Ärgere Dich Nicht, Dirndls/Lederhosen,…) zu begutachten. Zum Mittagessen kehrten wir in den Gasthof Heidelberg ein, wo mir tatsächlich sehr authentisches (im Gegensatz zur Architektur) deutsches Essen aufgetischt wurde – Jägerschnitzel mit Spätzle und Rotkohl.

Gasthof "Heidelberg" in Helen

Gasthof "Heidelberg" in Helen

Bevor wir uns dann dem eigentlichen Ziel, dem Oktoberfest, zuwandten, ließen wir den diesjährigen Festumzug an uns vorbeiziehen. Allerlei Süßigkeiten wurden umhergeworfen, Kutschen, Leute mit Trachten, das offizielle Bierfass importiert aus Deutschland zogen durch die Straße, wie man das so kennt. Dass auch eine Kolonne von deutschen Autos (VW, Audi,…) teilnimmt, kann man ja noch irgendwie nachvollziehen, aber was die 20 Corvettes in dem Umzug zu suchen hatten?

Offizielles Oktoberfest-Fass (Wir hatten Zweifel ob wirklich was drin ist)

Offizielles Oktoberfest-Fass (Wir hatten Zweifel ob wirklich was drin ist)

Während Helen einen ganz unterhaltsamen Eindruck auf mich gemacht hatte, enttäuschte das Oktoberfest leider etwas. Zum einen war der Eintritt ins Fest-„Zelt“ (eher eine halb-offene Halle, aber ähnliches Feeling wie ein Zelt) mit $9 nicht günstig, und zum anderen wurde dafür nicht gerade viel geboten. Immerhin gab es deutsches Oktoberfestbier von Paulaner. Musik wurde so die typische Schunkel- und Schuhplattlermusik gespielt, was gut passte. Nur war sehr wenig los (Wir waren Samstag Nachmittag bis Abend dort), so dass kaum ausgelassene Stimmung aufkommen konnte. War vielleicht so wie Pferdemarkt am Sonntag morgen um 11:30 Uhr: Ein paar Senioren essen Mittag und ein paar Hartgesottene sind schon wieder da zum trinken, aber nicht wirklich was los. Nur zum was trinken und essen ist es beim Helener Oktoberfest aber zu teuer, meiner Meinung nach. Hab das Konzept also nicht so 100% verstanden. Aber gut, man hat’s mal gesehn und nächstes Mal dann doch wieder Pferdemarkt, Wasen oder Wiesn… A propos, eine „Wiese“ mit Fahrgeschäften und Ständen gibt’s leider auch nicht, nur das Bier-„Zelt“. Naja, für unverwöhnte Amerikaner ist es wahrscheinlich trotzdem ein Erlebnis.

ICIP 2011 in Brüssel

16. September 2011
Gildehaus am Grand Place

Gildehaus am Grand Place

Ich bin hier viel zu früh am Flughafen in Brüssel und hab daher Zeit ein bisschen was zu schreiben. Seit Samstag war ich in Brüssel für die ICIP (International Conference on Image Processing), wo ich mein Poster mit dem Titel „A video analytics framework for amorphous and unstructured anomaly detection“ vorgestellt habe, also die Herangehensweise, die wir zur Feuerdetektion nutzen. Das Poster hat zwar nicht übermaßig viel Bachtung erhalten (Hab es drei Mal erklärt in der 1h 15min langen Session), aber die Gespräche liefen erstaunlich gut, kein Widerspruch und die Leute taten zumindest so als würden sie den Nutzen erkennen. Das tat ich zwar auch bei einigen Postern, wo ich nur Bahnhof verstanden hab, aber ich bin jetzt einfach mal selbstbewusst und denke, dass ich ganz gut erklärt habe. Bei einigen bis vielen Postern kann ich das nicht wirklich sagen. Oft standen nicht die eigentlichen Autoren am Poster, die dann auf Nachfragen entweder das Poster vorgelesen haben oder der Frage (bewusst oder unbewusst) auswichen. Oft hatte ich ganz grundlegende Fragen, wie z. B. „Was ist ‚Total Variation‘ und wofür wird es verwendet?“. Das Poster war dann darüber wie man diese Methode verbessert usw., aber ich musste ja erst mal verstehen, was die Grundlage ist. Die Antworten waren oft unverständlich für mich, was eigentlich verwunderlich ist, da man ja doch erwarten kann, dass jemand, der auf einem Gebiet forscht, auch die Grundlagen so verinnerlicht hat, dass er einen gewissen Kontext herstellen kann und nicht nur die Schritte seines Poster erklären kann. Manchmal war wohl auch die Sprache eine Barriere. Aber es gab auch gute Gespräche.

Mein Poster bei der ICIP2011

Mein Poster bei der ICIP2011

Die drei Präsentationen (Lecture), die ich mir angehört habe, fand ich eher enttäuschend. Einer war sprachlich unverständlich, der andere war viel zu fortgeschritten für mich; immerhin bei einem hab ich einigermaßen verstanden worum’s geht, aber den Beitrag (Contribution) hab dann doch auch nicht ganz erfasst. Ich war natürlich auch nicht mit dem Thema so richtig vertraut, aber die Poster/Präsentationen, die mit der eigenen Forschung zu tun haben sind halt schon sehr wenige, hatte ich das Gefühl. Insgesamt trotzdem eine sehr gute Erfahrung, mal zu sehen wie in der Bildverarbeitung geforscht wird, auch wenn ich mir persönlich manchmal mehr ein „Tutorial“ als eine „Forschungspräsentation“ gewünscht hätte.

Blick vom Konferenzgebäude auf Brüssel

Blick vom Konferenzgebäude auf Brüssel

Natürlich war auch genug Zeit, was von der Stadt zu sehn. Die Familie war von Samstag bis Dienstag zu Besuch und so machten wir einige der touristischen Aktionen zusammen. Highlights in Brüssel: Das Comic-Museum ein Muss für mich im Heimatland von Comics wie Tim und Struppi (Tintin), Lucky Luke oder die Schlümpfe, die alle meine Kindheit geprägt haben. Französischkenntnisse sind aber von Vorteil; der deutsche/englische Guide übersetzt nicht die Dialoge in den ausgestellten Comics.

Atomium

Atomium

Manneken Pis

Manneken Pis

Weitere Sehenswürdigkeiten im Schnelldurchlauf: Das Atomium, 1958 zur Expo erbaut, symbolisiert den Eintritt in das nukleare Zeitalter. Warum der Bube „Manneken Pis“ pinkelt ist umstritten. Eine Theorie besagt, er stelle einen Königssohn dar, der Mitten im Schlachtfeld an einen Baum pinkelte und so seinen Mut bewies. Der „Grand Place“ prunkt mit den verzierten Gildehäusern und dem Rathaus, sehr beeindruckend. „Place Royal“ steht im Zeichen der Könige mit dem Königspalast und der Statue eines Königs während der Kreuzzüge. Viele schöne Kirchen schmücken die Stadt. Die kulinarischen Spezialitäten sind klasse: Pommes, Schokolade, Bier, Muscheln,…  Brüssel hat mir sehr gut gefallen, Atmosphäre ähnlich wie Paris, aber etwas heimelicher. Nur mit dem Französisch muss es noch besser werden in der Zukunft, damit ich mich wirklich wohlfühlen kann.

Bohnengemüse mit Spätzle und „Saiten“

05. September 2011

Anschließend an den letzten Beitrag meine neuste kulinarische Erfolgsmeldung: Bohnengemüse mit Spätzle und Saitenwürstle. Alles selbstgemacht, nur die Wurst ist vom Aldi. Das Bohnengemüse war ein klein wenig zu salzig, aber den Fehler mach ich beim nächsten Mal nicht nochmal. Rezept gibt’s auf Nachfrage 🙂

Bohnengemüse mit Spätzle und Saitenwürstle

Bohnengemüse mit Spätzle und "Saiten"-Würstle

Spätzle – Swabian Egg Noodles

14. August 2011

War mal wieder beim Aldi, wo ein kleines  Special  „Deutsche Küche“ (so heißt die Marke) am Laufen ist. Neben Braunschweiger (noch nicht probiert) und Knack-Wurst (die wie Bratwürste aussehn, aber wie Saiten schmecken), gab es auch Spätzle, die getrockneten, die man nur noch kochen muss.  Schmeckt wie vom Supermarkt zu Hause, also nicht überragend, aber man nimmt ja was man kriegen kann! 🙂

Interessante ist die Vermarktung. Aus dem Verpackungstext:

„Our Original Swabian Egg Noodles are made from the best natural ingredients. It is a tradition in our region of the Black Forest to strive for the highest quality ingredients and food products. Swabian Egg Noodles are a versatile gourmet food. […] Deutsche Küche Spätzle is the perfect accompaniment to meat, poultry and fish.“

„Unsere original schwäbischen Eiernudeln sind aus den besten natürlichen Zutaten gemacht. Es ist Tradition in unserer Region, dem Schwarzwald, die qualitativ hochwertigsten Zutaten und Nahrungsmittelerzeugnisse anzustreben. Schwäbische Eiernudeln sind ein vielseitiges Gourmet-Essen. […] Deutsche Küche Spätzle bildet die perfekte Beilage zu Fleisch, Geflügel und Fisch.“

Wer von euch hat schon mal Spätzle mit Fisch gegessen!? Und dass Spätzle Gourmet ist, naja… Also nächstes Mal werd ich mal versuchen, selber Spätzle zu machen. Ist ja nicht allzu schwer. Bild ich mir ein…

 

Neues Semester, neuer Prof, neues Projekt

09. August 2011

Nicht nur die historische Kreditabstufung der USA am vergangenen Wochenende schafft hier neue Verhältnisse. Auch in meiner PhD-Laufbahn gibt’s nicht geringe Neuigkeiten: Zum neuen Semester (es ist mal wieder Fall) bekomme ich nicht nur ein neues Projekt (was ich schon seit einer Weile wusste), sondern auch gleich einen neuen Professor! Mein bisheriger Advisor, Prof. Tannenbaum, wird diesen Monat an das Boston College wechseln. Zum Glück wurden wir Studenten dabei nicht vergessen und es wurde mir — Die meisten Lab-Kollegen, die schon länger dabei sind, wurden angehalten schnell abzuschließen — ein neuer Professor zugeteilt. Zusammen mit Prof. Yezzi, der an ganz ähnlichen Themengebieten forscht wie Prof. Tannenbaum, werde ich die nächsten (und wahrscheinlich(!) letzten) 2-3 Jahre meines PhD-Studiums verbringen.

Vor einer starken Woche habe ich mich mal mit Prof. Yezzi, bei dem ich übrigens den Kurs „PDEs in Computer Vision and Image Processing“ im letzten Frühling gehört habe, getroffen und über das künftige Forschungsprojekt gesprochen. Im Großen und Ganzen bin ich sehr glücklich über das Projekt, da es in nahezu unglaublicher Weise das alles vereint, was ich bisher im PhD über Computer Vision als auch im Master/Diplom über Mechanik gelernt habe. Das Ziel ist es, die Lage und Geometrie von Erdschichten durch seismische Schallmessungen an der Erdoberfläche zu bestimmen. Während der traditionelle Ansatz FEM-Simulationen verwendet, gehen wir das Problem mit einer Mischung aus BEM und Active Surfaces an. Letzteres ist dabei die eigentliche Neuigkeit. Active Surfaces sind im Prinzip „dynamische Flächen“, die in unserem Fall die Schnittstelle zwischen zwei Erdschichten definieren. Am Anfang wissen wir natürlich nicht, wie die Schnittstellen aussehen, d.h. man rät einfach mal, wo sie sein könnten. Das Ziel ist dann, die Active Surface so zu verändern, dass ein Fehlermaß aus gemessenem und simuliertem (BEM mit der aktuellen Active Surface)  Oberflächenschall garantiert kleiner wird, also ein Gradientenfluss für das Fehlermaß generiert wird. Nach einer gewissen Anzahl von Iterationen sollte das Fehlermaß sich auf einen Wert einpendeln und die dann aktuelle Active Surface eine gute Näherung für die tatsächlichen Schnittstellen der Erdschichten repräsentieren. Der Vorteil gegenüber FEM-Methoden ist die Tatsache, dass Active Surfaces sehr effizient mit Level-Set-Methoden implementiert werden können, so dass nicht jeder Knotenpunkt einzeln verschoben werden muss wie bei FEM.

Während ich sehr glücklich über die Thematik bin, macht mich die voraussichtlich hohe Programmierintensität noch etwas vorsichtig in meinem Überschwang. Bin gerade dabei mir C++ anzueignen, was aus Gründen der Geschwindigkeit über Matlab bevorzugt werden wird. Also mal schauen, ob mich das Projekt doch noch zu einem passablen Programmierer macht…

Das Feuerprojekt — im Blog lange vergessen, wie mir scheint — ist übrigens abgeschlossen. Wir konnten am Ende ganz passabel Feuer detektieren und nun steht noch aus, ein Journal Paper daraus zu  machen.

Voraussichtliche Vorlesungen für das Fall Semester: „Advanced Digital Signal Processing“ und „Pattern Recognition with Application to Speech“, beide wohl eher weniger hilfreich für das neue Projekt, aber muss noch ein paar Credits holen…